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Nullam felis tenebrarum (Teil 12)

Jeder schaute jeden an und keiner wollte den ersten Schritt auf mich zu machen. Man konnte die gewaltige Kraft, die von mir ausging, spüren. Der Anführer gab einem das Zeichen, er solle mich angreifen. Dieser zögerte kurz und kam dann mit fletschenden Zähnen auf mich zu. Ich wartete bis ich das weiße in seinen Augen sah. Er setzte zum Sprung an und landete hinter mir. Seine Pranke hatte mich leicht an der Schulter verletzt. So wie er auf wieder stand, drehte ich mich um packte ihn an seinem Schwanz und zog ihn langsam zu mir. Ein schmerzverzerrtes Jaulen ging in dem Donner unter. Ich hielt ihn fest und brach ihm mit einer Handbewegung seine Pranke. Ein anderer Wolf kam ihm zur Hilfe und wollte gerade zum Sprung ansetzen, als ich meinen rechten Arm ausstreckte und die Handfläche ihm entgegen streckte. In diesem Moment traf ihn schon eine Schockwelle, die ihn an einen Baum warf. Er blieb bewusstlos liegen. Mein erster Angreifer, den ich noch in meiner Gewalt hatte wollte gerade in meinen Arm beißen, damit er sich befreien konnte. Doch ich war schneller und biss ihn.
Sein Blut rann mir die Kehle hinunter, doch bevor ich in einen Blutrausch verfiel stieß ich ihn von mir und er humpelte stark geschwächt hinter seinen Anführer zurück. Ich drehte mich langsam, mit blutverschmiertem Gesicht, zu dem Anführer um und aus meiner Kehle kroch ein langes und finsteres Lachen. „Na wer will als nächstes?“ fragte ich herausfordernd. Doch die Wölfe zogen sich langsam zurück und ließen ihren Anführer stehen. Er drehte sich um und schaute nicht schlecht, nun stand er mir allein gegenüber. „Wie ich sehe hat dein Rudel entschieden, dir den Kampf allein zu überlassen.“ Sagte ich grinsend und deutete ihm an, dass er zu mir kommen sollte. Er bewegte sich langsam auf mich zu und jeder seiner Schritte verriet mir, dass er seiner Sache nicht sicher war. Es hatte begonnen zu regnen und über uns jagten die Blitze sich gegenseitig. Ich registrierte jede seiner Bewegung und ich erkannte, dass er gleich zum Sprung ansetzen würde. So bereitete ich mich ebenfalls vor auch zu springen. Doch bevor der Wolf springen konnte wurde er von einem weißen Wolf übersprungen.


Dieser landete vor ihm und drehte sich um. „Verschwinde, das ist nichts für dich. Geh zu deinen Freunden und verlasst mein Gebiet.“ Raunte der weiße Wolf. Seine Stimme kam mir vertraut vor. Der schwarze Wolf folgte dem Worten des anderen und ging in das Dickicht. Mein Körper blieb in der Kampfhaltung, denn einem Wolf konnte man nie trauen. Das musste ich damals auf die harte Tour lernen. Der Weiße wandte sich nun wieder mir zu und ich schaute in seine eisblauen Augen. Sein Fell glich dem Schein der Mondmutter. Ich versuchte ihn einzuschätzen, doch er war nicht so durchschaubar, wie die kleinen Wölfchen von eben. Er schien schon ein alter Wolf zu sein. Langsam kam er mir näher und wich nicht meinen Blicken aus. Wir beide musterten den Anderen gründlich und wurden dennoch durch eine Barriere geblockt. Als er vor mir stand erklang wieder seine Stimme. „Was willst du hier? Dieser Wald ist für einen Vampir nicht sicher. Das müsstest du eigentlich wissen.“ Ich legte meinen Kopf leicht schief und zog eine Augenbraue hoch. „Ich gehe dahin wo ich es möchte.


Daran wird auch ein Fellknäul wie du nichts ändern. Zudem folge ich nur dem Ruf.“ Mit diesen Worten ließ ich ihn stehen und ging meinen Weg zu der Lichtung wo die Mondmutter schon auf mich wartete. Meine Umgebung hatte ich immer fest im Blick, denn noch einmal würde ich mich nicht überraschen lassen. Auf meiner Haut spürte ich noch immer die Energie die ich beschworen hatte und in mich eingesogen hatte. Ich bahnte mir den Weg durch das Dickicht. Nach einem kurzen Fußmarsch kam ich an der Lichtung an, wo mich schon die Mondmutter auf mich wartete. Bevor ich mich vollständig in ihre Hände gab, schützte ich die Lichtung vor ungebetenen Gästen. In die Mitte der Lichtung setzte ich mich auf den weichen Moosboden und schloss meine Augen. Langsam erschien die Mondmutter vor meinem geistigen Auge. Sie war wunderschön anzusehen. Ihr großer schlanker Körper, die üppige Oberweite, ihr silberglänzendes Haar, welches ihre Silhouette umschloss. Ihre Beine waren lang und ihren majestätischer Körper war von einem hellen Licht umgeben. Auf ihren Lippen zeichnete sich ein Lächeln ab und sie streckte mir ihre Hand entgegen.


Ich ergriff sie und spürte ihre Energie, die durch meine Adern strömte. Nun stand ich neben ihr und schaute in ihre nachtblauen Augen.  Ich musste mich recken, da sie zwei Köpfe größer als ich war. Ihre liebliche Stimme klang in meinen Ohren. „Ich bin froh das du meinem Ruf gefolgt bist, Maeve. Meine Tochter, ich weiß die Zeiten sind nicht einfach und es liegt noch ein langer und schwieriger Weg vor dir, ehe du dein Ziel erreichen wirst. Es werden Verbündete begleiten und auch alte Bekannte werden deinen Weg kreuzen. Jetzt komm meine Tochter und führe heute Abend mit mir die Jagd an.“ Sie reichte mir einen Bogen, der aus Weide gefertigt wurde und mit Mondlicht gesegnet war. Die Sehne war eine Strähne von dem silberglänzendem Haar der Mondmutter. In ihm hatte man eine Efeuranke hineingeschnitzt und mehrere Sterne zierten ihn. Er war alt, hatte nichts von seinem Glanze verloren. Es war für jedes Wesen, das zu den Kindern der Mondmutter gehörte, eine Ehre so einen Bogen von ihr zu bekommen und mit ihr in der ersten Reihe zu stehen. So begannen wir die Jagd. Jeder von uns wusste das wir nur dem ewigen Kreislauf folgten. Während der Jagd drehte ich mich einmal nach hinten, um mich zu vergewissern das die Mondmutter noch hinter mir war, dabei sah ich in ihrem Schatten noch eine andere Gestalt.

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