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Nullam felis tenebrarum (Teil 31)

Wir hatten einige Nächte und Tage zur Entspannung und reflektierten den Kampf gegen die Wölfe noch einmal genau. So versuchten wir auch unsere Kräfte und Strategien zu verbessern. Wir hatten uns zwar gut geschlagen für unseren ersten wichtigen Kampf, aber wir wussten vom Orakel das uns noch mindestens ein weiterer bevor stehen würde. So langsam veränderte sich Mutter Natur auch wieder und kleidete langsam die Bäume in ihr herbstlich buntes Gewand. Die Tage wurden wieder kürzer und auch die sommerliche Wärme wich langsam der Kälte. Es würde zwar noch ein paar Monate dauern, bis der Herbst in seiner Blüte stand, doch man spürte langsam wie er immer näher kam. Ellen und Luke hatten sich immer mehr angenähert und Luke ging seit dem Kampf im Wald fast täglich bei uns ein und aus. Es dämmerte gerade, als ich aus meinem Schlaf hochschreckte und damit Eras ungewollt aus meinem Bett schupste. Er landete etwas unsanft auf dem Boden und fragte mich: "Mein Stern, ist alles in Ordnung?" Noch etwas orientierungslos schaute ich mich um, um zu erkennen wo die Stimme herkam. 

Als ich ihn auf dem Boden liegen sah, musste ich für einen kleinen Moment schmunzeln. "Ja es ist alles in Ordnung, Geliebter. Doch werden wir heute ..." Ich hatte es noch nicht einmal aussprechen können, schellte es an der Tür. Ich sprang auf und zog mir warf mir schnell eines von Eras Hemden über. Seine Hemden waren so groß, dass sie mir über meinen Hintern gingen und ich bequem sie als Longshirts tragen konnte. Da die anderen Vier heute einen Ausflug machten waren nur Eras und ich zu haus. Ich drängte mich an meinem Geliebten, der immer noch auf dem Boden lag, und sichtlich die Aussicht die ihm bot genoss, vorbei. Schnellen Schrittes lief ich die Treppen hinunter und stürzte an die Tür. Es hatte bereits zum zweiten Male geklingelt und man konnte gut erkennen, dass die Person langsam ungehalten wurde. Innerlich hoffte ich, dass meine Vorahnung, die ich im Schlaf hatte nicht eintreten würde. Denn dies hieß, dass die ruhigen Tage vorbei sein würden und wir uns auf eine neue Herausforderung einstellen mussten. In meinem Schlaf sah ich eine ältere Frau, hinter ihr entstand eine Szene indem ich vor einem hoch gewachsenen, ewig blühenden Baum stand und sich vor mir ein Portal im Baum öffnete. 

Die Frau deutete auf das Portal und ich schritt hinein. Als ich mich umdrehte, sah ich wie die Frau von meinem alten Meister umgebracht wurde. Es klingelte noch einmal und ich öffnete die Tür. Die Frau aus meiner Vorahnung stand vor mir, gestützt auf einem Stock aus Weidenholz. Sie war sehr klein und man konnte ihr Alter sehen. Ich schätzte, dass sie sicherlich mindestens 75 war. Ihre forsche und direkte Art erschlug mich. "Also wirklich, was hast du denn gemacht? Du bist wirklich langsamer als eine Schnecke. Willst du mich nicht herein bitten, Maeve?" Ich war sehr überrascht, dass sie meinen Namen kannte, denn ich hatte die Frau vor meiner Tür noch nie zuvor gesehen. Also wie konnte sie da meinen Namen kennen. Ein leiser Verdacht wurde laut. Konnte das wirklich sein? War das wirklich das Orakel? Mit einer Handbewegung bat ich sie rein. Sie kam meiner Bitte nach und trat ein. Sie steuerte zielsicher auf das Wohnzimmer zu und setzte sich an den großen Esstisch. Verwundert ging ich ihr nach und setzte mich auch mit an den Tisch. "Wollt ihr einen Wildkräutertee?" fragte ich sie aus Höflichkeit. Sie nickte nur stumm und schaute sich etwas um. 


Ich ging in die Küche und brühte einen Tee auf. In der Zwischenzeit hatte Eras geduscht und kam nur mit einer Jeans begleitet zu mir in die Küche. Er umarmte mich von hinten und küsste meinen Nacken. "Wer ist das, mein Stern?" wollte er wissen. "Liebster, ich bin mir nicht sicher, aber ich denke das ist ein Orakel. Du weißt was das bedeutet. Auf uns wird wieder etwas sehr großes zukommen." seufzte ich. Eras spürte das ich besorgt war. Er küsste mir noch einmal den Nacken, bevor wir beide zu dem alten Mütterchen gingen. Behutsam stellt ich ihr den Tee auf den Tisch und setzte mich neben meinen Liebsten. Sie drehte sich zu uns und nahm die Tasse in die Hand. Mit einem zarten Lufthauch ließ sie den aufsteigenden Dampf verschwinden. Das Mütterchen nahm einen Schluck bevor sie zu sprechen begann. "Ihr fragt euch sicherlich, wieso ich zu euch komme und nicht meine kleine Botschafterin schicke." begann sie. Eras und ich schauten uns fragend an. Ich wendete mich zu ihr und nickte "Ja das fragen wir uns, denn es passiert nicht jeden Tag, dass wir ein Orakel zu Besuch bekommen." 


Sie nahm noch einen Schluck bevor sie weiter sprach. "Es kommt etwas großes auf uns zu und ihr seid der Schlüssel. Denn nur  in euren Händen liegt das Schicksal der Welt. Ich weiß von eurem persönlichen Kampf gegen euren Meister. Doch dieser Kampf wird zu dem Ausgang unser aller Schicksal sein. Ihr wisst das ich mich nicht einmischen darf, doch habe ich mich entschlossen, euch die bevorstehenden Ereignisse, sofern sie mir deutlich sichtbar erscheinen persönlich mit zuteilen. Denn euer Band wird immer wieder auf die Probe gestellt. Ihr werdet noch einige Prüfungen bestehen müssen, Verluste erleben, die euch stärken werden und ihr werdet Entscheidungen treffen müssen, die euch nicht leicht fallen. Doch dabei dürft ihr nie euer Ziel aus den Augen verlieren. Glaubt an das Band der Liebe und der Freundschaft Maeve, auch wenn euer Blick getrübt ist. Schaut genau hin und traut nicht immer euren Gefühl sondern horcht genau hin, was euer Herz und euer Verstand sagt. Nur wenn die Beiden zusammen eins sprechen ist es die richtige Entscheidung." Ich schluckte bei dem was uns das Orakel offenbarte. Was hatte das alles zu bedeuten? Würde ich wieder meinen Geliebten verlieren? 

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