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Nullam felis tenebrarum (Teil 18)

Ich kam aus der Küche gerannt und schrie im Vorbeilaufen am Wohnzimmer zu Ty: „Dann pack die Karte ein und wir machen los.“ In mir brach das Jagdfieber aus. Im Flur zog ich meine Bikerstiefel an und stürmte zur Tür hinaus. Tyran schnappte sich die Karte und folgte mir hinaus in die Nacht. Wir stiegen in meinen 67er Chevrolet Impala, den ich kurz zuvor für mein kleines Cabrio gekauft hatte und düsten los. Ty navigierte mich durch die Straßen, sodass wir kurze Zeit in der Innenstadt waren und vor dem alten Theater standen. Ich schaute ihn mit ernster Miene an und fragte ihn: „Bist du bereit? Das wird sicher nicht leicht für uns. Denn ich weiß nicht was uns jetzt erwartet.“ – „Na klar Hexlein, wir werden das Kind schon schaukeln und die Kleine da sicher rausholen.“ Mit einem Nicken signalisierte ich das ich ihn verstanden hatte. Das würde unser erster gemeinsamer Kampf werden und wir wussten noch nicht einmal welche Feinde auf uns warteten. Zugleich öffneten wir die Autotüren und stiegen aus. Ich schloss meinen Chevy noch ab, bevor wir in einem dunklen Winkel Zutritt zum Gebäude verschafften. Wachsam schlichen wir durch die Eingangshalle. Unsere Schritte waren lautlos. An einer kleinen Holztür, die schon bessere Tage gesehen hatte und durch den Brand leicht beschädigt wurde, standen zwei Typen.

Man hätte sie leicht mit ein paar Pappfiguren verwechseln können, denn einer von den beiden hätte durch seine Körpermaße in einem schlechten Actionfilm mitspielen können. Der Andere von den beiden Typen war asiatisch angehaucht und eher schmächtig. Ty schaute mich an und hauchte mir so leise wie es uns möglich war zu: „Übernimm du den Kleinen, ich nehme den Großen. Am besten überraschen wir sie von oben. Die Decken hier sind schön hoch. Ach Hexlein, pass ja auf dich auf, dass dir nichts passiert.“ Ich ließ meine Augen rollen, um ihn klar zu machen, dass der letzte Kommentar überflüssig war. Mit einem selbstgefälligen Lächeln begann Tyran zu schweben und ich folgte ihm. Gemeinsam schwebten wir über unsere Opfer und über uns kam ein mir sehr bekannter Geruch. Es waren Werwölfe! Na toll, wenn wir jetzt nicht alle elimieren würden, würde das nur noch den bevorstehenden Krieg zwischen Vampir und Werwolf näher heranholen, als uns lieb wäre. Meine Blicke gingen zu Tyran, in seinem Gesicht konnte ich sehen, dass er auch wusste, was sie sind. Nun gab es keinen Rückzug mehr, denn wir mussten so schnell wie möglich Ellen hier raus holen.


Tyran zählte gedanklich runter und wir sausten zeitgleich auf unseren Gegner hinab. Er hatte ein wenig Probleme den Kerl zu fixieren, aber nach einem kleinen Handgemenge gewann er die Oberhand. Mein Gegner sah auf den ersten Anblick leicht aus, doch man sollte nicht immer nach dem Äußeren gehen. Er war blitzschnell und bevor ich ihn mir richtig greifen konnte, drehte er sich um und ich sah in seine dunkelbraunen Augen, die einen Storm von etwas wildem hatte. Sein linker Mundwinkel zog sich zu einem schelmischen Grinsen nach oben und er sagte: „Wir haben schon auf dich gewartet, Maeve.“ Ich war kurze Zeit geschockt, doch ich zwang mich zu konzentrieren und mich Kampf bereit zu machen. Ich fuhr meine Reizzähne aus und fragte zischend: „Woher weißt du meinen Namen und wo ist das Mädchen?“ lachend begann er sich zu verwandeln und stand knurrend und Zähne fletschend vor mir. Er setzte zum Sprung an, ich wich zur Seite zurück und er knallte an die Wand. Doch er taumelte kurz bevor er seinen nächsten Angriff startete. Diesmal verschätzte ich mich und er brachte mich zu Fall. Sein Atem roch nach rohem Fleisch vermengt mit Zigarettenrauch. 

Ich versuchte mich aus meiner misslichen Lage zu befreien, doch der Köter war schwerer als seine menschliche Seite erahnen ließ. Während er auf mir stand verwandelte er sich zurück und seine Hände schlossen sich um meinen Hals und er saß auf mir. Würgend lachte er ohne zu bemerken, dass sein Kumpel mächtige Probleme mit Tyran hatte. Meine Augen färbten sich blutrot und ich merkte wie mein Körper mit Adrenalin gefüllt wurde. „So du kleine Schlampe, nun hat dein letztes Stündchen geschlagen. Du wirst nicht noch einmal einen unserer Alphamännchen so schaden.“ Sagte er triumphierend. Mit heißerer Stimme hauchte ich ihm zu: „Wie hast du mich genannt, Köter? Du solltest lieber dir mal die Zähne putzen bevor du mit mir sprichst, denn du stinkst!“ In seinen Augen konnte ich sehen, dass er etwas geschockt war über meine Reaktion. Diesen Moment nutzte ich und schloss meine Hände um seine Handgelenke. Ich drückte immer fester zu, sodass das Hündchen anfing zu jaulen. Zwischen den schmerzerfüllten Jaulen konnte man die Knochen brechen hören und ich stieß ihn von mir. Mit einem Satz stand ich wieder auf meinen Beinen und ging zu dem an der Wand liegenden Mann. 


Ich half ihn mit einer Hand um seinen Hals hoch. Seine Füße berührten den Boden nicht mehr. Mein Kopf legte ich schief und schaute ihn an. Im Flüsterton fragte ich ihn: „Hast du mich wirklich Schlampe genannt? Ich möchte für dich hoffen, dass ich es falsch verstanden habe. Aber auch so, ist nun dein letztes Stündchen gekommen.“ Mit diesen Worten drückte ich noch einmal kräftig zu und ließ den toten Körper fallen. Auf den Absatz meiner Stiefel machte ich kehrt und sah wie Ty dem Anderen gerade das Genick brach und der nun leblose Körper in sich zusammen sackte. Schnellen Schrittes kam ich zu ihm. Er zog seine Handflächen an seinem Mantel ab und fragte mit einer Leichtigkeit in seiner Stimme: „Bereit für Runde Zwei?“ Schmunzelnd nickte ich. Er öffnete die Tür und bedeutete mir als erstes hindurch zu gehen. Lautlos stiegen wir die lange Steintreppe hinunter und kamen zu dem Gang, den ich in meinem Traum gesehen hatte. Ich bedeutete Tyran das wir richtig waren und ganz hinten Ellen sein würde. Immer auf der Hut gingen wir den Gang entlang. Plötzlich knarrte hinter uns eine Tür und wir drehten uns um.

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