Ich stand langsam auf mit dem Ring noch in meiner Hand und schritt langsam zum Zaun. Der Wolf setzte sich an den Zaun. Er legte einen Brief hin und stand auf. Meine Blicke waren an ihn geheftet und er verschwand langsam in Richtung des Standrandes. Als ich mir sicher war, dass er weg war, angelte ich mir den Brief und ging mit ihm und meinem Kistchen ins Haus. Unbewusst hatte ich mir den Ring an meinen linken Ringfinger gesteckt, als ich den Brief von der Straße angelte. Der Wolf kam mir sehr vertraut vor und ich hatte gespürt, als ich zum Zaun ging, dass von ihm keine Gefahr ausging. Im Haus ging ich ohne ein Wort an Ellen zu richten nach oben in mein Zimmer. Ich legte den Brief auf mein Bett und verstaute die Kiste darunter. Danach setzte ich mich auf mein Bett und nahm den Brief in die Hand. Durch meine Fingerspitzen floss eine Energie, die ich nur einmal so vernommen hatte. Mir wurde schlagartig klar, dass das nur die Energie von der Mondmutter war. Doch was hatte sie mir mitzuteilen, fragte ich mich.
Bevor ich den Brief öffnete fuhr ich mit meinen Fingerspitzen noch einmal über meinen Namen, der schwungvoll auf den Umschlag geschrieben wurde. Wieder spürte ich ihre einzigartige Energie in meinen Körper dringen. Langsam öffnete ich den Briefumschlag und zog den Brief heraus. Meine Augen flogen über die schwungvoll geschriebenen Zeilen und über meinen toten Körper breitete sich eine Gänsehaut aus.
„Meine geliebte Maeve,
ich habe dein Schicksal so viele Jahre gesehen, wie du die Jahrtausende meisterst. Auch wenn du jetzt ein Kind der Nacht bist, hast du mir immer die Treue erwiesen. Ich weiß, dass schwere Zeiten auf dich und deine Freunde zukommen werden und du viele Prüfungen noch bestehen musst. Doch geliebtes Kind, verliere nie den Glauben an dich und deine Freunde. Da ich nicht aktiv in das Geschehen eingreifen kann, so habe ich dir einen meiner Gefährten und einen für dich lang totgeglaubten Freund zu dir gesandt, der dich unterstützen soll. Doch bevor ihr euren Weg gemeinsam gehen könnt, müsst ihr beide eine schwere Prüfung bestehen. Doch euer Schicksal steht unter einen guten Stern. So vertraue auf dein Gefühl mein liebes Kind.
Die Mondmutter“
Wenn die Mondmutter persönlich einen Brief schrieb und mir zukommen ließ, wusste ich, dass es ihr sehr wichtig war. Ich hatte sie sonst nur immer in meinen Träumen und Visionen gesehen und mit ihr sprechen können. Mir war klar, dass sie nur durch ein anderes Organ diesen Brief verfassen konnte, doch war es mir eine sehr große Ehre ihn nun in meinen Händen zu halten. Immer wieder las ich ihn, um noch mehrere Informationen heraus zu filtern. Doch je mehr ich mich anstrengte umso weniger Erfolg ließ sich einstellen. Zu sehr waren meine Gedanken noch an Erasmus geheftet, als dass ich mir wirklich darauf konzentrieren hätte können, wen die Mondmutter damit meinte.
Zwei Stunden bevor die Sonne aufging ging ich zu Ellen hinunter um ihr Bescheid zu geben, dass ich mich nun schlafen legte und bat sie, dass sie das Schutzritual für den Tag durchführen sollte. Ellen spürte, dass ich sehr in meinen Gedanken war, doch sie war klug genug um nicht aufdringlich zu sein und mich auszufragen. Still zog ich mich wieder nach oben und ging zu Bett. Mein Kopf tat von den ganzen Gedanken die darin herumschwirrten weh und die Mütze Schlaf würde mir und meinem Kopf sicher gut tun. Ich schlief nach kurzer Zeit ein und bekam nicht mehr mit das kurz vor Sonnenaufgang erst Tyran wieder nach Hause kam. Er legte sich sofort schlafen. Am frühen Nachmittag verließ auch Ellen das Haus. Sie hatte den Mittag genutzt, um ein paar kleine Hinweise heraus zu finden. Ellen hinterließ bevor sie ging noch einen kleinen Notizzettel an dem Kühlschrank. Auf diesem Stand, dass sie noch einmal in die Bibliothek gehen wollte um einem Hinweis nach zugehen. Bevor ich aufstand war Tyran auch schon wieder außer Haus gegangen.
Ich stand auf und ging nach unten. Ich roch frisches Blut, also musste er noch gefrühstückt haben, bevor er gegangen war. Es war sehr still in meinem Haus, selbst Luna war auf ihren nächtlichen Streifzug. Ich hätte nie glauben können, dass man sich so schnell an die Anwesenheit von anderen Person gewöhnen konnte. Mein erster Weg ging in die Küche, wo ich mir mein Frühstück vorbereiten wollte. An der Kühlschranktür war Ellens Zettel mit einem dieser komischen Manga Magnete, dieser war ein Frosch, festgemacht. Lächelnd nahm ich ihren Zettel und las mir die Notiz durch. Ich legte ihn danach bei Seite und holte mir ein frisches Glas aus dem Schrank. Heute hatte ich Appetit auf Pfannkuchen mit Ahornsirup. Meine Hand umschloss die Flasche mit dem entsprechenden Etikett und ich holte sie aus dem Kühlschrank. Sorgfältig füllte ich mein Glas bevor ich die Flasche wieder zurück auf ihren Platz stellte. Ich nahm das Glas in eine Hand und lehnte mich gegen die Küchenzeile. Heute nahm ich mein Frühstück mal wieder nach einiger Zeit allein ein. Es war ein komisches Gefühl, in diesem Haus allein zu sein.
Als ich das Glas an meine Lippen führen wollte durchfuhr mich ein Gefühl was ich in meinem Leben nur einmal hatte. Das war bei dem Verschwinden von Genefe. Ich wusste sofort, dass etwas mit Ellen passiert sein musste. Mein Glas rutschte mir in diesem Moment aus der Hand und zerschlug auf den Fließen Boden meiner Küche. Geschockt sah ich auf den Boden und zog aus Gewohnheit tief die Luft in meine Lungen. Langsam atmete ich aus, um mich selbst zu beruhigen und die Fassung wieder zu erlangen. Denn ich wollte nicht noch eine Schülerin verlieren. Doch allein würde ich sie nicht retten können, das war mir klar. Während ich die Schweinerei in der Küche beseitigte flehte ich das Tyran schnell zurückkommen würde, damit wir uns auf die Suche nach Ellen begeben konnten. Unruhig und in Sorge ging ich in meinem Haus auf und ab. Immer wieder murmelte ich vor mir hin: „Tyran, wo steckst du nur? Wenn man dich einmal brauch bist du nicht da. Verdammt komm endlich nach Hause!“ Den Zettel den er im Wohnzimmer hinterlassen hatte, hatte ich noch nicht bemerkt. Denn auch er würde die ganze Nacht unterwegs sein. Die Stunden vergingen und kurz vor Sonnenaufgang kam er endlich zur Tür herein gestolpert. Ich schaute ihn wutentbrannt an.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen