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Nullam felis tenebrarum (Teil 34)

Wir gingen den schneebedeckten Weg hinauf zum Berg. Alles an dieser Gegend war mit Magie durchströmt. Ich konnte es an meinem ganzen Körper spüren, wie die Magieströme uns umgaben und sich meine magische Energie mit ihr verband. In meinem Körper begann es zu kribbeln und ich merkte nach sehr langer Zeit wieder ein kleines Stückchen Lebendigkeit in ihm. Auch wenn ich nur noch eine tote Hülle war, die eigenständig doch gut zu Fuß war, war es eins der schönsten Gefühle, ein Teil von Lebendigkeit wieder zu spüren. "Ich hatte ganz vergessen wie viel magische Energie hier existiert, Lin." meinte ich schon fast berauscht zu ihr. In meinem Gesicht war ein großes breites Lächeln verzeichnet. Dennoch wusste ich das ich aufpassen musste, dass ich mich nicht ganz verlor. Lin nickte und nahm meine Hand, sie wusste, dass dieses Gefühl eine Art Rausch in mir auslöste. "Ich glaube wir sollten uns beeilen, werte Freundin." Entgegnete sie mir und blieb hinter mir stehen. Ich drehte mich um und sah wie sie ihre Hände ineinander legte und ihren Kopf senkte. Das lange schwarze Haar, was sie streng nach hinten geflochten hatte, lockerte sich nun auf. Bis ihr Haar wild durch die Luft sauste, ich spürte die Energie die in Wellen von ihr kam. 

Diese Wellen trafen mich mit voller Wucht und ich hatte Mühe im Schnee festen Halt zu bekommen. Ich hatte noch nie erleben dürfen wie sie sich verwandelt. Ihre Verwandlung in den Drachen war wunderschön und atemberaubend. Um sie herum begann die Schneeflocken zu tanzen und ihr wildes Haar legte sich langsam wie ein Kokon um sie.  Es schien als würde ein glänzendes Licht aus ihr herauskommen und sie umgeben. Im nächsten Moment wurde es strahlend hell und vor mir stand ein majestätischer weiß-blauer Drache. Langsam senkte er seinen Kopf, so dass ich auf ihn hinauf klettern konnte. Als ich fest auf ihn saß, lehnte ich mich leicht nach vorn und hauchte. "Ich hoffe ich habe dir nicht weh getan und bin dir nicht zu schwer, werte Freundin." Lin schnaufte nur und erhob sich langsam mit mir in die Lüfte. Immer achtsam, flogen wir dem Schloss entgegen. Wir erreichten das Schloss ihres Vaters in wenigen Minuten, wo uns schon die königliche Wache empfing. Sie kündigten uns auch gleich beim König an. Ich stieg von Lins Rücken, damit sie sich wieder zurück verwandeln konnte. Einer der Wachen kam zu uns zurück und lächelte Lin entgegen. "Der König erwartet sie im Tronsaal. 


Jedoch meinte er, dass sie sich vielleicht vorher etwas frisch machen möchten. Deswegen wird Lao Ying ihnen ihr Gemach zeigen, werte Hexe der Nacht." Ich nickte und folgte der Magd, die wie aus dem Nichts neben dem Wächter stand. Ich hatte während seine Bekundung, seine Blicke verfolgt, die immer wieder auf Lin fielen. Dabei konnte man sehr gut sehen, dass er bei ihrem Anblick immer lächeln musste. Das Gemach in dem ich untergebracht war, war groß und prachtvoll eingerichtet. Es gab keine Fenster, so dass ich keine Angst vor der aufgehenden Sonne haben musste. Lao Ying reichte mir stumm ein Gewand und verschwand dann mit einem freundlichen Nicken aus dem Zimmer. Meine Blicke erkundeten das Gemach gründlich, bevor ich tief ausatmete und zu dem großen Bett ging, was an einer mit in Kristall geschlagenen Drachen verzierten Wand stand. Das Bett war genauso pompös wie das Zimmer. Groß, weich, gemütlich und mit einem weißen transparenten Stoff, wo es schien als wäre er durch Diamantstaub gezogen, als Himmel. Vorsichtig legte ich das Gewand auf die schneeweiße Tagesdecke und schaute mich noch einmal um, bevor ich meine Sachen abstreifte, um in das kristallblaue Gewand mit weißen Eisblumenstickereien und diesem glitzern des Diamantstaubs zu schlüpfen. 


Ich band mir die blaue Schärpe um die Taille und begann danach mein schwarzes Haar zu flechten um sie aufwendig hoch zustecken. Es sollte alles perfekt sein, wenn mich Lins Vater empfing. Es klopfte in diesem Moment an der Tür, als ich gerade meine letzte Haarnadel in dem Geflecht versteckte. Während ich die Haarnadel an ihren Platz rückte ging ich zur Tür und öffnete sie. Die Wache und Lin standen davor und ich begann zu schmunzeln. Der Wachmann versuchte ernst zu bleiben und meinte mit seiner tiefen und emotionslosen Stimme: "Werte Hexe der Nacht, der König erbittet sie in seinen Saal zu erscheinen." Ich musste mich noch an diesen überförmlichen Ton gewöhnen und nickte nur lächelnd. "Ich werde die Damen dahin geleiten." meinte er noch bevor er sich nach links drehte mit einem Schritt und darauf wartete das ich die Tür schloss. Ich trat aus dem Gemach und schloss hinter mir die Tür. Lin nahm meinen Arm und lächelte mich an. Auch sie hatte ihr traditionelles Gewand an. Gemeinsam gingen wir im Geleid der Wache zu ihrem Vater. Er führte uns durch ein Gewirr von Gängen, bevor wir an einer großen verzierten Doppeltür ankamen, die von zwei Wachen bewacht wurden. 


Sie öffneten die schweren Türen, sodass wir hinein gehen konnte. Ich war schon einmal hier gewesen, als ich Lin geholfen hatte ihre Ehre wieder zu erlangen. Lins Vater saß auf seinen kristallnen Thron und schaute zu uns. Er hob die Hand und deutete das wir zu ihm kommen sollten. Neben seinem Thron standen auf beiden Seiten ein weiterer kleinerer Thron. Ich wusste das Lins Mutter nach der Geburt von ihr, verstorben war und das Drachen nur einmal heiraten. Lin und ich schritten langsam auf ihn zu. Vor dem Podest blieben wir beide stehen und verbeugten uns tief. Wir beide erhoben uns und Lin ging auf ihren Platz, aber nicht ohne vorher den Ring ihres Vaters zu küssen. Sie setzte sich auf den rechten Thron der neben seinen stand. Es war vollkommen still, nur von draußen kam ein leises pfeifen des Windes zu uns herein. Ich wusste das ich ihn als erstes sprechen lassen musste, so wartete ich ab, bis er das Wort ergriff. "Maeve es ist mir eine Freude euch wieder in meinen Hallen zu sehen. Ich hätte sie lieber zu einem erfreulicheren Anlass zu mir gebeten, doch brauche ich ihre Hilfe. Ihr habt schon einmal meine Familie wieder zusammen geführt und ich bin mir sicher das ihr dies noch einmal für mich tun werdet." seine Stimme klang rau, tief, stark und doch sehr besorgt. Ich fragte mich was er damit wohl meinte.

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