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Nullan felis tenebrarum (Teil 6)

Kurz vor Sonnenaufgang verabschiedete ich mich bei Ellen und ging in mein Schlafgemach. Ich legte mich erschöpft auf mein Bett und schloss die Augen. Doch ich konnte meinen Kopf nicht abschalten, zu groß waren die Fragen die sich auftaten. Wen suchte Enderis? Arbeitet Enderis immer noch für meinen Meister? Wie bekomme ich Enderis in meine Falle, ohne mich zu verraten? Werde ich Genefe finden? Wird sie mich noch erkennen? Lebt sie noch? Warum hatte Luna Ellen unser Haus gezeigt? Was verbirgt sich in Ellen? Wie viel kann ich Ellen von mir erzählen? Wieso hatte ich noch nichts über die Existenz von Werwölfen herausgefunden?
Einige Stunden nach Sonnenaufgang schlief ich dann doch noch ein. Mein Traum war wild und bestückt mit Fragmenten meiner vorhergegangenen Fragen auf die ich noch keine Antwort hatte. Mir stand im Kampf gegen meinem Meister und Enderis ein weißer Werwolf, Ellen und Tyran zur Seite. Genefe war in einem Käfig gefangen und schien schon halb tot zu sein. Wir hatten die Armee von meinem Meister schon hinter uns gelassen und unsere Kräfte schienen auch langsam erschöpft zu sein. Dennoch traten wir den Beiden entgegen. Tyran und Ellen kümmerten sich um Enderis. Die Beiden folgen immer wieder durch den Raum und rappelten sich wieder auf. Ellen schaffte es mit letzter Kraft einen Angriff von Enderis auszuweichen und fixierte ihn mit einem Zauber. Tyran trat an ihn heran und brach ihm erst das Genick bevor er ihm noch einen Pflog durchs Herz jagte.


Der weiße Werwolf und ich kümmerten sich in der Zwischenzeit um Bestlin, meinen Meister. Wir griffen meist gemeinsam an, doch es reichte meist nicht aus. Er war sehr alt und seine Kraft war mit den Jahren stetig gewachsen. Als wir ihn langsam geschwächt hatten verletzte er den Werwolf so schwer, dass er am Boden liegen blieb. In mir wuchs die Wut und der Hass. Meine Fangs kamen zum Vorschein und meine Augen leuchteten Blutrot. Ich stürmte auf Bestlin und sprang vor ihm in die Luft. Blitzschnell drehte er sich um, doch durch einen kleinen Zauber war ich nun vor ihm verschwunden und stand hinter ihm. Ich packte ihm am Nacken und riss ihn zu Boden. Meine Fangs schlugen in seinen alten Hals und ich biss zu. Ich spürte wie sein Blut meine Kehle hinunter rann. Das Blut von ihm ließen kurz meine Sinne betäuben, doch ich besann mich auf meine Mission und holte aus meinem Gürtel ein Pflog und rammte ihn von hinten durchs Herz. Bestlin zerfiel vor mir in Staub.

Nun war der Weg zu Genefe frei und ich stürmte hin. Ellen und Tyran kümmerten sich in der Zwischenzeit um den Werwolf. Ich befreite Genefe aus dem Käfig. Blutige Tränen flossen mir vor Freude über die Wangen, als ich sie in meine Arme wieder schloss. Doch Genefe stahl mir unbemerkt einen Pflog, der noch an meinem Gürtel befestigt war und stieß ihn mir in den Rücken. In diesem Moment schreckte ich durch einen Schrei von Ellen hoch und stürmte sofort ins Wohnzimmer. Meine Augen waren blutrot und meine Fangs ausgefahren. Ich war für jeden Angriff bereit. Doch als ich mich umsah, sah ich wie Ellen in der Ecke saß und in die Richtung der Küche schaute. Ich deutete ihr an, dass sie sich verstecken und ruhig bleiben sollte. Langsam und lautlos schlich ich mich in die Küche. Als ich zum Sprung ansetzen wollte erkannte ich den Ledermantel und schüttelte den Kopf.

„Ty, wie kommst du hier rein? Und wieso erschrickst du meinen Gast zu Tode?“ Tyran hatte sich an meinen Kühlschrank bedient. Ein halb leeres Glas Blut stand neben ihn auf der Anreiche und er hatte Luna auf den Arm. Er grinste mich selbstverliebt an und meinte: „Deine kleine Katze hatte Hunger und ich hab sie gefüttert. Zudem wollte ich mit dir reden. Ach und die Kleine hat leider die falsche Blutgruppe.“ Ich kam zu ihm und trank aus seinem Glas. Schüttelte den Kopf und entgegnete ihm: „Du kannst nicht einfach jedes Mal hier reinspazieren wie es dir gefällt. Aber danke, dass du Luna gefuttert hast. Sie scheint dich wirklich zu mögen. Und deinen Kommentar zu dem Mädchen draußen habe ich mal überhört. Lass uns erst mal ins Wohnzimmer gehen und Ellen suchen. Ach und Ty, sei lieb zu ihr. Wenn nicht gehst du hier als zahnloser Vampir heraus.“ Ich bereitete noch ein Glas vor und füllte seines nach bevor wir ins Wohnzimmer gingen.

Die Gläser stellte ich auf den Tisch neben der Couch ab und ging zielstrebig auf das Versteck von Ellen zu. Ihr süßer Duft verriet jedem Vampir wo sie war. Tyran setzte sich brav auf den Dreisitzer und setzte Luna ab. Sie rollte sich auf seinen Schoss zusammen und begann zu schnurren. Ich öffnete die Tür meines Schrankes in dem ich noch meine Aktenordner einsortieren wollte und streckte die Hand Ellen entgegen. Mit sanfter Stimme sagte ich zu ihr: „Komm raus, du bist nicht in Gefahr. Das ist ein Freund von mir. Sollte er dir doch etwas tun werde ich mich um ihn kümmern.“ Sie ergriff meine Hand und kam aus ihrem Versteck hervor. Ihr Plus raste und ihr Herzschlag dröhnte in meinen Ohren, wie der Bass von einer Heavy Metal Band. Sie folgte mir zur Couch und setzte sich mit mir auf den Zweisitzer.

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