"Ich würde gern zahlen Miss." rief es hinter mir. Schnell stellte ich mein Tablett mit dem dreckigen Geschirr von Tisch vier hinter den Tresen ab und machte die Rechnung für Tisch zwei fertig. Mit einem Lächeln ging zu dem älteren Pärchen und fragte freundlich nach. "War alles zu ihrer Zufriedenheit? Ich hoffe es hat ihnen geschmeckt Geht es zusammen oder zahlen sie getrennt?" Die ältere Dame musste bei meiner letzten Frage leise kichern und legte ihre Hand auf die ihres Mannes. Schmunzelnd entgegnete er mir mit seiner rauen Stimme. "Es war exzellent, Madame und einen Gruß an den Koch für das erstklassige Essen. Ich übernehme die Rechnung." Mit einem lächelnden Nicken übergab ich ihm die Rechnung. Er zückte sein schon in die Jahre gekommenes Portemonnaie und holte den Betrag mit einem großzügigen Trinkgeld heraus.
Mit den Worten "Es stimmt so." gab er mir die beglichene Rechnung wieder zurück. Ich verabschiedete mich noch ihnen, bevor ich mich wieder um das dreckige Geschirr kümmerte. Heute war nicht viel in dem kleinen Restaurant los, dazu war das Wetter einfach viel zu schlecht. Es hatte den ganzen Tag schon abwechselnd geschneit und geregnet. Während ich die Gläser spülte schaute ich nach draußen. Die Lichter der Geschäfte und Straßenlaternen spielten sich in den Pfützen auf den Gehweg. Die Menschen eilten mit ihren Regenschirmen den Gehsteig entlang und versuchten so schnell wie möglich ins Trockne zu kommen. Da momentan kein Gast in dem Restaurant war und im Radio mein Lieblingslied lief stimmte ich bei 'Cause I know in Time you'll see mit Duffy ein.
Dabei bewegte ich schwungvoll mein Becken im Takt, sodass sich mein schwarzer Faltenrock zu bewegen begann. Meine schwarzen Lockenmähne hatte ich zu einem strengen Pferdeschwanz zusammen gebunden und auch dieser wippte im Takt. Da ich mit dem Rücken zur Tür stand, bekam ich nicht mit wie ein junger Geschäftsmann das Restaurant betrat und sich still an Tisch fünf saß. Nach dem Song von Duffy kam Leona Lewis mit ihrem Song Bleeding Love. "And everyone's looking 'round, thinking i'm going cra.." ich verstummte sofort als ich mich umdrehte und den Gast am Tisch fünf entdeckte. Sofort legte ich das Geschirrtuch beiseite und trocknete noch schnell meine Hände ab. schnappte mir den Block und ging zu dem Gast. Mir war es doch sehr unangenehm, dass ich ihn nicht sofort bemerkt hatte.
Etwas verlegen stand ich vor ihm und lächelte ihn an. Ich spürte wie das Blut mir leicht in die Wangen rann und sie in ein zartes Rot tauchte. "Entschuldigen sie bitte meine Unhöflichkeit. Ich habe sie nicht gleich bemerkt. Aber haben sie schon gewählt, Sir." entschuldigte ich mich für mein unprofessionelles Auftreten. Seine Blicken musterten mich gründlich und er begann zu lächeln. "Es war eine sehr schöne Gesangseinlage von ihnen. Mich hat es nicht gestört. Um ihre Frage zu beantworten, ja ich habe schon gewählt. Aber verraten sie mir bitte doch, wie hier der Espresso ist bei ihnen." Ich spürte seine Blicke auf meinen Körper. Sein Kompliment rührte mich sehr und ich brauchte einen kurzen Moment um mich wieder zu sortieren. "Sie bekommen bei uns den besten Espresso dieser Stadt, Sir." entgegnete ich ihm versucht selbstsicher.
Meine Blicke schweiften kurz über seinen schwarzen Maßanzug und ich ertappte mich bei dem Gedanken wie er wohl in Freizeitkleidung aussah. Doch ich schob diesen Gedanken schnell wieder beiseite und fragte ihn "Hätten sie noch etwas anderes außer dem Espresso?" Er verneinte meine Frage und ich ging mit der Bestellung zurück hinter den Tresen. Ich bereitete den Espresso zu und während er durch die Maschine lief, füllte ich ein Glas mit stillem Wasser und legte auf die Untertasse ein kleinen Amarettini. Sorgfältig stellte ich alles auf ein Tablett und ging wieder zu dem Geschäftsmann an Tisch fünf. Dieser war in den Wirtschaftsteil der Tageszeitung vertieft. Ohne ihn zu stören stellte ich ihn sein Espresso hin und ging wieder. Ich wischte noch einmal über Tisch zwei.
Dabei überkam mich immer wieder das Gefühl, dass mich der Gast beobachtete. In mir stieg die Neugier nach seinen Blicken zu schauen, doch hielt ich mich immer wieder davon ab und versuchte mich meinen Aufgaben zu widmen. Nach einer kleinen Weile erklang seine sehr wohlklingende tiefe Stimme durch den Raum. "Ich würde gern zahlen." Mit einem Nicken signalisierte ich ihm, dass ich ihn verstanden hatte und machte seine Rechnung fertig. Ich schritt festen Fußes zu seinem Tisch und überreichte ihm die Rechnung. "Ich hoffe, ihnen hat der Espresso geschmeckt, Sir." erkundigte ich mich. "Ja, er war exzellent. Sie haben nicht übertrieben. Was bekommen sie für den Espresso?" Mit einem Lächeln überreichte ich ihm die Rechnung.
Seine stahlblauen Augen trafen meinen Blick und ich wusste nicht wieso, doch ich senkte meinen Blick. Er beglich die Rechnung und ging ohne auf das Wechselgeld zu warten mit den Worten. "Einen schönen Abend ihnen." Ich öffnete das Rechnungsbuch und sah den doppelten Betrag darin. In diesem Moment wollte ich ihn gerade noch entgegnen, doch er war schon aus der Tür hinaus. Die letzten drei Stunden meiner Schicht verliefen sehr eintönig. Nur zwei Gäste kamen noch. Immer wieder hatte ich diese stahlblauen Augen vor mir, das kleine Lächeln auf seinen Lippen und ich fragte mich wieso dieser Gast so eine anziehende Kraft auf mich hatte. Am nächsten Tag hatte ich frei und ich beschloss mal wieder ins Fitnesscenter zu gehen. Ich hatte schon lange nichts mehr für meinen Körper getan.
Ich lief in meinem Beruf zwar sehr viel, doch konnte ein wenig Muskelaufbau nicht schaden. So packte ich meine Sportsachen zusammen und fuhr mit meinem kleinen schokoladenfarbenen VW Beetle ins Fitnesscenter am Ende von Oxford. "Mary, schön dich auch mal wieder zu sehen." begrüßte mich gleich die Rezeptionistin Sara, als ich das Center betrat. Ich lächelte sie an und nickte. "Ja ich war schon eine ganze Weile nicht mehr hier." Sara wickelte mich in ein kleines Gespräch, bevor ich mich umziehen ging. Sie hatte mir erzählt das sie sehr viele neue Mitglieder bekommen hatten, seid ein gut aussehender Jurist hier auch trainierte. Sie meinte kichernd, das die Weiber nicht wegen dem Training hier waren, sondern nur um ihn zu sehen.
Im tiefsten Inneren war ich froh, dass ich nicht so eine war und ich nichts auf diesen Tratsch gab. Nachdem ich mich umgezogen hatte ging ich in den Geräteraum und wärmte mich auf dem Laufband auf, bevor ich weiter zum Butterfly ging um die ersten Übungen zu absolvieren. mir gegenüber trainierte gerade ein junger Mann am Lastzug, der auch nicht zum ersten Mal ein Fitnesscenter von innen sah, am Lastzug. Er hatte einen durchtrainierten Körper und kurz geschnittene schwarze Haare. Ich konnte mir nicht helfen, aber irgendwie kam er mir leicht bekannt vor. Immer wieder fragte ich mich woher ich ihn kennen könnte, doch es fiel mir nicht ein. Eins dieser Modepüppchen riss mich aus meinen Gedanken, als sie sich vor mich aufbaute und ihre Hände in die Taille stemmte.
"Sag mal willst du hier übernachten? Andere wollen hier auch noch ran." meinte sie empört zu mir. Ich zog meine rechte Augenbraue hoch und schaute links und rechts neben mich. "Die Geräte neben mir sind doch frei. Das sind im übrigen die Gleichen." Schnaufend stand sie immer noch vor mir und man konnte in ihrem Gesicht gut ablesen, dass sie kurz vor einem Wutausbruch war. Ich dachte mir nur, dass es sicherlich an daran lag, dass sie seid drei Tagen nichts weiter als zwei Äpfel gegessen haben musste. Damit sie ja kein Gramm zunahm. "Das ist mir egal, ich will jetzt sofort auf dieses Gerät." begann das kleine blonde Modepüppchen zu schreien. "Achtundfünfzig, Neunundfünfzig, Sechzig." zählte ich laut ohne dabei sie aus den Augen zu lassen und stand dann auf. Ich baute mich vor ihr auf und nahm mein Handtuch in die Hand.
Uns trennten nur ein paar Zentimeter. Das Blondchen wich zur Seite und ich ging an das nächste Gerät. Der junge Mann hatte die Situation mitbekommen und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Aus dem Augenwinkel sah ich wie sich das Modepüppchen am Butterfly versuchte. Ich ging zielsicher auf den Abduckter zu und setzte mich in Position. Gerade als ich mit meinen Übungen beginnen wollte setzte sich der junge Mann an das Nachbargerät. Unsere Blicke trafen sich kurz und ich konnte die stahlblauen Augen erkennen. Da fiel es mir wieder ein, dass es der Geschäftsmann vom Vortag sein musste. "Hallo." meinte er mit einem grinsen. "Hallo." entgegnete ich ihm leicht angestrengt. Ich war eindeutig nicht mehr gut in Form. "Kommen sie öfters hier her?" wollte er von mir wissen und ich fragte mich ob er jetzt mit mir ein kleinen Smalltalk führen wollte.
"Ich würde gern öfters hier herkommen, doch leider finde ich kaum Zeit dafür." entgegnete ich ihm und versuchte mich auf meine Wiederholungen zu konzentrieren. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr von ihm das er Jurist war. Da wurde mir klar, wieso sich dieses Blondchen so angestellt hatte. Ich merkte immer mehr, dass er eine sehr geheimnisvolle und dominante Wirkung auf mich hatte, was mein Interesse ihn näher kennen zu lernen immer mehr steigerte. Eh ich mich versah trainierten wir schon an dem dritten Gerät gemeinsam. Nach Abschluss der Wiederholung verabschiedete er sich dann von mir. Er verschwand in der Umkleide. Ich schaute mich um und bemerkte, dass ich einige giftige Blicke erntete von anderen Mitgliederinnen, die eher in einen Yogakurs passten als in den Geräteraum.
So entschied ich mich, auch Schluss zu machen mit dem Training und ging mich umziehen. Ich holte mir noch an der Bar einen Smoothie für den Heimweg und wollte gerade das Center wieder verlassen als mich Sara aufgeregt zu wank. "Was ist denn los Sara?" wollte ich von ihr wissen, als ich zu ihr rüber kam. "Rat mal wer hier vor ein paar Minuten bei mir war?" Ich schaute sie fragend an, denn ich hatte keine Ahnung wen sie meinte. "Wer denn?" "Na der Jurist, von den ich dir erzählt hatte. Mensch Mary, sag mal was hast du denn gemacht?" Wieder wusste ich nicht was sie meinte. "Ich hab nichts gemacht Sara. Jetzt rede doch mal Klartext und so das ich auch was verstehe." Sara holte tief Luft und begann mir zu erzählen, dass er bei ihr nach dem Training war und sie mir etwas zukommen lassen sollte.
"Ja und was sollst du mir zukommen lassen?" fragte ich sie neugierig. Sie überreichte mir ein kleinen Briefumschlag und schaute mich hibbelig an. Ich stellte meinen Smoothie bei ihr auf den Tresen ab und öffnete den Umschlag. Ich entnahm das kleine Kärtchen und lass es mir durch. Als ich wieder aufblickte musste ich schmunzeln. In mir begann es zu kribbeln und ich sah die stahlblauen Augen von ihm wieder vor mir. "Und was hat er geschrieben? Los erzähl." fragte sie mich hibbelig. Ihre dunkelbraunen Augen glitzerten und die Neugier war ihr ins Gesicht geschrieben. "Er hat sich nur für das kleine Gespräch bedankt." antwortete ich ihr. Ich verschwieg ihr, dass er mich heute Abend im Lagune um neun sehen wollte. Da ich wusste, dass sie eine kleine Klatschtante sein konnte, verschwieg ich ihr es lieber.
Trotz dem kleinen Makel war sie eine sehr nette Person. Wir redeten noch ein klein wenig, bevor ich mich auf den Heimweg machte. Schließlich musste ich mich noch umziehen und zurecht machen. Nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Suche nach dem richtigen Outfit, entschied ich mich für mein schwarzes Neckholder Cocktailkleidchen was mir bis knapp über das Knie ging und fließend fiel. Dazu ließ ich meine Haare offen und zog mir passende schwarze Schnürheels an. Ich war gerade auf den Weg nach unten, als ich in einen Chauffeur hineinrannte. Er blieb im Gegensatz zu mir stehen, während ich einige Schritte zurück taumelte. Geistesgegenwärtig packte er mich an am Handgelenk, sodass ich nicht fiel. "Oh, Entschuldigung. Es war keine Absicht."
Ein kurzes Lächeln zeichnete sich in seinem Gesicht ab. "Das macht nicht Miss Miller. Ich wurde geschickt, um sie abzuholen." Verwundert schaute ich ihn an. Woher kannte er meinen Namen, woher wusste er wo ich wohne. Wer hat ihn geschickt? All diese Fragen schwirrten mir in diesem Moment durch den Kopf. "Abholen? Wo sollen sie mich denn hinbringen?" fragte ich nach. Innerlich hoffte ich die Antwort schon zu kennen."Mr. Smith erwartet sie im Lagune. Er bat mich sie abzuholen." antwortete der Chauffeur knapp und sachlich auf meine Frage. "Ja aber, woher kennt er denn meinen Namen und meine Anschrift?" wollte ich nun doch noch wissen. Er deutete mir ihm zum Wagen zu begleiten und beantwortete im Gehen meine Frage. "Die kompetente Rezeptionistin von dem Fitnessstudio, was sie heute besucht hatten. Gab ihm ihren Namen und ihre Anschrift. Seien sie bitte unbesorgt. Er geht immer streng vertraulich mit Daten um."
Und schon standen wir vor einer schwarzen Mercedes C-Klasse. Der Chauffeur hielt mir die hintere Tür auf und ich kam seiner Bitte nach und stieg in den Wagen. Für mich war es ein sehr komisches Gefühl, soviel Luxus war ich nicht gewöhnt und ich wusste nicht, ob mir das auch gefallen würde. Ich fragte mich, wieso er so einen Aufwand betrieb. Den Weg zum Lagune, hätte ich auch gut mit der Bahn geschafft. So fragte ich mich, wieso er das tat. 'Verlor er nicht gern die Kontrolle? Ist er vielleicht sogar ein Kontrollfreak? Woher konnte er sich denn so ein Luxus überhaupt leisten? Er war doch nur ein Jurist? Oder war er vielleicht ein Jurist, der sich nur um Prominente Angelegenheiten kümmerte und ließ sich das teuer bezahlen?' Je länger ich in diesem Wagen saß, um so mehr fragen stellte ich mir.
Doch auf keine Einzige hatte ich eine Antwort. Nach einer zehn minütigen Fahrt hatten wir das Ziel erreicht. Der Chauffeur stieg aus und ging zu meiner Tür. In dem Moment, als ich sie gerade öffnen wollte, kam er mir zuvor. Ich stieg aus und strich noch einmal mein Cocktailkleidchen zurecht bevor ich mich bedankte. Meine Blicke schweiften die Fensterfront der Lounge entlang. Das Lagune war eine der angesagtesten Barlounge in ganz Oxford. Mit Sophie und Charlotte war ich auch schon einige Male drin gewesen. Die Lounge war schon gut besucht. Von außen konnte ich den Jurist nicht ausmachen. So holte ich noch einmal tief Luft und betrat dann das Lagune. In mir stieg eine gewisse Unsicherheit und Nervosität auf. Es war kein Date, doch war ich genauso verunsichert wie bei einem.
Die Luft schlug mir beim Eintritt ins Gesicht. Die verschiedensten Gerüche stiegen mir in die Nase. Gerüche von heißem Kerzenwachs, von Lilien und diversen Parfums. Im Eingangsbereich schaute ich mich um und hoffte das ich ihn an einen der Tische ausmachen konnte. Doch als ich ihn nicht sah, seufzte ich leise in mich hinein und begab mich zur Bar. Der Besitzer des Lagune hatte sich bei der Einrichtung sehr viel Mühe gegeben. Er hatte versucht ein Südseefeeling zu erzeugen. Für meinen Geschmack hat er das sehr gut getroffen. Die Bar selbst fand ich schon einen absoluten Hingucker. In die Bar war ein großes Aquarium mit den verschiedensten Salzwasserfischen verbaut. Ich setzte mich auf einen der wenigen Barhocker die noch frei waren und bestellte mir eine Flasche Sin No.8.
Immer wieder wanderte mein Blick zum Eingang und ich hoffte, dass er bald auftauchen würde. Wenn mein Blick nicht auf den Eingang gerichtet war schaute ich auf die Uhr. Es war schon zehn nach neun. 'Unpünktlichkeit, wie ich das hasse.' Dachte ich mir, denn so langsam wich die Unsicherheit und Freude einen tollen Abend zu haben, der Enttäuschung. 'So wenn du immer noch nicht da bist, wenn ich die Flasche leer habe, dann gehe ich.' Nahm ich mir vor und nahm einen kräftigen Schluck. Ich wank mir die Barkeeperin ran und deutete ihr, das ich zahlen wollte. Sie gab mir die Rechnung und ich beglich sie. Ich hatte zwar noch nicht ausgetrunken, aber so konnte ich danach gleich wieder verschwinden und musste nicht warten. "Na hat er dich versetzt, Kleine?" wollte sie wissen.
Man sah es mir sicherlich an, dass ich enttäuscht war. Mit einem kurzen Nicken und Seufzen antwortete ich ihr auf die Frage und nahm noch einen Schluck. Es war nur noch einer in der Flasche, dann würde ich gehen. Ich setzte die Flasche an und trank den letzten Schluck und übergab die Flasche der Barkeeperin. Auf dem Barhocker drehte ich mich in Richtung des Ausgangs. Und da stand er plötzlich vor mir. 'Verflucht, wieso macht er das immer? Ist er ein Vampir, oder macht es ihn Spaß, sich immer an andere heran zu schleichen?' "Wollen sie schon gehen? Ich muss mich bei ihnen entschuldigen Miss Miller. Leider hat ein Termin doch etwas länger gedauert, sodass ich leider nicht pünktlich erscheinen konnte." Meine Lippen pressten sich aufeinander und in mir brach ein kleines Gefühlschaos aus.
Auf der einen Seite war ich noch immer enttäuscht, dass ich so lang warten musste. Doch auf der anderen Seite freute ich mich, dass er noch gekommen ist. "Sie haben Glück, Sir. Ich war gerade auf den Weg wieder nach Hause. Denn ich warte nicht gern." entgegnete ich ihm. Auf seinen Lippen ruhte ein kleines Lächeln und er reichte mir seine Hand. "Sie sehen bezaubernd aus, Miss Miller." Nun schmeichelte er mir auch noch. Wie sollte man da noch widerstehen können. Ich ergriff seine Hand und rutschte elegant vom Barhocker. "Ist der Tisch, den ich reserviert habe noch frei?" wollte der Jurist von der Barkeeperin wissen. Diese schaute kurz in ihr Buch und nickte. Seine Hand umschloss noch immer meine und er gab mir das Gefühl, dass mir an seiner Seite nichts passieren würde.
Wir setzten uns abseits der ganzen Gäste in eine kleine ruhigere Ecke der Lounge. Er bestellte uns noch ein paar Drinks und wir unterhielten uns. Später am Abend verließen wir gemeinsam die Lokation. Er stand vor mir und schaute mir tief in die Augen. "Du hast wunderschöne Augen, Mary. Komm mit zu mir." forderte er mich mit einem sanften und zugleich doch bestimmten Ton auf. Schon während des Gesprächs am Abend war ich ihm verfallen. Seine Hand hatte immer wieder die meine gesucht. So legte er leicht seine Hand in meinen Nacken und zog mich an sich heran. Das Verlangen seine Lippen zu spüren, ihn zu küssen wurde immer größer. Seine Lippen kamen meinen immer näher und noch bevor ich denken konnte, dass er mich gleich küsste.
Trafen seine Lippen auf meine und wir küssten uns erst zögerlich mit steigernder Leidenschaft. Als sich unsere Lippen von ihrer Liebkosung trennten, nickte ich nur still als Einwilligung auf seine noch ausstehende Frage. So führte mich der Jurist zu seinem Wagen. Mit wenigen Schritten kamen wir an einen schwarzen 6er BMW. Er ließ die Schlösser mit der Fernbedienung sich entriegeln und öffnete mir die Tür. Ich stieg bereitwillig in den Wagen. In keiner Sekunde, indem ich in diesem Wagen saß überkam mich das Gefühl, dass es eine schlechte Idee war. Wir fuhren durch fast menschenleere Straßen und kamen nach weniger als zehn Minuten in ein Viertel von Oxford, wo die etwas besser verdienen Menschen sich nieder gelassen hatten.
Wir hielten vor einem Haus, was sehr neuwertig und als hätte es ein Designer entworfen aussah. Er parkte seinen BMW in der Tiefgarage. 'Er weiß wie man eine Frau behandelt.' dachte ich mir, als er mir wieder die Tür aufhielt. Ich schaute ihn schmunzelnd an und ergriff seine Hand, die er mir entgegen gestreckt hatte. Der Jurist führte mich zum Treppenhaus und sah das noch mehrere Personen hier wohnten. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock. Meine Blicke schweiften umher und ich erkannte, dass ihm eine komplette Etage gehörte. Mit einer Checkkarte öffnete er die Tür und wir gingen hinein. Der Anblick der Wohnung raubte mir den Atem. Sie war mit Designerstücken sehr geschmackvoll eingerichtet. Alles war aufeinander abgestimmt und nirgends stand zu viel oder zu wenig.
Ich zog im Flur meine Schuhe aus und ließ meine Blicke danach treiben. Immer wieder entdeckte ich neue kleine Einzelheiten in der Wohnung. "Gefällt es dir?" fragte er, als er meine schweifenden Blicke sah. Sprachlos nickte ich nur. Meine Augen hatten noch nie so eine schöne Wohnung gesehen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen nahm er wieder meine Hand und umschloss sie wieder fest. Er führte mich vorbei an einer gläserne Treppe und der offenen Küche ins Wohnzimmer. Wir blieben vor einer großen schwarzen Lederwohnlandschaft stehen. "Setz dich doch. Ich hole uns nur etwas zu trinken." Mit diesen Worten und einem Kuss auf die Wange ließ er mich vor der Wohnlandschaft stehen und ging in die Küche. Mit meinen Fingern strich ich über das Leder und spürte die angenehme Kühle.
Behutsam nahm ich auf dem Leder platz und schaute mich noch etwas um, bevor er wieder kam. Der Jurist kam mit zwei Gläser Ginger Ale in dem eine Orangenscheibe schwamm wieder. Er setzte sich neben mich und reichte mir ein Glas. Wir nahmen ein kleinen Schluck und redeten miteinander. Doch zwischen uns wurde die Luft immer heißer. Unsere Körper sprachen eine sehr deutliche Sprache. Jeder von uns fühlte sich dem Anderen gegenüber sehr hingezogen und verspürte ein großes Verlangen. Das Verlangen nach dem Anderen wurde immer größer bis es schon fast unerträglich war. Meine Gedanken schrien schon. 'Verdammt nun küsse mich doch endlich. Nimm mich, ich will deine Lippen spüren. Ich will deine Hände auf meinem Körper spüren.'
Meine Gedanken hatten kaum zu Ende geschrien, griff der Jurist nach meinem Nacken und zog mich zu sich heran, um mich leidenschaftlich zu küssen. Mir kam es so vor, als hätte er es hören können. Unsere Küsse wurden immer leidenschaftlicher und sinnlicher. Langsam beugte er sich immer mehr über mich und eh ich es richtig realisiert hatte, spürte ich schon das kühle Leder auf meiner Haut am Rücken. Seine Hände wanderten über meine Innenseiten der Arme und schoben sie leicht über meinen Kopf. Dabei lösten sich unsere Lippen nicht ein einziges Mal. Eine seiner Hände bleiben bei meinen, mit der anderen strich er sanft meine Seite entlang, als es plötzlich klingelte. Das Klingeln wurde immer lauter und durchdringender. Ich öffnete meine Augen und sah meine Zimmerdecke.
Das alles war nur ein Traum gewesen. Meine Augen schauten sich wild um und langsam wusste ich wo ich bin. In diesem Moment merkte ich wo eine meiner Hand war und ich spürte die Erregung, die von diesem Traum ausging. Ich blieb noch einen kurzen Augenblick so liegen und genoss es, bevor ich aufstand um mich frisch zu machen. Meine Gedanken schwirrten noch immer um diesen Traum. So ging ich ins Wohnzimmer um ein wenig Musik einzuschalten und entdeckte die DVD-Hülle von Fifty Shades of Grey. Da wurde mir klar, woher dieser Traum rührte. Ich lächelte und ging auf den Balkon.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen