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Nullam felis tenebrarum (Teil 2)

Ich scheute seinen Blick nicht, eher wollte ich herausfinden was er war. Seine Augen waren kalt, leer und wirkten sehr alt. Plötzlich begann sich in diesen alten Augen eine blutrote Farbe einzumischen und da war es mir klar. Er war ein Vampir. Ich wusste, wenn ich nicht schnell handeln würde, würde ich bald als Vampirfutter enden.

Immer noch lächelte ich ihn an und hauchte ihn mit einem erotischen Unterton zu: "Na bist du auf der Suche nach deinem Abendessen?" Verwundert schaute er mich an und begann höhnisch zu lachen. "Nicht nur süß und sexy, sondern auch noch schlau. So lieb ich es zu speisen." Seine Fangs kamen zum Vorschein und bescherte mir einen wohligen Schauer am Rücken. Doch bevor er zubeißen konnte war ich vor ihm verschwunden und es sah so aus, als hätte er gerade etwas Holz gekostet. Kichernd verriet ich bewusst mein Versteck. Er schaute zwei Stockwerke höher und erkannte mich auf einen Ast lachend sitzend.


Er tobte vor Wut und kam, keinen Wimpernschlag später, zu mir auf den Ast. Immer noch lachend neigte ich meinen Kopf zur Seite und versuchte ernst zu wirken. Was wirklich nicht einfach war. Er hockte auf dem Ast und schaute mich an. "Was zur Hölle bist du?" fragte er mich, ohne mich einen Moment aus den Augen zu lassen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht entgegnet ich ihm: "Ich bin eine Wicca aus dem 17ten Jahrhundert." Seine Augen wurden schmal und überprüfend mich genau. "Das ist nicht alles Hexlein, stimmt’s?" Ich nickte und zeigte ihn meine andere Gestalt. "Verdammt! Wieso habe ich es nicht gleich gesehen." fluchte er. Die Situation war in meinen Augen sehr amüsant. Er ließ sich neben mich nieder und schaute mich eine kleine Weile an, bevor er die Stille wieder durchbrach. "Wieso bist du auch ein Vampir, ich dachte immer ihr Hexen könnt euch so gut schützen?" Meine Blicke, die auf das Himmelzelt gerichtet waren wanderten zu ihm. Ich holte tief Luft. "Bevor ich dir meine Geschichte erzähle, sollten wir lieber zu mir nach Hause gehen, denn die Sonne geht gleich auf." Mit diesen Worten machte ich einen Satz nach unten und schaute zu ihm hoch.


Er schaute auf seine Rolex, die er sicher irgendeinem seiner unzähligen Opfer abgenommen hatte und bemerkte dass es nicht mehr lang dauern würde, bevor die ersten Sonnenstrahlen diese wunderschöne Sommernacht durchbrach. Einen winzigen Augenblick später stand er neben mir und wir gingen den Weg stillschweigend entlang. Ich spürte seine Blicke obwohl ich ihn nicht ansah. Sicher fragte er sich, ob es klug war mit mir zu gehen, aber welcher Vampir zeigte schon gern seine Schwäche. Der restliche Heimweg verging sehr schnell, das lag vielleicht auch am erhöhten Tempo. Zu Hause angekommen bat ich ihn herein.


Luna war auch schon von ihrem Streifzug in der neuen Gegend zurück und begrüßte mich. "Oh auch noch ein Katzenliebhaber, aber für einen Vampir hast du es richtig schön. Was hast du denn mit den Vorbesitzern gemacht?" meinte er höhnisch. Grinsend schaute ich ihn an und deutete ihm sich auf das Sofa zu setzen. "Das Haus stand leer und ich finde es passt gut zu mir. Ich bin kein gewöhnlicher Vampir, wie du schon bemerkt hast. Ich dufte immer noch menschlich; nicht so wie du! Aber das tut jetzt nichts zur Sache, bevor ich dir meine Geschichte erzähle, muss ich noch ein paar kleine Vorbereitungen treffen, damit du hier sicher bist."


Ich verließ das Haus und ließ ihn fragend auf meiner roten Couch sitzen. In der Küche holte ich einige Sachen für ein Ritual und ging in den Garten. Hinter dem Haus konnte mich keiner beobachten, wenn ich ein Ritual vollzog. Nach einigen Minuten beendete ich es. Das Ritual sollte uns im Haus und auf dem Grundstück schützen, während des Tages. Etwas nach Weihrauch riechend betrat ich das Wohnzimmer, wo sich dieser komische Kautz gerade über meine kleine Sammlung alter Werke hermachte. "Ich hoffe du kannst sie auch lesen?" machte ich mich bemerkbar und ließ mich leicht erschöpft auf die Couch sinken. Ich zog meine Stiefel aus und atmete einmal tief ein und aus. Er stand immer noch an meinem Bücherregal, hielt ein Buch in der Hand und schaute mich interessiert an. "Die Werke, die du hier hast, sind Jahrhunderte alt. Davon habe ich schon lange keine mehr gesehen." sagte er und kam zu mir auf das Sofa. "Wenn man die Werke so sieht, könnte man glauben du bist aus dem 16. Jahrhundert." Ich nickte nur und schaute aus dem Fenster. "Ja das 16. Jahrhundert war eines der schönsten Jahrhunderte, finde ich. Da war die Natur noch so wie sein sollte. Nicht so wie heute." ich schaute ihn in die Augen.


Meine verrieten ihm das ich mich nach diesem Jahrhundert sehnte. "Aber auch in diesem Jahrhundert ist einiges nicht schlecht. Aber wir wollten uns nicht über die vergangenen Jahrhunderte unterhalten sondern, vielmehr wieso ich als Wicca ein Vampir bin." Er nickte und ich bemerkte dass er schon förmlich an meinen Lippen kleben würde, so wissenshungrig war er. So begann ich mit meiner Geschichte, doch ich sollte nicht weit kommen.


"Ich lebte 1523 in einem kleinen Wald, in der Nähe von Stonehenge. Mein Häuschen war einfach und unauffällig und das Leben sehr ruhig. Denn ich war die meiste Zeit für mich allein. Es verirrten sich nur wenige in mein Gebiet. Die meisten waren Wanderer oder Flüchtlinge, denen ich half, damit sie ihren Weg fortsetzen konnten. Eines Tages, ich glaube es war im Jahr 1529, kam eines Abends ein junger und sehr schwacher Mann zu mir. Ich bat ihn herein. Er hatte sehr viele Wunden, die, so vermutete ich, von einem wilden Tier stammten. Ich bot ihm mein Bett aus Stroh an, was er dankend annahm. So begann ich seine Wunden zu pflegen. Er war ein sehr stiller Zeitgenosse, der kaum etwas von sich preisgab. Damals dachte ich, dass es an seinen schweren Verletzungen lag, doch da hatte ich mich leider geschnitten."


Ich machte eine kurze Pause und holte uns etwas zu trinken. Mein Gast schaute mich verblüfft an und probierte erst zaghaft, bevor er es in einem Zug leerte. Lächelnd merkte ich an: "Es mundet dir wohl?" Seine Augen strahlten und er nickte. "Das schmeckt gar nicht nach Blut, was ist das?" - "Es ist Blut, nur habe ich ein wenig gezaubert. Denn ich mag diesen Blutgeschmack nicht, viel lieber trinke einen guten Wein oder Met. So habe ich in der Vergangenheit ein wenig herum experimentiert und habe dann die Formel entdeckt um Blut schmackhaft zu machen." Genüsslich ließ mir das Blut meine Kehle hinunter laufen und schmeckte den Kirsch Met auf der Zunge. Nachdem ich auch mein Glas geleert hatte schaute ich ihn an. "Na willst du noch mehr hören?" Er nickte und machte es sich noch einmal gemütlich und meinte mit einer ungewohnten Sanftheit: "Ja klar, Hexlein. Erzähl sie mir, denn wir haben ja schließlich alle Zeit der Welt." So begann ich meinen kleinen dunklen Fleck in meiner Vergangenheit weiterzuerzählen. Ich hatte mich zwar schon damit abgefunden, dass ich ein Vampir bin, aber trotz fast schon 500 Jahren gefiel mir der Gedanke, ein Vampir zu sein immer noch nicht.


"Die Nacht, in der der junge Mann vor meiner Tür stand, hatte mich die Mondmutter versucht zu warnen, doch ich kleines naives Ding hatte damals ihre Warnung nicht richtig gedeutet. Ja auch uns passieren Fehler. Nachdem ich eine Zeit über ihn gewacht hatte, bin ich wohl eingeschlafen. Ich kann es mir nur so erklären, dass er diese Masche des Verletzten nur mir vorgespielt hatte. Dann als ich geschlafen hatte er meinen Bannkreis aufgelöst und seinen Herrn, meinen Meister herein gebeten. Denn ich wurde von meinem jetzigen Meister unsanft auf aus dem Schlaf gerissen und auf mein Bett geschleudert. Sein Slave grinste mich nur mit seinen irren und bezirzten Blick an. Mein Meister schwang sich auf mich und hielt meine Hände fest. Denn er wusste dass ich mit ihnen sehr großen Schaden anrichten konnte. Er pfiff sein Slave zu uns und befahl ihm meine Hände gut festzuhalten...

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