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Unerwartetes Wiedersehen



Ich fuhr einsam nur mit meinem ständigen Begleiter, dem Funkgerät, die Landstraße von Smaland nach Skane. Der Wintereinbruch kam dieses Jahr sehr früh, doch auf meine „Old Lady“ konnte ich mich immer verlassen. Die Straßen waren kaum geräumt und zudem glatt, auch der aufziehende Nebel machte die Sache nicht gerade leichter. 

Die Stille in meinem Führerhaus wurde durch einen plötzlichen Funkspruch zerrissen.  „Hier golden Eagle. Kann mich jemand hören?“ Ich überlegte kurz, ob ich mich melden sollte, doch ich wusste, dass ich noch eine längere Zeit die Stille um mich hatte. So griff ich nach dem Funkgerät und antwortete auf golden Eagles Funkspruch. „Hier ist Cat, was gibt es denn golden Eagle.“ – „Hallo Cat, ich habe ein kleines großes Problem. Mein Zug steckt in einer Schneewehe in der Nähe von Skane fest.“ In seiner Stimme war die Erschöpfung deutlich zu hören. „Ich habe verstanden Golden Eagle. Bin grad auf der Strecke und müsste dich auch gleich sehen, dann schaukeln wir das Kind schon.“ 

Es dauerte nur wenige Minuten und in der Nebelbank schimmerten rechts von der Straße rote Lichter. Das musste der Zug von Golden Eagle sein. Ich verringerte meine Geschwindigkeit und fuhr langsam an ihm vorbei. Er steckte doch tiefer in der Schneewehe drin als ich anfangs vermutet hatte. Meinen Zug stellte ich am Straßenrand ab und koppelte meinen Anhänger ab. Danach ging ich zum Führerhaus von Golden Eagle hinüber. Die Spedition kam mir sehr bekannt vor und als er ausstieg traf es mich. Es war ein ehemaliger Bekannter, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. „Mike kann es denn wahr sein?“ Lachte ich und nahm ihn in den Arm. Sein Blick verriet mir, dass er überrascht und überwältigt war. Keiner von uns hätte je gedacht, dass man sich einmal so wiedersieht. „Mira, bist du es? Ich dachte du sitzt in irgendein Büro und sortierst Akten und machst Aufträge. Aber du fährst mit so einem riesigen Zug hier durch de Gegend, Respekt.“  

Ich lächelte ihm zu und klopfte auf seine Schulter. "Das hättest du nicht erwartet, dass ich einmal auf so ein Baby fahren würde. Aber bevor wir hier unser Kaffeekränzchen weiterführen will ich erst einmal sehen wie meine kleine und ich  dich hier herausbekommen." Mike nickte und wir gingen einmal komplett um den Zug herum. Ich schaute mir die ganze Sache an. Wir wussten beide, als wir herum waren, das die Bergung nicht leicht werden würde. Zudem kam ein eisiger und schneller Nordostwind auf. Mike schaute mich an und meinte mit einem langgezogenen Seufzen: "Oh man, das wird ne harte Arbeit hier werden. Der Wind macht es grad auch nicht einfacher. Was meinst du schaffen wir das?" In seinem Blick konnte man einen leisen funken der Verzweiflung sehen. "Mike, weißt du noch als wir zusammen gearbeitet haben? Wenn es schwierig war haben wir doch immer einen Weg gefunden und hier ist ja das Ziel klar. Zudem habe ich schon eine Idee wie wir dich hier heraus bekommen." lächelte ich ihm zuversichtlich zu, auch wenn ich selbst wusste das es uns viel abverlangen würde. 

"Als erstes musst du den Anhänger abkoppeln, danach graben wir eine Spur damit ich leichter an dich ran komme und dich herausziehen kann. Zum Schluss werde ich dann auch deinen Anhänger holen. So das ist der Weg den ich dachte. Was hälst du davon?" fragte ich ihn mit einem Lächeln. Auf seinem Gesicht zog sich ein Mundwinkel nach oben und sein Blick verriet mir das er kurz nachdachte bevor er es mit einem Nicken absegnete. "Mira, du hast immer noch die besten Ideen. Dann geh ich mal den Anhänger abkoppeln. Bin gleich wieder da und helfe dir dann." Während er den Anhänger abkoppelte holte ich zwei Schaufeln aus meinem Führerhaus und begann mit dem freischaufeln. Mike kam sofort danach zu mir und half mir. Wir hatten die Hälfte geschafft, als der eisiger Wind uns noch heftiger um die Ohren pfiff. Das hieß das der nächste Schnee nicht lange auf sich warten ließ. Ich tippte Mike auf die Schulter und meinte: "Wir sollten es jetzt probieren, bevor es noch anfängt zu schneien. Dann wäre alles um sonst gewesen." Er nickte nur und nahm mir die Schaufel ab.

Sofort ging ich zu meiner Old Lady und setzte langsam den Rückwärtsgang ein. Als ich sie in die richtige Position gebracht hatte ging ich hinaus und wir brachten gemeinsam die Abschleppstange an. "Kann es losgehen?" vergewisserte ich mich bei Mike bevor ich wieder einstieg. Nickend gab er mir das Zeichen das er bereit war. Langsam setzte ich mein Baby in Gang. Der Schnee unter den Rädern gab nicht gleich den nötigen Grip, doch dann grub sich mein großes Mädchen hinein und wir zogen ihn langsam aus der Wehe. Als er wieder den festen Bodenbelag unter seinen Rädern hatte gab er mir ein Zeichen. Wir stoppten und koppelten unsere Lkws ab. "Jetzt fehlt nur noch der Anhänger." meinte ich optimistisch und lächelte ihn an. Er stieg auf seinen Bock und fuhr vor mich, damit ich mehr Platz hatte. Langsam setzte ich wieder Rückwärts um seinen Anhänger noch rauszuziehen. Beim Zurücksetzen merkte ich, dass ich den gleichen Weg nicht noch einmal ungefährlich gehen konnte. Die Gefahr stecken zu bleiben war einfach zu groß. So beschloss ich als der Anhänger angekoppelt war, ihn rückwärts hinauszuschieben.


Dieses Manöver war riskanter, da es schon dunkel war und der Anhänger doch etwas länger war als meiner. Aber wenn ich es jetzt nicht probieren würde, würde es nicht mehr funktionieren. Denn der Schneefall hatte wieder eingesetzt. So setzte ich langsam rückwärts an und ich merkte wie meine "Old Lady" zu kämpfen begann. Um mich etwas zu beruhigen begann ich leise mit ihr zu sprechen. "Komm schon Mädchen ich weiß das du es schaffst. Du bist doch mein Baby." Der Zug setzte sich langsam in Bewegung und ich konnte spüren wie es langsam in die richtige Richtung ging. Im langsamen Tempo fuhr ich mit dem gesamten Zug wieder auf die Straße. Auch das hatten wir geschafft. Glücklich stieg ich aus und grinste Mike an. "So ich würd sagen, Operation geglückt Patient lebt." Lachend schüttelte er den Kopf und umarmte mich. "Dankeschön Kleine. Ohne dich hätte ich nicht gewusst was ich machen sollte. Bist immer noch die Beste." Er schaute mir tief in die Augen und in mir kam das selbe Kribbeln wieder im Bauch hervor wie damals.


Seine Lippen suchten meine und wir begannen uns zu küssen, in mitten des Schneesturms. Ich löste mich langsam von ihm und meinte mit leicht erstickter Stimme. "Mike, ich muss weiter. Ich habe noch einen Auftrag." Ohne seine Antwort abzuwarten ging ich zum Zug und koppelte seinen Anhänger ab. Danach stieg ich in meinen Bock, um meinen Anhänger wieder an mich zu binden. Als ich an seinem vorbeifuhr streiften unsere Blicke sich noch einmal und ich schenkte ihm noch ein letztes Lächeln bevor ich mich wieder um meinen Anhänger kümmerte. Ich brauchte extra lange, sodass ich sicher sein konnte das er schneller fertig war und weiterfuhr als ich. Bei der letzten Kontrolle, ob alles wirklich fest war, fuhr er langsam an mir vorbei. Mein Blick wanderte automatisch zu seinem Zug und ich schaute ihm kurz hinterher, bevor ich in mein Führerhaus einstieg. Langsam setzten meine Old Lady und ich sich wieder in Bewegung nach Skane. In Gedanken schaute ich auf die Straße, in der Dunkelheit vor mir hatte ich aber immer wieder sein Gesicht und seine Augen vor mir.


Nach über einer Woche kam ich endlich wieder in meinen Heimathafen und ging erschöpft in das Büro. Die Tour hatte mich doch etwas ausgepowert. Als mich Samanta sah kam sie sofort aus ihrem Zimmer gestürmt und begrüßte mich hektisch. "Mira, Mira da war ein Mann hier. Der hat immer nach dir gefragt. Und und Geschenke hatte er auch immer dabei. Er hat mir gesagt ich soll dir ausrichten, dass du dich bei ihm melden sollst." nickend hörte ich ihr zu und ging dennoch weiter in mein Zimmer. Denn ich hatte noch einigen Papierkram zu erledigen. Ich öffnete meine Tür und ich sah ein Meer aus Blumensträußen. Alle hatten ein kleines Kärtchen angesteckt und sie sahen überwältigend aus. "Sam wer hat die ganzen Blumen denn gebracht?" wollte ich wissen. Eine mir vertraute Stimme ertönte und entgegnete mir: "Ich." Ich drehte mich um und sah ihn, Mike. "Was machst du denn hier?" Sofort lief ich in seine Arme und küsste ihn leicht auf seinen Mund. Die Sehnsucht die unseres Wiedersehen ausgelöst hatte war bis zu diesem Moment nicht weniger geworden.


Einige Monate später hatte Mike zu meiner Firma gewechselt und wir konnten endlich eine Beziehung führen, auch wenn es manchmal wenn wir auf Tour waren nicht einfach war. Doch die Liebe hatte am Ende gesiegt.

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