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Das zweite Ich

Es war ein Tag vor meinem 21. Geburtstag. Schon einige Wochen vorher hatte ich mit den Vorbereitungen meiner großen Geburtstagsparty begonnen. Ich wollte mit meinen besten Freundinnen erst einmal gemeinsam kochen und nach dem Abendessen auf Party gehen. Auf diese Feier freute ich mich schon ziemlich lange. Es war mal wieder die Gelegenheit mit der ganzen Clique etwas zu unternehmen. Jede von uns hatte in der letzten Zeit kaum Zeit gehabt. Bei mir auf Arbeit war in letzter Zeit viel los. Die Großen hatten eine Umstrukturierung geplant, sodass ich viele Überstunden im Büro machen musste. Heute war mal wieder so ein Tag, wo ich bis spät in die Nacht arbeiten musste. Der Stapel auf meinem Schreibtisch wurde nicht kleiner und ich hatte das Gefühl noch irgendwann an diesen ganzen Papieren zu ersticken. Als ich endlich die letzte Tabelle ausgedruckt und abgeheftet hatte, schlug die Uhr elf. Wenn ich jetzt Feierabend und los fahren würde, würde ich genau Mitternacht zu hause ankommen.


Ich räumte mein Schreibtisch auf und packte meine Sachen. Endlich konnte ich für die nächsten zwei Tage das Büro hinter mir lassen. Erschöpft ließ ich mich in mein Auto sinken und stellte meine Tasche mit meiner Jacke auf den Beifahrersitz. Ich atmete noch einmal tief durch bevor ich den Motor meines kleinen Ford Fiestas startete. Im Radio brachten sie auch nur langsame Musik, dass konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen. So kramte ich noch schnell meine Lieblingscd heraus und begab mich auf den Heimweg. Die Straßen waren verlassen und alles schlummerte schon tief und fest. Nur ich durchbrach die nächtliche Stille mit meinen fahrbaren Untersatz und meiner lauten Musik. Ich verließ die Stadt und fuhr in einen dunklen Wald hinein. Jetzt musste ich besonders aufpassen, denn auf dieser strecke hatte ich schon einmal ein Reh überfahren. Sie tauchten immer wieder plötzlich auf, als würden sie dahin gestellt werden und auf den Tod warten. Nach einer scharfen Linkskurve erwartete mich diesmal kein Wild, sondern eine Frau in ein weißes Gewand gehüllt. Um die Frau herum war ein leuchtender Schimmer zu erkennen. Ich stieg sofort auf die Bremse. Noch ein Unfall würde ich jetzt nicht mehr verkraften. Doch ich wusste, dass ich viel zu schnell war um es noch rechtzeitig zu schaffen.


Ich fuhr die Frau um, so dachte ich jedenfalls, doch als ich in mein Rückspiegel schaute sah ich niemanden auf der Straße liegen. Ich hielt am Straßenrand an und schaute mich an der Stelle um, wo die Frau stand. Sie war weg. Nach kurzer Suche stieg ich wieder in meinen kleinen Flitzer und schaute mich im Spiegel an. "Du gehörst wirklich ins Bett. Nun siehst du auch schon Gestalten die nicht da sind." sagte ich zu mir selbst. Die restliche Strecke verlief ohne weitere Vorfälle. Es war kurz von Mitternacht, als ich zuhause ankam. Zuhause ließ ich mir ein Bad ein und goss mir ein Glas Sekt ein. Mit letzter Kraft streifte ich mir die Kleidung vom Körper und stieg in die Badewanne ein. Es tat gut, die Wärme an meinem Körper zu spüren und den kühlen Sekt, wie er meine Kehle hinunter glitt. Nachdem ich das Glas geleert hatte stelle ich es beiseite und schloss für einen Moment die Augen. Ich glaube dieser Moment war doch zuviel, sodass ich in der Badewanne eingeschlafen sein musste. Vor meinen inneren Auge sah ich die Frau wieder, die ich schon auf der Heimfahrt gesehen hatte. Sie streckte mir die Hand aus und ich ergriff sie mit einem leichten zögern. In ihren Augen fühlte ich mich geborgen. Sie lächelte mich an und ich begann mit ihr eine Reise.


Sie erklärte mir das ich eine Hexe sei und mit meinem 21. Geburtstag nun auch das volle Bewusstsein einer Hexe erreicht habe. Ich würde instinktiv alles wissen, was man als Hexe wissen müsste für den Anfang. Während sie mit mir sprach und ich ihr gespannt lauschte, erzählte sie mir von meinen Ahnen und das es eine lange Ader des Hexenblutes in meiner Familie gab. Zuletzt verriet sie mir ihren Namen, der sich in mein Gehirn hineinbrannte. Hekate! Als sie ihren Namen ausgesprochen hatte verschwand sie und ließ mich in der Dunkelheit zurück. Langsam öffnete ich meine Augen und ich fragte mich, ob das nur ein Traum war. Doch in meinem Kopf spuckte noch dieser Name Hekate herum. Ich beschloss zu Bett zu gehen, der Tag hatte mich wohl doch etwas mehr mitgenommen als ich dachte. Die Nacht verging sehr schnell und wieder hatte ich einen verwirrenden Traum. Gegen neun Uhr klingelte es an der Tür, ich war gerade aufgestanden und hatte mir einen starke Kaffee gemacht. Mit meiner Kaffeetasse und meinem Morgenmantel schlenderte ich zu der Tür. Meine Freundinnen standen mit einem Korb und einer Flasche Sekt vor der Tür. "Überraschung!" riefen sie freudestrahlend nach dem öffnen der Tür. Überrascht stand ich vor ihnen und bot sie einzutreten.


Ich zog mich an und wir frühstückten gemütlich. Danach gingen wir gemeinsam shoppen. Es war ein sehr schöner Tag, die Sonne strahlte und wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. Dabei ging ein leichtes Lüftchen. Im Park machten wir mit einem Eis eine kleine Pause. Der Wind strich uns leicht durch unser Haar. Plötzlich hörte ich eine leise Stimme, die in mein Ohr flüsterte "Alles Gute zum Geburtstag Hexe Mara." Ich drehte mich um, doch ich konnte nichts sehen. Was war mit mir los, woher kamen plötzlich diese Stimme und Gefühle. "Was ist denn los, Mara?" wollte Steffi von mir wissen. Sie rieß mich aus meinen Gedanken und ich schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich glaube ich bin überarbeitet." Doch der Tag sollte noch komischer werden. Immer wieder hörte ich leise Stimmen, die ich versuchte zu ignorieren, doch sie wurden immer lauter. In einer ruhigen Minute schloss ich meine Augen und rief nach Hekate. Sie musste mir erklären was diese Stimmen von mir wollten. Es dauerte nicht lang, als ich fühlte wie sich mein Innerstes von meinem Körper trennte und ich nach oben schwebte. Ich flog zu einer Lichtung in das angrenzende Wäldchen, wo sie schon auf mich wartete. Sie war nicht allein. Meine Seele landete sanft vor ihr und sie strahlte mich an.


"Seit gegrüßt Hexe Mara. Schön das du zu uns gefunden hast. Du fragst dich sicher wieso du heute Stimmen gehört hast." meinte sie. Ich sah sie überrascht an und nickte nur. "Ja diese Stimmen kamen von unseren vor Elementen. Erde, Feuer, Luft und Wasser. Bei uns gibt es auch verschiedene Geister und Götter. Du wirst sie im Laufe deines Hexendarseins kennenlernen. Nur solltest du sie nie ignorieren, damit machst du sie wütend. Also lauschen ihnen und lass sie in dein Herz." Sie stellte mir noch einigen Waldgeister und Gottheiten vor. Als ich wieder aus meiner Trance erwachte dachte ich es seinen mehrere Stunden vergangen, aber es waren nur fünf Minuten vergangen. Der Abend verlief dann ruhiger, soweit es in einer Disko und bei einem Frauenabend ruhig sein kann. Nach diesem Treffen mit Hekate freundete ich mich langsam mit dem Gedanken eine Hexe zu sein an.

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