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Das Erbe der bernsteinfarbenen Augen

1545 ging ich mal wieder durch den Wald auf der Suche nach etwas zu Essen. Ich musste immer tiefer in den Wald um etwas zu finden. Man hatte mich schon mehrmals gewarnt, dass es in den Wälder nicht sicher war und es Geschöpfe gab, die einen zerfleischten und in Stücke reißen würden. Doch auch das hielt mich nicht auf. Auf meinen Bogen konnte ich mich stets verlassen und auch die kleine handliche Axt hatte ich immer auf meiner Jagd dabei. Ich hatte ein Hirsch gesehen und legte mich auf die Lauer. Langsam und leise pirschte ich mich Zentimeter für Zentimeter heran. Dann zog ich einen Pfeil und spannte den Bogen. Um mich herum war es still und ich konzentrierte mich ganz auf mein Ziel. Das Fleisch des Hirsches würde mich sicher einige Tage über Wasser halten und das Fell konnte ich auch gewinnbringend verkaufen. Ich atmete tief ein und wollte gerade meinen Pfeil abschießen, als ein dunkles Geschöpf aus dem Busch vor dem Hirsch heraus sprang und es mit seinen großen Krallen zerriss. Das Knurren klang nach einem Wolf, doch was es viel zu groß dafür. Das würde mir sicherlich keiner glauben, wenn ich das in meinem Dorf erzählen würde.

Vor schreck über diesen gewaltigen Angriff schoss ich meinen Pfeil ab, der prompt im Baum neben dem Wesen einschlug. Das Wesen drehte sich zu mir um und kam blitzschnell auf mich zu gerannt. Ich beschloss die Flucht zu ergreifen, auch wenn ich wusste, dass es mein Ende bedeuten würde. Meine Beine trugen mich über Stock und Stein, immer wieder zwischen den engsten zusammenstehenden Bäumen hindurch. Die Orientierung hatte ich schon längst verloren. Doch mein Leben war mir zu kostbar, als das ich es einfach einem willkürlichen Wesen in den Wäldern opfern würde. Ich erreichte den Fluss und lief in ihm weiter, Da es es seid einigen Wochen nicht mehr geregnet hatte, konnte ich spielend darin rennen, ohne von der Strömung erfasst zu werden. Nach einer Weile schaute ich hinter mir. Mich verfolgte das Wesen nicht mehr, doch um weiter in Sicherheit zu bleiben, ging ich den Fluss weiter entlang. Meine Blicke schweiften umher und suchten nach dem Wesen und gleichzeitig nach einem Anhaltspunkt, um den Weg nach Hause anzutreten.


Die Schuhe die ich trug hatten sich schon mit Wasser voll gezogen und wurden mit jedem Schritt immer schwerer. Aus der Ferne hörte ich einen tiefes Heulen, dass musste wohl von dem Wesen sein. So groß wie es war, brauchte man sicher 20 Männer, um dieses zu erlegen. Mein Magen begann sich auch langsam zu melden. Dieser Tag war nicht von Erfolg gekrönt. Die Nacht hatte schon Einzug gehalten und ich war froh darüber, dass der Vollmond mir ein wenig Licht schenkte. Ich wusste das ich mein Dorf diese Nacht nicht erreichen würde, so blieb mir nichts anderes übrig, als mich nach einem Quartier für die Nacht Ausschau zu halten. Nach einiger Zeit Stille und Ruhe wagte ich mich aus dem Flussbett hinaus und lief ziellos im Wald umher, auf der Suche nach einem Weg, einer Lichtung oder irgendetwas was mir vertraut war. Mir kam es so vor als irrte ich im Kreis umher. Ein leises Knurren verfolgte mich stetig, ich glaubte mein Verstand würde mir einen streich spielen. Doch dem war nicht so. Mich verfolgten bernsteinfarbene Augen genausten. Sie warteten auf eine günstige Gelegenheit, mir den Kopf abzureißen und mir mein Leben auszuhauchen.


Aus der Ferne sah ich ein Licht brennen, was wie der Schein eines lodernden Feuers aussah und ich begann in diese Richtung zu laufen. Das war meine Rettung, wenn ein Feuer da war dann waren da sicherlich auch Menschen und vielleicht auch etwas zu essen. Meine schweren Schritte wurden immer schneller, sah der Weg doch erst nicht so weit aus, als er sich jetzt zog. Vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil meine Kraft sich doch dem Ende neigte. Langsam baute sich ein kleines Häuschen auf, was von dem Mondschein schwach beleuchtet wurde. Es musste bewohnt sein, denn es brannte Licht darin. Inständig hoffte ich das ich endlich ein Unterschlupf und vielleicht eine warme Mahlzeit gefunden hätte. Mir kam nicht in den Sinn wieso jemand hier allein in dem Schutz des Tiefen Waldes wohnte. In diesem Augenblick war ich nur darüber sehr froh, dass hier überhaupt jemand lebte.  Immer wieder suchte ich etwas halt an einen der Bäume und strauchelte mich nun so immer näher. Ein paar Meter vor meinem nächtlichen Ziel heulte es hinter mir auf. Ich drehte mich um und sah in zwei faszinierenden und zu gleich bedrohlichen bernsteinfarbenen Augen.


Mir verschlug es den Atem bei dem Anblick. Das Wesen war über mich gebeugt und stieß mir seinen feuchten nach Tod riechenden Atem entgegen. Wir verharrten für einen Moment in dieser Position. Mein Herz schlug in meiner Brust wie wild und mein Körper durchströmte Adrenalin. Es pumpte mich auf und im nächsten Moment ergriff ich wieder die Flucht. Ich steuerte die kleine Hütte an und flehte das jemand mir helfen würde. Die Tür aufmachen würde, wenn ich an ihr klopfte. Die Pranken des Wesens schlug immer knapp hinter mir in den Boden. Es rannte hinter mir her. Für das war ich nur eine kleine Zwischenmahlzeit, ein kleines Spielzeug. Bei meiner Flucht übersah ich eine Wurzel und kam ins wanken. Ich konnte mich gerade noch so vor einem Fall bewahren, doch das Monster schlug in diesem Moment seine Krallen in mein Fleisch. Mit letzter Kraft begann ich in Richtung der Hütte zu schreien. Immer noch verfolgte es mich. Doch kurz bevor ich die Hütte erreichte, stoppte es und drehte um. Ich wusste nicht wieso, aber ich dankte Gott dafür. Wenn ich da schon gewusst hätte, was dieses Monster aus mir gemacht hat, dann wäre ich sicherlich nicht so dankbar gewesen.


Eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren kam aus dem Haus gelaufen. Ich brach vor ihren Füßen zusammen und hauchte ihr nur ein erschöpftes "Hilf mir." entgegen, bevor ich das Bewusstsein verlor. Das Wesen hatte mich am Rücken erwischt und durch die Flucht und die Verletzung war ich einige Tage nicht bei mir. Ich redete im Fieberwahn. Als ich wieder zu mir kam schaute ich in die schönsten Augen, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Sofort war es um mich geschehen. Die Frau zog mich magisch in den Bann. So verbrachte ich die Wochen bei ihr und wir begannen uns immer näher zu kommen. Ich weiß nicht was es war an ihr, aber sie war diejenige, mit der ich mein restliches Leben verbringen wollte. An dem Abend meines ersten Vollmondes nach dem Angriff fühlte ich mich etwas komisch und ich ging etwas im Wald spazieren. Als der Mond aufging zerriss es mich förmlich. Mein Körper begann sich immer wieder zu krümmen vor Schmerz und ich wandelte mich in ein Werwolf. An diese Nacht konnte ich mich nicht mehr erinnern, nach dem ich im Morgengrauen auf einer Lichtung aufwachte.


Mein Körper war übersät von Schmutz und Blut. Ich ging wieder zu der Hütte meiner Liebsten die sich sicherlich schon Sorgen machte. Jedoch erzählte ich ihr nichts von der Wandlung. Ich hielt es für schlauer ihr nichts davon zu sagen. So vergingen die Jahre mit ihr an meiner Seite und dem zweiten Ich in mir, ohne das sie es mitbekam.

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