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Nullam felis tenebrarum (Teil 9)

Ellen legte den Gegenstand zu den anderen und schaute zu Boden. „Na ja genau genommen, habe ich kein Zuhause. Denn ich bin von meinen Eltern ausgerissen und habe mich dann so durchgeschlagen. Aber wieso fragst du mich wo ich wohne? Soll ich wieder verschwinden?“ In ihrer Stimmte konnte man die Enttäuschung und die Angst nun wieder auf die Straße gesetzt zu werden hören. Ich lächelte und nahm einfach ihre Hand und ging mit ihr in das obere Stockwerk. Ellen schaute mich verwirrt an, als wir vor der Tür ihres neuen Zimmers stehen blieben. Ich nickte ihr zu „Öffne doch mal die Tür zu deinem Zimmer, Ellen.“ Ungläubig schaute sie mich an und drehte den Türknopf, um die Tür zu öffnen. Langsam betrat sie das Zimmer und schaute sich um. In ihren Augen traten Tränen, sie blieb mitten im Raum stehen und begann zu stottern: „Ist das mein Zimmer? Heißt das ich darf bei dir wohnen?“ In diesem Moment, als die letzten Worte über ihre Lippen kamen drehte sie sich um und stürmte auf mich zu. Ellen umarmte mich vor Glück und stieß einen kleinen Freudenschrei aus.

„Danke, danke, danke Maeve. Wie kann ich das nur wieder gutmachen?“ Ty kam nach oben gelaufen, als er den kurzen Aufschrei von Ellen gehört hatte. „Was ist denn hier los? Kann man euch zwei Weiber nicht einmal kurz alleine lassen ohne das eine von euch aufschreit?“ meinte er empört und stand auf der obersten Stufe. Ich lächelte ihn an und meinte mit einem frechen Unterton: „Lass uns doch rumkreischen wie wir es wollen. Und sag bloß in deinen Armen hat noch keine Frau vor Glück aufgeschrien. Wenn ja, dann tut es mir wirklich leid um dich.“ Ellen löste sich von mir und strahlte bis über beide Ohren. Meine Hand ergriff ihre und ich ging mit Ellen in ihr Zimmer. Ich zeigte ihr den Kleiderschrank mit meinen älteren Sachen. „Ich habe dir ein paar Sachen von mir gegeben, aber ich werde dir für morgen noch ein bisschen Geld geben und du gehst dir noch ein paar Sachen kaufen. Aber gib nicht alles auf einmal aus, denn auch wenn ich eine Hexe bin kann ich kein Geld hexen. Das muss ich auch verdienen. Ellen, ich würde dich aber bitten dein Zimmer selbst in Ordnung zu halten und das bitte ohne Magie. Denn wir dürfen keine Magie zu unserem persönlichen Vorteil nutzen.“


Sie nickte eifrig und durchforstete ihren neuen Kleiderschrank. Ihre Augen glänzten vor Freude und es tat mir gut sie so glücklich zu sehen. Ich zog mich zurück und nahm Ty mit nach unten. Er machte es sich auf der Couch gemütlich, während ich die Sachen vom Ritual wegräumte. Ich schaute auf die Uhr und dachte mir, dass Ellen sicher Hunger hätte und bestellte ihr eine Pizza Vierjahreszeiten. Da ich ihren Geschmack nicht kannte, hoffte ich mit dieser Wahl ihn wenigstens im Ansatz zu treffen. Der Pizzabote schellte eine halbe Stunde später an der Haustür. Ich bat Tyran an die Tür zu gehen und die Pizza entgegen zu nehmen. Das passende Geld hatte ich auf das kleine Schränkchen im Eingangsbereich schon bereitgelegt. Kurz darauf kam er mit der riesen Packung in die Küche und stellte sie auf den Ofen ab. Er sah mich an und meinte, als er kurz den Deckel der Pizzapackung öffnete: „So etwas würde ich auch gern einmal essen.“ Er zog den Duft der Pizza tief ein und seufzte. Auf meinem Gesicht zeichnete sich ein leichtes Lächeln ab und ich wusste was wir heute zu uns nahmen. „Du hast doch nicht schon wieder Hunger, oder?“ fragte ich ihn und stellte zwei Gläser bereit.


Ty schaute mich leicht verwundert an, dann fielen seine Blicke auf die Gläser. „Na ja, wenn du mich so fragst. Ein kleines Hungergefühl verspüre ich schon.“ „Gut, dann geh bitte Ellen holen. Ich bereite in der Zwischenzeit unser Abendessen vor.“ Ohne ein Widerwort verließ er die Küche und ging zu Ellen rauf. Sie zeigte ihm noch ihr Zimmer bevor sie hinunterkamen. In dieser Zeit hatte ich die Pizza auf einen Teller gemacht und die zwei Gläser gefüllt. Alles stand schon im Wohnzimmer bereit zum Verzehr. Als Ellen eintrat und den Duft der warmen Pizza einzog konnte man ein lautes Knurren ihres Magens vernehmen. Ich schmunzelte und meinte zu den beiden. „Kommt es ist angerichtet. Lasst es euch schmecken.“ Beide gesellten sich zu mir und genossen ihre Mahlzeit. Ty schaute mich verblüfft an. „Hexlein du bist eine Meisterin der Küche. Das schmeckt wirklich wie die Pizza gerochen hat. Das ist einfach göttlich.“ Ellen schaute auf. Mit vollen Mund fragte sie leise, damit sie nicht ein winziges Stückchen von der Pizza verlor: „Das Blut schmeckt nach Pizza? Wie ist das denn möglich?“ Sie schluckte hinunter und wartete auf eine Antwort von mir.


Doch ich schob ihr mein Glas zu und meinte nur: „Probiere. Ellen als Hexe kann man nicht nur andere, Gegenstände oder Umgebungen verzaubern. Man kann auch, wenn man die richtigen Worte und Sachen hat, sowie Erfahrung auch so etwas wie Blut verzaubern. Aber dafür braucht es sehr viel Erfahrung und Geduld.“ Zögerlich nahm Ellen das Glas zu sich und roch erst daran. Auch der Geruch ähnelte einer Pizza. Sie setzte das Glas an und nahm einen Schluck zu sich. Danach gab sie es mir wieder und nickte. „Tatsächlich, es schmeckt genauso wie meine Pizza. Aber ich bevorzuge dann doch lieber das Original.“ Ich schmunzelte und nippte an meinem Glas. Den restlichen Abend verbrachten wir vor dem Fernseher. Ellen ging kurz nach Mitternacht zu Bett. Es war für sie einen sehr anstrengenden Tag gewesen. Sie hatte viel erfahren und erlebt. Doch ich war sehr stolz auf sie. Als Ellen oben war und schlief schaute mich Ty an. „Maeve, wieso tust du das alles für die Kleine und mich? Wir kennen uns doch kaum und du lädst uns ein in dein Haus und bietest uns Schutz. Hast du denn keine Angst, dass die Kleine dir einen Pflog durchs Herz jagt, wenn du schläfst? Oder das ich jemanden in dein Haus lasse, der dir an deinen süßen Hals will?“


Ich schüttelte den Kopf und entgegnete ihm: „Nein, das werden weder sie noch du machen. Weißt du Ty, Luna ist nicht zu jedem so, wie sie zu euch ist. Sie passt sehr gut auf mich auf und ich auf sie. Wir kennen uns schon sehr lange und auch sehr gut. Ich vertraue ihr so wie sie mir. Zudem passiert alles nur aus einem bestimmten Grund. Noch ist mir der Grund schleierhaft, aber zu gegebener Zeit werde ich ihn schon erfahren und erkennen.“ Er legte seinen Kopf leicht schief und fragte mich mit einem Lächeln: „Ach ja Hexlein, hast du denn für mich auch so ein Zimmer wie für Ellen oder muss ich auf der Couch schlafen?“ „Ich muss dich enttäuschen, aber du wirst es dir wohl auf der Couch gemütlich machen müssen. Und diesmal wirst du auch ohne meine Gesellschaft hier nächtigen.“ Mit diesen Worten stand ich auf und machte mein allabendliches Ritual, um auch bei Tageslicht schlafen zu können wie ein normaler Mensch. Als ich nach dem Ritus wieder nach drinnen kam verabschiedete ich mich bei Tyran und ging zu Bett. Hinter meiner Schlafzimmertür errichtete ich einen kleinen Schutzzauber für mich, der mir jeden der mir etwas Böses wollte fern hielt.

Kommentare

  1. Klasse wie immer. Gefällt mir wieder sehr gut. Nur weiter so.

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