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Nullam felis tenebrarum (Teil 46)

Aufgeregt kamen die Mädchen durch die Tür gestolpert und erzählten hastig was sie alles gefunden hatten und wie toll der Tag in der Mall war. Die beiden Männer trotteten hinterher und sahen alles andere als glücklich aus. Eher stand ihnen im Gesicht das sie zwischen all den Klamotten- und Schuhläden den letzten Nerv verloren hatten. Schmunzelnd und immer wieder einen Blick auf die Jungs gerichtet nickte ich und hörte den Mädels zu. "Dann würd ich sagen, packt eure Sachen doch einfach aus und räumt sie ein. Ich mach in der Zwischenzeit ein wenig Tee. Cecillia schaust du dann, ob Tyran noch schläft?" Die Mädchen nickten und rissen Luke und Eras die Taschen aus der Hand, bevor sie laut polternd und kichernd die Treppe hinauf rannten. Nun wendete ich mich den völlig fertig aussehenden Männern zu. "Na habt ihr es überstanden?" Mehr als ein Stöhnen und Seufzen vor Erschöpfung, sowie ein Nicken bekam ich als Antwort nicht. Langsam erhob ich mich und ging zu den Beiden, die sich auf je eine der Rattan Liegen es gemütlich gemacht hatten, herüber. Ich strich ihnen über den Kopf und gab erst Luke einen Kuss auf die Wange bevor ich mich zu meinem Liebsten drehte und ihn mit einem innigen Kuss verabschiedete. 

"Ruht euch aus, dass habt ihr verdient." meinte ich und ging nach oben. Wir hatten beschlossen die erste Etage zu halbieren, da Erasmus und ich nicht so viel Platz brauchten. So war aus der einen Hälfte des Stockwerks eine offene Küche mit großzügigem Essbereich geworden, der an das große Wohnzimmer angrenzte. Auf der großen Couchlandschaft, wo mindestens acht Personen Platz hätten, lag noch immer der schlafende Unbekannte. Ich ging leise an dem Wohnzimmer vorbei und bereitete einen Kräutertee und etwas Gebäck vor. Für Tyran und mich hatte ich zwei Tassen frischen Tierblutes schon zurecht gemacht. Die letzten Tage hatten wir es geschafft wieder einen kleinen Vorrat von Blut im Hause zu haben. Jedoch hatte ich es noch nicht geschafft, dem Blut seinen metallischen Eigengeschmack zu nehmen und ihn wie ein wohltuendes Grillhähnchen schmecken zu lassen. Innerlich sehnte ich mich danach. Aber ich würde sicherlich in den nächsten Tage auch wieder die Zeit finden, dies umzusetzen. Als der Duft des frisch aufgebrühten Tees durch das Treppenhaus zog, folgten alle dem Geruch und nahmen nach und nach am neuen Esstisch Platz. 

Zuletzt tauchte noch etwas schläfrig Tyran auf und setzte sich zwischen Cecillia und Eras. Ellen und Cecillia waren immer noch total aufgekratzt und erzählten ausgiebig von ihrem Shopping Trip. Dabei wechselten sie sich immer wieder gegenseitig ab, wenn die eine erzählte, genoss die Andere den Tee und das Gebäck. Während Cecillia gerade aufzählte wie viele Schuhe sie angezogen hatte, trottete im Halbschlaf und nur in seiner Boxershort der Unbekannte schlaftrunken herein. Sein Gang war zielgerichtet auf den Kühlschrank, er öffnete ihn und zog sich eine Flasche Blut heraus. Mit geschlossenen Augen öffnete er sie und setzte sie an. Alle Augen waren auf ihn gerichtet und das Gespräch hatte einen abrupten Cut gehabt, als er den Raum betrat. Der Unbekannte nahm einen kräftigen Schluck, während er sich mit der freien Hand am Hintern kratzte. Er setzte die Flasche ab, schraubte sie zu und stellte sie zurück. Danach wischte er sich den Mund mit dem Arm ab und rief durch die Küche. "Mom die Milch ist schlecht. Du solltest neue kaufen." Mit diesen Worten setzte er sich mit den gleich schlürfenden Gang wieder in Bewegung. 


Dabei ging er wieder an uns vorbei, ohne eine Notiz von uns zu nehmen. Das Einzige was er tat, war auf mich zu zusteuern und mit einen Kuss auf die Wange zu geben, bevor er im Wohnzimmer verschwand. "Mom ich hab dich lieb." raunte er noch beim verlassen der offenen Küche. Geschockt über den Kuss und die Szene die sich gerade abgespielt hatte schaute ich wie erstarrt in seine Richtung. Dabei bemerkte ich die Röte in mein Gesicht aufsteigen. Genau in diesem Moment realisierten auch die Anderen was geschehen war und brachen in hellem Gelächter aus. Nur einer blieb still und schaute mit funkelnden und wütenden Augen zum Wohnzimmer. Ein bedrohliches Knurren kroch seine Kehle empor und übertönte das Gelächter. Alle wurde stumm und schauten ihn an. "Sitz und Aus!" ermahnte Eras eine dunkle, gelassene Stimme. Schnaufend schaute er neben sich, wo Tyran unbeeindruckt seine Tasse sich gerade zum Mund führte und einen Schluck nahm. "Wölfchen, jetzt hab dich doch mal nicht so. Der arme Tropf denkt das er zu Hause bei seiner Mom wäre. Na und? Soll er doch. 


Und hey, wenn Maeve seine Mutter wäre, hättest sicherlich die heißeste Mom an deiner Seite." grinste er ihn an und klopfte ihn auf die Schulter. Bei diesem Gedanken konnte selbst Erasmus nicht mehr ernst bleiben und schnaufte vor Lachen. "Reißzähnchen mach das nicht noch einmal, sonst fall ich doch noch einmal über dich her." Nun musste auch ich und der Rest wieder das Lachen anfangen. War das doch eine der merkwürdigsten und zugleich entspanntesten Szenen gewesen in letzter Zeit. Die Neugier nach unserem Gast stieg jedoch immer mehr an und so beschlossen wir ins Wohnzimmer zu gehen, um nach ihn zu schauen. Wusste doch keiner so genau wer er war. Als wir ins Wohnzimmer traten bot man uns ein Bild für die Götter. Der Unbekannte hatte sich wieder schlafen gelegt. Er hatte sich die Decke zwischen die Beine gewickelt, die nun wie eine übergroße Windel wirkte. So schlief er mit einem Bein nach unten und dem Anderen auf der Lehne abgelegt schnarchend und schmatzend vor uns. Jeder von uns schaute die anderen mit einem Grinsen im Gesicht, was bis zu den Ohren ging, an. Wir beschlossen den Rückzug zu wagen bevor einer von uns im hellen Gelächter ausbrach.

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