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Nullam felis tenebrarum (Teil 21)

Ich fühlte mich schlapp und langsam spürte ich meinen Körper, der ziemlich wehtat. Aber da war noch etwas anderes. Irgendwie fühlte ich mich nicht allein, ich fühlte mich geborgen. Es war ein sehr vertrautes Gefühl. Die Nähe und der Geruch, der mich umgab, kamen mir so vertraut vor. Langsam öffnete ich die Augen, denn ich wollte wissen was dieses schöne Gefühl, was mich durchströmte, auslöste. Als erstes sah ich die Decke meines Zimmers. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und konnte meinen Augen nicht trauen. Es kam mir wie ein Traum vor. Das konnte doch nicht sein. Doch bevor ich ein Wort herausbrachte, lächelte er mich an und fragte mich mit seiner verführerischen rauen Stimme: „Na meine Süße, geht es dir gut? Du hast dich über die Jahre gar nicht verändert, mein Stern.“ Ich konnte es immer noch nicht glauben. Lag wirklich Erasmus an meiner Seite, in meinem Bett? Mit leicht erstickter Stimme entgegnete ich ihm: „Eras, mein Liebster. Bist du es wirklich? Mir geht es soweit ganz gut, nur schmerzen meine alten Knochen noch etwas. Aber sag, ist das ein Traum oder bin ich bei der großen Mutter?“ 
Er strich mir sanft über die Wange und lächelte mich mit seinem Blick an, der mich schon früher verrückt gemacht hatte. „Nein mein Darling, du bist weder bei der großen Mutter noch träumst du. Ich bin bei dir, so wie du in deinem Zimmer liegst. Die große Mutter des Mondes hatte mich zu dir geschickt, weil sie wusste, dass du einen schweren Kampf vor dir hattest, um eine Freundin zu befreien. Bei dem Kampf wurdest du verletzt. Dank Ellen und deinem gut ausgestattetem Kräuterregal konnten wir dich retten. Meine Schöne, du hast sehr lange geschlafen.“ Ich konnte es nicht glauben, endlich hatte ich meinen Liebsten wieder an meiner Seite zu haben. Ich küsste ihn sanft auf den Mund und spürte seine samtweichen Lippen. Der Kuss hätte eine Ewigkeit gehen können, doch ich wusste, dass es nicht ging. So löste ich mich langsam aus dem Kuss und fragte ihn: „Liebster, wie lange habe ich denn geschlafen? Geht es Ellen gut?“ Eras stand auf und reichte mir seine Hand. Schmunzelnd und mit funkelnden Augen antwortete er auf meine Fragen. 

„Meine Schöne, du hast drei Tage und zwei Nächte geschlafen. Wir hatten schon Sorge, dass du nie mehr aufwachen würdest und es zu spät war. Was Ellen betrifft, dann überzeuge dich doch selbst. Komm lass uns nach unten gehen.“ Nickend nahm ich seine stützende Hand an und stand langsam auf. Dabei verzog sich mein Gesicht leicht und Eras schaute mich besorgt an. Mit einem leichten Kopfschütteln signalisierte ich ihm, dass es schon wieder ging. Gemeinsam gingen wir die Treppe langsam hinunter. Jeder Schritt brachte ein leichtes Ziehen an der Wunde mit sich. Als wir den Türbogen überschritten schrill ein heller Schrei auf. Ellen hatte mich als Erstes entdeckt und stürmte von dem gedeckten Esstisch und rannte mich fast um. „Endlich bist du wieder wach. Ich habe mir schreckliche Sorgen gemacht. Wir alle haben uns um dich gesorgt.“ Strahlend hielt ich sie in meinen Armen und fühlte mich gerührt. Auch wenn Vampire Berührungen nicht sehr mochten, gab es Situationen bei denen es nur gut tat. Ich gab Ellen einen sanften Kuss auf die Stirn und sie löste sich aus der Umarmung. 

Leise entgegnete ich ihr: „Ich bin froh das es euch allen gut geht. Wie ich sehe haben wir einen neuen Gast.“ Meine Blicke trafen auf Cecilia, die schüchtern auf ihren Platz saß. Ellen, Eras und ich setzten sich an den Essetisch. Eras wusste, dass ich nicht gern bemuttert wurde, so ließ er mich allein hinsetzen. Ty stand ohne ein Wort zu verlieren auf und ging in die Küche. Ellen folgte ihm, um Eras ein Geschirr zu bringen. Sie kam mit Tyran zusammen zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich gerade mit Cecilia unterhielt. Er hatte mir ein großes Glas Blut mitgebracht und zwinkerte mir nur leicht zu. Das war wohl seine Art zu sagen, dass er froh war, dass es mir wieder gut ging. Gemeinsam aßen wir zu Abend und alle erzählten mir, was in den letzten Tagen passiert war. So erfuhr ich, dass Tyran und Erasmus in der Nacht wo ich verwundet wurde noch einmal zum Theater gefahren sind und es dem Erdboden gleich gemacht hatten. Seit dieser Nacht war Cecilia auch bei uns und Ellen hatte sich schon mit ihr angefreundet. Sie teilten sich ihr Zimmer und hatten es schon etwas umgeräumt. Auch Tyran war nicht untätig gewesen und hatte seine Fühler nach weiteren vermissten Vampiren und Hexen ausgestreckt. Aber an der Werwolf Front war es momentan ruhig.


So erfuhr ich auch das Eras die ganze Zeit über mich gewacht hatte. Meine Augen strahlten als ich ihn anschaute, die längst versiebte Liebe war in mir wieder neu aufgeflammt. Ellen berichtete mir auch, dass sie in der Zeit, als ich schlief, meine Geschäfte übernommen hatte und sie sehr großen Gefallen daran gefunden hatte. Wenn man uns so ansah, konnte man es mit einer typisch amerikanischen Familie verwechseln. Jeder an diesem Tisch fühlte sich wohl und wir hatten gemeinsam sehr viel Spaß. Nach dem wir unsere Speisen zu uns genommen hatten räumten die Mädchen den Tisch ab und machten den Abwasch. Ty, Eras und ich machten es uns auf der Couch gemütlich und zappten durch das Abendprogramm. Als in der Küche alles erledigt war, kamen die beiden Mädchen kichernd ins Wohnzimmer. Neugier fragte ich nach: „Na ihr Zwei, wollt ihr uns nicht an eurer Freunde teilhaben lassen?“ Kichernd antwortete mir Ellen: „Wir haben nur über die Schule geredet und mitbekommen, dass egal wo man zur Schule geht es immer die gleichen Gruppierungen gibt und wir beide nie richtig reingepasst haben. Aber das lustigste fanden wir, wie gleich sich doch diese Cheerleader Gruppen sind.“ 


Grinsend schaute ich sie an. Ty schaute nur kurz zu den beiden Mädchen und fragte sie in einer für mich sehr ungewohnte Art, was sie noch heute vorhatten. Cecilia antwortete ihm etwas verlegen: „Wir wollten noch in den Club Jel. Der ist momentan total angesagt. Aber keine Angst vor Sonnenaufgang sind wir wieder da, versprochen.“ Er nickte nur und wendete sich wieder dem Fernsehprogramm zu. Immer noch kichernd gingen die beiden Mädchen hoch um sich fertig zu machen. Ich nahm eins der vielen Sofakissen und schmiss dieses an Tys Kopf. „Ey.“ Mit diesem Ausdruck nahm er das Kissen und warf es mir wieder zu. Grinsend schaute ich ihn an und fragte nach: „Seit wann bist du so besorgt? Du hast dich gerade wie ein Vater angehört. Ich dachte immer du bist der coole Typ hier den nichts aus der Bahn wirft.“ – „Einer muss doch auf die Hühner aufpassen. Schließlich hatten wir ja das Vergnügen die beiden zu befreien und ich glaube kaum, dass einer von uns schon wieder losziehen will die Beiden zu suchen.“ Mit einem Nicken gab ich ihm Recht und schmunzelte in mich hinein, während ich mich an Eras schmiegte, der seinen Arm um mich legte.


Nach einer Weile kamen unsere jungen Damen hinunter und sahen atemberaubend aus. Sie präsentierten uns ihre Kreationen. Cecilia hatte ein schwarzes enges Minikleid an, was ihre brasilianischen Körper betonte. Dazu hatte sie ihr rückenlanges, goldblond gefärbtes, welliges Haar zur Seite gekämmt. Ihre vollen Lippen hatte sie mit einem rosafarbenen Lipgloss perfekt in Szene gesetzt. Ihre Haselnussbraunen Augen wurden mit einem golden Lidschatten und pechschwarzen Mascara hervorgehoben. Zu dem Kleid hatte sie schwarze Heels an. Tyrans Blicke hafteten an ihr. Erasmus begutachtete sie ebenfalls und kommentierte ihr Outfit knapp mit einem „Schick.“ Aber auch Ellen sah umwerfend aus. Ihr wildes Aubery-rotes Haar hatte sie zu einer raffinierten Hochsteckfrisur gezaubert. Dazu trug sie eine hauchenge Röhrenjeans, ein schwarzes Tank Top und einen grobmaschige, weiße, langarm Tunika, die ihre linke Schulter freilegte. Dazu passten ihre klassischen schwarze Heels sehr gut. Ihre himmelblauen Augen hatte sie perfekt mit den klassischen Smokyeyes in Szene gesetzt und ihre Lippen mit einem Rubinrot etwas aufgefüllt. Ihre Brille hatte sie gegen ein paar Kontaktlinsen ersetzt. „Ihr seht wahnsinnig gut aus.“ Lobte ich die Beiden. Die beiden bedankten sich und gingen in die Nacht hinaus.

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