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Nullam felis tenebrarum (Teil16)



An seinen Mantel hingen noch ein paar kleine Zweige von kleinen Zedern und seine Schuhe waren voller Schlamm. „Sag mal kennst du überhaupt die Uhrzeit? Ich warte schon Stunden auf dich. Wo warst du? Wenn man dich einmal braucht, meint der gnädige Herr erst so spät wieder hier aufzutauchen.“ Schrie ich ihn an. Verdutzt schaute er mich an und kam mit einem schiefen Lächeln auf mich zu. „Na das nenn ich mal eine Begrüßung. Aber um dich zu beruhigen, ich habe ein paar kleine Nachforschungen wegen deinem Wolf angestellt und etwas heraus bekommen. Das könnte dich vielleicht interessieren.“ Ich schaute mit hochgezogener Augenbraue auf seine Schuhe und meinte immer noch wütend auf ihn: „Das kannst du mir gleich erzählen, erst muss ich das Ritual machen.“ Mit diesen Worten drehte ich ab und ging hinaus in den Garten. Dort vollzog ich das Ritual und ging über die Terrasse wieder ins Haus. In der Zeit hatte Tyran seine Spur aus Schlamm und Dreck weg gemacht und die Schuhe ausgezogen. 


Tyran hatte es sich auf dem Sofa, das seine Schlafstädte geworden war, gemütlich gemacht. „Hexlein, wo ist eigentlich dein Schützling? Ich hab die kleine Maus noch gar nicht hier mit den Büchern rumflitzen sehen.“ Seufzend schaute ich ihn an und ließ mich neben ihn auf das Sofa sinken. „Genau deswegen wäre es so wichtig gewesen, dass du heute nicht die ganze Nacht um die Häuser gezogen wärst. Ich habe das Gefühl das Ellen etwas passiert ist.“ Mit Entsetzen schaute er mich an und fragte ungläubig nach. „Du machst Witze. Ellen ist nicht verschwunden. Und was heißt genau Verschwunden?“ – „Verschwunden heißt, dass sie nicht nach Hause gekommen ist. Verschwunden heißt, dass ihr etwas passiert ist. Verdammt, ich will nicht noch eine Schülerin verlieren. Wir müssen sie unbedingt finden.“ Leise liefen mir blutige Tränen über das Gesicht. Ich war verzweifelt und Ellen war für mich schon lange nicht mehr nur das Mädchen was die Hexenkunst lernen wollte. Nein, sie war schon ein Teil meiner Familie und sie war für mich wie eine Tochter. Sanft legte Ty mir einen Arm um die Schultern und hauchte mir zu: „Keine Sorge Darling, wir werden sie schon finden. Ich verspreche es dir.“


Zur gleichen Zeit wachte Ellen in ihrem Verließ auf. Sie wurde auf dem Heimweg von der Bibliothek von hinten überrascht und mit einem dumpfen Schlag auf den Hinterkopf bewusstlos geschlagen. Sie hielt sich den Kopf und stöhnte leise als sie sich aufrichtete. Ihr Kopf tat höllisch weh und alles drehte sich leicht. Ein modriger Geruch stieg ihr in die Nase und sie schaute sich um. Man hatte sie in ein kleines Kellerverließ gesteckt und am Fuß gefesselt. Die Wände waren nass. An der gegenüberliegenden Wand schauten sie zwei Augen an. Reflexartig wich sie zurück und presste sich an die Wand. Der Raum war für ihre Augen zu dunkel, um genau zu erkennen wer oder was da war. Mit zögerlicher Stimme fragte Ellen nach: „Wer ist da?“ Eine kleine zierliche Frau kam langsam aus dem Schatten hervor. An ihrem linken Arm war eine schwere Silberkette befestigt. Ihre Kleidung war schmutzig und  ihr Gesicht war dreckig. „Mein Name ist Cecilia.“ Raunte sie zurück. Ellen war dennoch zögerlich. Sie wusste nicht genau wie sie diese Cecilia einschätzen sollte, doch ihre Neugier brannte so sehr, dass sie ihr noch ein paar Fragen stellen musste.


„Wo sind wir und weißt du wieso wir hier sind? Wer hat uns hierher gebracht?“ Das waren viele Fragen für den ersten Moment. Cecilia war schon mehrere Wochen hier unten gefangen. Die Gesellschaft von Ellen war für sie eine willkommene Abwechslung. Zögerlich bahnten sich die ersten Worte aus ihrer trocknen Kehle. „Ich glaube wir sind in der Nähe des städtischen Friedhofes, aber sicher bin ich mir nicht. Na ja und wieso wir hier sind, weiß ich auch nicht. Als sie dich hier rein gebracht haben, haben sie nur irgendwas von `die Hexe wird schon sehen, was passiert wenn sie hier auftaucht.` Aber wer die sind weiß ich nicht. Dafür ist es hier zu dunkel.“ Ellen nickte und machte sich ihre Gedanken. Vielleicht hatte es ja was mit diesem geheimnisvollen Wolf zu tun, dachte sich Ellen. Doch das würde keinen Sinn machen. Denn wieso würde er erst Maeve nach Hause bringen, wenn er ihr schaden würde wollen. Die Fragen in Ellens Kopf wurden immer mehr. Nur stand eins fest, sie musste Maeve irgendwie warnen und sich hier schnellstmöglich befreien. Die Stunden vergingen nur sehr schleppend und diese trostlose Umgebung schlug sehr auf das Gemüt der beiden Frauen. 


Die beiden Frauen unterhielten sich, um die Zeit etwas zu überbrücken. Ellen merkte jedoch schnell dass irgendetwas noch in Cecilia steckt was sie noch nicht erwähnt hatte. Doch sie wollte nicht zu neugierig wirken und fragte nicht nach. Auch sie verschwieg der Unbekannten, dass sie das Handwerk der Hexenkunst gerade erlernte. In diesem Augenblick wünschte sie sich, dass sie schon mit dem Handwerk weiter wäre und Maeve telepathisch eine Nachricht zukommen lassen könnte. Wo sie war. Doch diesen Wunsch verwarf sie sofort wieder, als ihr die Worte die Cecilia gesagt hatte in den Sinn kamen. Maeve würde in eine Falle tappen, wenn sie hierher kommen würde. Mit einem Seufzen machte sich Ellen ihrer aussichtslosen Situation bewusst. Sie schaute zu Cecilia und fragte mutlos: „Wie lange bist du schon hier unten?“ – „Ich weiß es nicht. Nur kommt es mir so vor, als würde es schon eine Ewigkeit sein.“ Ellen kauerte auf den Boden und schaute auf ihre Füße. „Meinst du sie lassen uns hier sterben?“ Sie wollte auf diese Frage keine Antwort, denn sie hatte Angst dass sie mit einem Ja beantwortet werden könnte. Bevor Cecilia antworten konnte. Hörten die Beiden zwei Stimmen die sich langsam näher kam
en.

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