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Die Spieluhr Walhallas

Es war ein harter Winterabend im Norden von Kanada. Der Wind peitschte über die Felder und ein Schneesturm kündigte sich an. In einem kleinen Dorf nahe des Pazifischen Ozeans waren noch kleine Fackeln zu sehen und in den Häusern legten sich immer mehr schlafen. Doch ein kleines Mädchen ging mit ihrer Spieluhr nach draußen in den Schnee und schaute gegen den wolkenbehangenen Himmel. Leise summte sie das Lied des epischen Kampfes von Odin. Das Loblied was ihre Ahnen sangen und die Geschichte die sie von ihnen jenen Tag immer wieder aufs Neue hörte. In der Stille hörte man nur die liebliche Stimme und die Spieluhr. Der Schneesturm rückte immer näher und die ersten Flocken fielen sanft zu Boden. Der liebliche und leise Lobgesang wurde erst aus der Ferne und schnell heranschreitende tiefe Klang eines Hornes durchbrochen. 

Die Männer stürmten aus den Häusern und schauten zum Mädchen, deren Blick immer noch gegen den Himmel gerichtet war. Dieser Brach über den fernen Bergen auf und ein helles Licht ließ die Kuppe des Berges erstrahlen. Das Dorf stand nun versammelt und kampfbereit da und sahen dieses liebliche Licht aus den Wolken hervorbrechen auf die Kuppe. Einen kleinen Moment war es still, bevor wieder der tiefe Klang des Hornes  ertönte und die Stille zerriss. Es war der Klang, der den Männern signalisierte sich zum Kampfe bereit zu machen. Die Armee des feindlichen Dorfes schritt schnell heran und so dauerte es nicht lang, bis die ersten Krieger aufeinander trafen.  Ein erbitterter Kampf brach aus. Die Mutter des kleinen Mädchens rannte zu ihr und wollte sie in Sicherheit bringen, doch das Mädchen ließ sich nicht beirren und stand mit festen Fuße und Blicks auf den Berg und summte noch immer das Loblied Odins. 

Die Dorfälteste kam zu ihnen und schaute die besorgte Mutter lächelnd an, bevor sie mit dem Mädchen zusammen sang. Es folgten auch andere Kinder und Mütter. Gemeinsam sangen sie, während ihre Männer das Dorf verteidigten. Der Strahl am Himmelszelt verschwand mit der letzten Note und die Kleine schaute die Älteste an. „Er wird kommen und unser Dorf beschützen.“ Die Älteste nickte und hielt die Hand des Mädchens.  Die Männer des Dorfes verloren Zentimeter um Zentimeter vor dem Dorf. Viele fielen vor den Dorfmauern, die schon unter Beschuss waren. Es würde nicht lange mehr dauern bis die Angreifer das Dorf stürmen würden. „Wollen wir ihm den Weg weisen und sein Lied noch einmal singen?“ fragte die Älteste das Mädchen, trotz dem Wissen, dass sie sterben würden wenn sie sich nicht schnell verstecken würden. 

Das Mädchen nickte und so begannen sie wieder zu singen und über den Dorf erschien ein so wunderschönes Nordlicht, was bisher noch keiner gesehen hatte. Die Angreifer brachen die Mauern in zwei und stürmten in das Dorf. Doch machten sie halt, als sie sahen das auf dem großen Dorfplatz, die Frauen und Kinder versammelt waren und sangen. Das kleine Mädchen schloss die Augen und summte leise. Sie ging mit ihren fellbesetzen Schuhen vor die Gruppe und hielt die Hände gegen den Himmel. Als sie ihre Augen wieder öffnete funkelten sie in dem gleichen Wirbel von Farben wie das Nordlicht. Ihre kleine zierliche Stimme erklang: „Geht fort und tragt die Kund, Odin ist wieder unter uns. Wenn ihr Leben wollt so geht, sonst trifft euch Odins Zorn.“ Die Männer lachten höhnisch und rannten mit gezogenen Waffen auf die Frauen und Kinder. 

Doch diese hatten keine Furcht in den Augen, sondern stellten sich ihrem Schicksal. Viele von ihnen wurden durch die Klinge getötet, jene die noch jung und stark waren, wurden verschont und gefangen genommen. Als die Nacht vorbei war und der Schneesturm sich langsam legte, brannten noch einige Häuser des kleinen Dorfes und die Leichen von den Männern, Frauen und Kindern lagen verstreut. Es war Stille über das Dorf herein gebrochen, doch nur die Spieluhr spielte noch leise die letzten Töne, als schweren Schrittes jemand den Dorfplatz erreichte. Er schaute zu Boden und sah das Mädchen mit der Spieluhr in der Hand wie es im Schnee lag. Es ertönte ein tiefes Horn, was die Stille durchbrach und der Mann mit seinem Umhang ging mit seinen zwei weißen Begleitern wieder aus dem Dorf. In seiner Hand hielt er ein zweischneidiges, aufwendig gefertigtes Langschwert. 

Er streckte es dem Himmel entgegen und die gefallenen Männer erhoben sich aus ihrem eisigen Grabe. Sie folgten ihm stillschweigend zu dem Dorf, was letzte Nacht den Angriff vollzogen hatte.  Mit Einbruch der Nacht erreichte der Mann das Dorf und ließ sein Horn sprechen. Der Jarl des Dorfes feierte mit seinen Männern und Frauen gerade den Triumph, als er das Horn vernahm und mit seinen Männern hinaustrat. Ein junge Sklavin, des Dorfes, was nieder gebrannt war, hauchte leise und ungläubig: „Das Horn Odins.“  Als der Jarl auf den Ausguck der Dorfmauer stand und herunterschaute traute er seinen Augen nicht. Vor seinen Mauern stand Odin mit den gefallenen Männern. Er gab seinen Männern den Befehl sich kampfbereit zu machen. So zog er mit seinen Männern in einen gänzlich schon entschiedenen Kampf, er wusste dass er ihn nicht gewinnen konnte, doch stand ihm sein Stolz im Wege. 

Denn er war kein Mann der um Vergebung bat. So schickte er seine Männer wissentlich in dem sicheren Tode und ging als letzter Mann hinaus aufs Schlachtfeld. Ohne gezückte Waffe stellte er sich Odin und schaute ihn an. Odin hob sein Schwert und köpfte ihn. Er drehte um und machte sich auf den Weg zurück ins Dorf. Als er da ankam kniete er sich zu dem kleinen leblosen Körper des Mädchens und streckte ihr die Hand entgegen. Die kleine Seele stieg hinauf und strahlte ihn an. Vorsichtig legte sie ihre kleine zerbrechliche Hand in die seiner und stieg mit ihm wieder hinauf in Walhalla.

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