Direkt zum Hauptbereich

Der Fluch (Kurzgeschichte)

Es war eine stürmische Nacht, der Regen peitsche an die Scheiben und Blitz und Donner versuchten sich gegenseitig zu fangen. Ich hatte mich früh zu Bett gelegt, da ich einen anstrengenden Tag im Büro hatte. Die Woche lief für mich nicht besonders gut, wenn ich genau darüber nachdachte lief es schon einige Monate schlecht. Erst verließ mich mein Freund, in meinem Job wurde ich auch nur noch übergangen und seit Wochen plagten mich Kopfschmerzen. Im Großen und Ganzem konnte man mein jetziges Leben in den Mülleimer schmeißen. Alles was ich anfasste war zum Scheitern verurteilt.


Selbst meine Träume verschafften mir keine Erholung mehr. Jede Nacht erlebte ich immer wieder den gleichen Albtraum. Ich war eine Frau im Mittelalter, die von den Dorfbewohner gejagt wurde. Sie trieben mich in eine alte Mühle. Im obersten Stockwerk wartete ein Engel auf mich. Doch als ich in seine schützenden Arme floh und er sich mit mir in die Lüfte begab, färbten sich seine Flügel rabenschwarz und sein reines Gewand wurde pechschwarz. Er lachte furchteinflössend und sah mit seinen schalachroten Augen an. "Nun bist du mein und ich werde dich und deine Ahnen nicht mehr loslassen." Mit diesen Worten brach der Boden unter uns auf und er ließ mich in die ewigen Tiefen stürzen. Mit jeder Nacht fiel ich ein bisschen tiefer.



Ich wachte jedes Mal in einem schweiß getränkten Bett auf. Geschafft von den Träumen und dem gestrigen Tag schlich ich wie immer zum Bad. Doch am heutigen Tag war etwas anders. Ständig hatte ich das Gefühl, dass ich verfolgt werde. Ich war allein in meiner Wohnung und Haustiere besaß ich auch nicht. Also konnte mich keiner in meinen eigenen vier Wänden verfolgen, oder etwa doch? Sollte ich jetzt auch noch meinen Verstand verlieren? Das würde ja mein Leben noch perfekt machen. Ich stand vor meinem Spiegel. Doch mein Spiegelbild war nicht das, was mich sonst wachrüttelte jeden Morgen. Mein zweites Ich sah älter aus und auch die Kleidung passte nicht zu meinem dunkelblauen Satinpyjama, den ich trug. Sie sahen altertümlich, wenn ich mich nicht täuschte war es sogar die Kleidung, die ich in meinem Traum trug. Ich schloss die Augen und öffnete sie nach einigen Sekunden wieder. Das Spiegelbild hatte sich wieder geändert und ich sah mich normal.


Scheinbar war ich dem völligen Wahnsinn nicht mehr sehr fern. Doch ich schob die auftauchenden Fragen beiseite und ging nach so einer Nacht erstmal unter die Dusche. Danach würde sicher die Welt gleich viel anders aussehen. Mein kleines Bad verschwand in dem warmen Nebel, der durch meine heiße Dusche kam, völlig. Entspannt und erfrischt stieg ich aus der Dusche und schaute meinen Spiegel an. Ich erstarrte und ließ mein Handtuch fallen. Splitterfasernackt stand ich in meinem Bad und starrte auf dem Spiegel. Auf dem angelaufenen Spiegel waren Buchstaben, Wörter nein sogar ein Satz zu erkennen. Langsam löste ich mich aus meiner Starre und schreitete mit kleinen Schritten zum Spiegel, um den Satz richtig zu erkennen.


"Du musst den Fluch brechen." Was sollte das bedeuten. Welchen Fluch meinte man. Verwirrt und ungläubig wischte ich über den Spiegel und sah mich, so wie Gott mich schuf. Nur einen Wimpernschlag später veränderte sich wieder mein Spiegelbild und die Gestalt von vorhin erschien wieder. Vor Schreck ging ich einen Schritt zurück und stolperte über meine Badgarnitur. Bevor ich stürzte hielt ich mich an dem Waschbecken fest. So wie ich mich aufrichtete war die Gestalt wieder aus dem Spiegel verschwunden und ich sah nur mich. Den ganzen Tag über begleitete mich das Gefühl der Verfolgung. Auch im Büro verschwand das Gefühl nicht. In der Mittagspause schaltete ich meinen Monitor aus und holte meine Lunchbox heraus. Meine Arbeitskollegin ging Essen, sodass ich allein am Schreibtisch war. Die Ruhe konnte ich dennoch nicht richtig genießen, denn je stiller es war um so stärker wurde das Gefühl verfolgt zu werden.


Ich biss gerade in mein Sandwich als sich mein Monitor einschaltete und es öffnete sich ein Chatfenster. Eine Nachricht blinkte auf. Die Nachricht wurde von einer Eufemia geschrieben, dieser Name sagte mir gar nichts. Ich las ihre Nachricht. "Seid gegrüßt Mara. Bitte höre mir genau zu und mache das was ich dir sage. Es ist äußerst wichtig." Ich zögerte kurz bevor ich zurückschrieb. "Hallo Eufemia, was gibt es denn so wichtiges?" Gespannt schaute ich auf den Bildschirm. Ihr Name tauchte auf und blinkte. Sie schrieb also wieder. "Mara, du musst den Fluch der auf uns liegt brechen. Es ist wichtig sonst wirst auch du sterben." Langsam wurde es unheimlich. Was sollte das mit dem Fluch. An sowas glaubte ich eh nicht. "Was für ein Fluch soll das denn sein? Wenn ich verflucht wurde, dann kannst du mir auch sagen wie ich ihn brechen kann. Aber sowas wie Flüche gibt es eh nicht." Ich hoffte, ich habe diese Eufemia nicht verärgert, aber irgendwie kam ich mir vor, als würde sich diese Eufemia einen Scherz mit mir erlauben.


Ich schloss das Chatfenster und machte mich wieder an meine Arbeit. Nach der Arbeit beschloss ich meine jahrelange Freundin Larissa zu besuchen. Sie konnte mir sicher helfen, denn sie war von magischen Ereignissen und Flüchen überzeugt. Sie meinte immer das sie in die Zukunft schauen konnte und meine Aura sehen könnte. Für mich war das alles nur Schwachsinn, aber jeder sollte sein Hobby haben. Wir wollten uns in unserem Lieblingscafé treffen. Als ich ankam saß Larissa schon da und schlürfte genüsslich ihren Nugatcappuchino. Wir begrüßten uns mit einem Küsschen links und rechts. Danach setzte ich mich zu ihr und bestellte eine Latte Macchiato. "Na was bedrückt dich, dass du mich unbedingt treffen wolltest." fragte Larissa neugierig. Die Neugier lag in ihrer Natur. "Na dann mach es dir gemütlich, denn es ist heute ziemlich viel passiert." begann ich und erzählte ihr alle Ereignisse die sich heute und in den letzten Tagen ereignet hatten. Larissa klebte an meinen Lippen und notierte sich kleine Einzelheiten auf der Serviette.


"So so, dass ist wirklich ernst. Wir sollten dann sofort zu mir, ich muss dringend etwas nachschauen. Das bekommen wir schon hin." Ihre Zuversicht hätte ich auch gern gehabt. Nach dem wir unsere Getränke geleert und bezahlt hatten machten wir uns auf den Weg zu ihr. In Ihre Wohnung roch es immer nach Weihrauch, der mir immer Kopfschmerzen bereitete. Ich setzte mich auf ihre Couch und sie kramte in ihren Bücherregal umher. Nach ein paar Minuten suchen hatte sie anscheinend etwas gefunden, sie kam mit einem großen, schweren und sehr alten Buch an. "Hier müsste ich eigentlich das finden, was ich gesucht habe." meinte sie etwas abwesend. Larissa setzte sich auf einen kleinen Hocker und legte das Buch auf den Tisch. Während sie in ihrem Buch blätterte kam ihr kleines, schwarzes Kätzchen namens Luna und schmiegte sich an mich. Schnurrend forderte sie mich auf, sie zu streicheln. Ich folgte ihrer Aufforderung und begann sie sanft hinter dem Ohr zu streicheln. In dem Raum war alles ruhig, nur das leise Schnurren von Luna und das umblättern der Seiten waren zu hören. Larissa durchbrach die friedfertige Stille. "Ich hab es gefunden." meinte sie freudig.


"Das ich nicht eher drauf gekommen bin." Sie schaute mich an und fing an zu blinzeln. "Jetzt nicht bewegen Mara, ich fokussiere deine Aura." Irgendwie kam mir das Ganze unheimlich und komisch vor. "Da ist es, ich wusste das er da sein musste." "Was musste wo sein, was siehst du denn?" fragte ich und drehte mich um. Ich konnte nichts sehen, was aber nicht hieß das Larissa auch nichts sah. "Du meintest doch, dass in deinem Traum du eine Frau gesehen hast und hinter der Frau einen weißen Engel der plötzlich schwarz wurde." Erläuterte Larissa, während sie immer noch mich anblinzelte. "Ja, aber was hat das mit mir zu tun?" fragte ich sie. Langsam wuchs auch in mir die Neugier. "Dieser schwarze Engel ist nun hinter dir her. Er hat schon mehrere deiner Ahnen geholt und will dich auch holen." sagte sie ohne einen Funken Mitgefühl zu zeigen. "Er will was?" meine Augen weiteten sich und in meiner Stimme war der Schock deutlich heraus zuhören. Sie schaute mich an und lächelte. "Er wird dich nicht bekommen, Süße. Das verspreche ich dir. Doch können wir es erst am nächsten Vollmond machen. Also in drei Tagen, bis dahin musst du auf dich aufpassen." Wir machten uns noch einen schönen Abend bevor wir uns verabschiedeten.


Drei Tage später traf ich mich wieder mit Larissa. Wir gingen in den angrenzenden Wald. "Wir werden ein Ritual machen. Dabei musst du deine gesamten Kleider ablegen. Damit ich dich vollständig reinigen kann. Sie zog einen Kreis aus Salz und stellte fünf weiße Kerzen zu einem Pentagram auf. Während sie alles vorbereitete entblößte ich mich. "Stelle dich in den Kreis Mara." meinte sie zu mir, als ich ausgezogen war. Ich folgte ihren Anweisungen, denn die letzten drei Tage waren schlimmer als die Vorherigen gewesen waren. Bevor sie in den Kreis trat zog sie sich auch aus. Larissa nahm ihr Buch mit in den Kreis und begann mit dem Ritual. Irgendwie begann mein Körper zu kribbeln. Ich wusste nicht woran es lag, ob an der kühlen Brise oder an diesen Energien die Larissa herbei rief lag. Obwohl ich nie an diese Sachen geglaubt hatte, überkam mich bei diesem Ritual ein Gefühl was ich bis zu diesem Augenblick noch nie erlebt hatte. Am Ende des Rituals küssten wir uns innig, so sollte alle schlechten Energien aus mir heraus gezogen werden. Larissa löste den Kreis auf und wir zogen uns wieder an. Auch wenn Larissa noch nicht geschaut hatte, ob dieser Engel oder was auch immer bei mir war, weg war, fühlte ich mich frei und erlöst.


Larissa schaute nach und bestätigte mir das er nicht mehr da war. Unseren Erfolg begossen wir mit einer schönen Flasche Asti Rosé. Seit diesem Abend waren Larissa und ich noch enger verbunden als zuvor.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die goldene Maske (Teil 4)

Diese wurden dann von zwei Männern in das Zimmer geleitet und Aiden kam in den Ballsaal wieder. Er nickte einen der anderen Männern zu und nahm Zina zu sich, da er das Hotel mit ihr verlassen wollte. "Komm ich denke es wird Zeit, dass wir gehen." lächelte er sie unter seiner Maske an. Wieder nickte sie nur stumm und stand auf. Fühlte sie sich doch die ganze Zeit über fehl am Platz, bei diesem Ball. Er fuhr mit ihr zu seinem Loft und bot ihr eins seiner Gästezimmer an. Dabei war es ein Zimmer, welches mit Glassteinen abgetrennt wurde. Sie nahm es dankend an, auch wenn sie wusste das sie wie auf dem Präsentierteller saß. Erzog sich zurück, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie allein war, zog sie das Kleid aus und ging nackt in das große Boxspringbett. Zina zog sich die Decke bis zu den Schultern hoch und versuchte sich zu entspannen. 

Galatea (die Bücherapp)

 Hallo ihr Lieben, heute möchte ich euch nach langem mal wieder etwas vorstellen, was mich total begeistert hat. Ich lese sehr viel auch in meiner Freizeit und auf Reisen. Um da nicht immer die großen, dicken Wälzer mitzunehmen und dennoch den Genuss vom Abtauchen in eine andere Welt zu genießen habe ich für mein Handy eine App gefunden. Galatea von der Firma Inkitt GmbH bietet viele Bücher in den Genre Romantik, Erotik, Fantasy. Einige der Bücher kann man nicht nur lesen, sondern sich auch als Hörbuch anhören. Dabei ist die Auswahl sehr hoch und es ist nicht nur die deutsche Sprache vertreten. Als Liebhaber von Büchern in Papierform bin ich von dieser App dennoch überzeugt und kann sie weiterempfehlen. Sie ist kostenlos erhältlich und man muss nicht zwingend Geld ausgeben, wenn einen die Wartezeiten zwischen den Kapiteln nicht stört. Schließlich sollte man nicht permanent am Smartphone kleben. Die App findet man im Google Play Store. Wer Interesse hat, schaut sie sich einfach mal ...

Nullam felis tenebrarum (Teil 23)

Die zwei Wochen verflogen wie im Flug und wir versuchten so viel wie möglich vorzubereiten. Ellen und Cecilia wurden auf einen Kampf vorbereitet. Ich brachte Ellen, die wirklich sehr schnell lernte, einige Zauber bei, die sie zur Verteidigung einsetzen konnte. Cecilia wurde von Tyran mit zwei Dolchen vertraut gemacht. Sie lernte schnell die Kampfkunst. Sie verbrachten viel Zeit damit und Ty war Ende der zweiten Woche sehr stolz auf sie. Auch ich war nicht untätig, während Ellen ihre Zauber mit Eras schulte mischte ich einige Zaubertränke zusammen, die einige der Werwölfe für kurze Zeit irritieren und außer Gefecht setzen sollten. Ich mischte alle etwas stärker, jedoch war die Dosierung nicht lebensbedrohlich. An den Abend vor dem Vollmond gingen wir noch einmal alle Einzelheiten durch. "Wir bleiben immer zusammen und Ellen wird mit mir einen magischen Schutzkreis ziehen. Also sollte keiner von uns aus ihn heraustreten." meinte ich. Ich schaute zu meinem Liebsten und überlegte...