Direkt zum Hauptbereich

Nullam felis tenebrarum (Teil 26)

Erschöpft und angeschlagen gingen wir zu unseren Fahrzeugen zurück. Mit einer spürbaren Leichtigkeit im Herzen, dass alle, bis auf einigen kleinen Verletzungen, es doch alle überlebt hatten, liefen wir nun auf dem Hauptweg. Im Schatten des Waldes, hatten aufmerksame Augen den Kampf über beobachtet und ließen uns auch jetzt nicht einen Augenblick außer acht. Keiner von uns bemerkte diese gierigen und forschenden Blicke. Auch mein siebenter Sinn, der mich in so manchen Situationen gerettet hatte, schlug nicht Alarm. Es waren nur noch wenige Meter bis zum Waldesrand, wo unsere Autos standen, machte sich das Geschöpf, was uns die ganze Zeit beobachtet hatte, bemerkbar. Unsere Körper spannten sich merklich an und wir waren durch den Adrenalinstoß vom vorangegangenen Kampf zwar angeschlagen aber dennoch wachsam. Ich nahm meinen Bogen von der Schulter und hielt ihn bereit. Ein kleines zartes Geschöpf kam aus einem der Büsche am Wegesrand und hob die Arme. Ihre zierliche Stimme brach die Stille: "Entschuldigt bitte, ich möchte keinen Ärger machen oder euch angreifen. Ich bin nur hier um euch zu sagen, dass ihr die erste Schlacht für euch zwar gewonnen habt. Doch ein noch größerer und viel schwieriger Kampf steht euch bevor. So solltet ihr auch genau wissen mit wem ihr euch umgebt, denn nicht jeder ist euch wohl gesonnen."

Fragend schauten wir uns an. Meine Blicke waren auf dieses kleine zarte Geschöpf, dass in der Gestalt von einem kleinen asiatischen Mädchen vor uns stand, geheftet. Mir fiel unweigerlich auf, dass etwas an ihrem Schatten nicht stimmte. Tyran schaute mich kurz an und ergriff dann das Wort: "Wer hat dich geschickt? Und wen meinst du? Wen können wir nicht trauen?" Cecilia wurde schlecht, denn sie wusste, dass wenn das Mädchen nun ihren Namen nennen würde, würde sie sterben. Das Mädchen antwortete ihm: "Meine weise Meisterin hat mich geschickt. Ich kann euch nur sagen, dass es jemand ist aus euren Reihen, doch dürft ihr nie vergessen, dass auch aus Feinden Freunde und Verbündete werden können. Jedoch kann ich euch nicht mehr dazu sagen." Meine Augen zogen sich zu keinen Schlitzen zusammen, denn wieso sollten wir ihr trauen. In diesem Moment erkannte ich in ihrem Schatten, der mir merkwürdig vorkam, dass was mich störte. Es waren Marionettenfäden, die sie steuerten.


Ich hatte in der Vergangenheit schon einiges über solche Geschöpfe gehört und wusste, dass sie nur zur Übermittelung von Nachrichten eingesetzt wurden und selbst keine Gefahr da stellten. Unauffällig tippte ich Eras auf die Schulter und deutete mit meinem Blick auf den Schatten. Er nickte leicht, als er es sah und steckte wie ich die Waffen wieder weg. "Ich danke dir, dass du uns gewarnt hast, Mädchen. Sag deiner Meisterin, dass wir genau hinschauen werden, was um uns herum passiert." Meine Stimme klang sanft und natürlich wurde ich schief und überrascht, über meine Sanftheit, von den Anderen angeschaut. "Sag mal, hat Maeve irgendwas vor, oder wieso ist sie so überaus nett zu dem Gör?" fragte Tyran im Flüsterton Eras. Mit einem schiefen Lächeln schüttelte Erasmus nur den Kopf und meinte gelassen. "Das erklärt sie dann, wenn wir zu hause sind." Mit einem Nicken schaute das Mädchen uns an und verschwand wieder in die Nacht. Wir zogen uns zurück und fuhren nach Hause.


Die Nacht war schon fast vorbei, als wir ankamen. Ich ließ Ellen sich mit den Anderen sich ausruhen, während ich in unserem Garten, das Ritual vollzog, das Ty und mich über den Tag schützen sollte. Dabei gingen mir die Wörter der Kleinen nicht aus dem Kopf. Eras versammelte alle an den Esstisch, auch Luke war geblieben. Nachdem das Ritual erneuert wurde kam ich ins Haus und setzte mich zu den Anderen. "Ihr fragt euch sicherlich wieso ich so ruhig geblieben bin. Aber das hatte ein ganz simplen Grund. In meiner Vergangenheit habe ich schon mehrfach von diesen Übermittlungen von Nachrichten gehört. Da steckt immer ein Orakel dahinter. Sie können bestimmte Dinge sehen, aber sie mischen sich nie aktiv in die Geschehnisse ein und versuchen die Zukunft zu verändern. Das obliegt immer einem selbst. Sie sehen auch nur etwas unausweichliches oder etwas was für Entscheidungen wichtig ist. So glaube ich auch, dass dieser größerer Kampf etwas unausweichliches ist, egal wie wir uns in der Zukunft entscheiden. Doch sollten wir vorsichtig sein, gegenüber denen die sich bei uns einschleichen wollen." erklärte ich den Anderen.


"Ja schon, aber wie wollen wir uns sicher sein, dass derjenige uns nicht verrät?" fragte Tyran. Ich überlegte kurz, denn darauf hatte ich auch noch keine Antwort, aber ich dachte, wenn ich das hier jetzt sagen würde, dann würde sich die Person in Sicherheit fühlen. Das wollte ich auf keinen Fall. So bluffte ich. "Ganz einfach, es gibt ein Zauber, den ich anwenden kann. Dieser ist erkennbar, oder zurück zu verfolgen, doch derjenige, der uns schaden will, wird sich zu erkennen geben. Denn dieser wird von inneren Stimmen gequält bis er zusammenbricht. Da ist es auch egal, ob die Person bei uns integriert ist oder nicht. Dieser Zauber sucht sich die Person gezielt aus und sorgt dann dafür, dass sie sich zu erkennen gibt." Meine Blicke gingen die Reihe umher und ich wünschte mir einmal mehr, Gedanken lesen zu können. Ty ballte die Faust und schlug auf den Tisch. Man konnte spüren, dass er sehr aufgebracht ist. "Sollte sich jetzt schon eine Ratte eingeschleust haben, bringe ich ihn höchstpersönlich um. Denn ich finde nichts erbärmlicher als zu lügen." Der Druck schien sehr hoch zu sein und man konnte es spüren, das hier der Verrat an uns sehr hart bestraft wurde. Cecilia wurde immer kleiner und versank fast auf ihren Stuhl. Sie brach in Tränen aus und alle Blicke richteten sich auf sie.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die goldene Maske (Teil 4)

Diese wurden dann von zwei Männern in das Zimmer geleitet und Aiden kam in den Ballsaal wieder. Er nickte einen der anderen Männern zu und nahm Zina zu sich, da er das Hotel mit ihr verlassen wollte. "Komm ich denke es wird Zeit, dass wir gehen." lächelte er sie unter seiner Maske an. Wieder nickte sie nur stumm und stand auf. Fühlte sie sich doch die ganze Zeit über fehl am Platz, bei diesem Ball. Er fuhr mit ihr zu seinem Loft und bot ihr eins seiner Gästezimmer an. Dabei war es ein Zimmer, welches mit Glassteinen abgetrennt wurde. Sie nahm es dankend an, auch wenn sie wusste das sie wie auf dem Präsentierteller saß. Erzog sich zurück, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie allein war, zog sie das Kleid aus und ging nackt in das große Boxspringbett. Zina zog sich die Decke bis zu den Schultern hoch und versuchte sich zu entspannen. 

Galatea (die Bücherapp)

 Hallo ihr Lieben, heute möchte ich euch nach langem mal wieder etwas vorstellen, was mich total begeistert hat. Ich lese sehr viel auch in meiner Freizeit und auf Reisen. Um da nicht immer die großen, dicken Wälzer mitzunehmen und dennoch den Genuss vom Abtauchen in eine andere Welt zu genießen habe ich für mein Handy eine App gefunden. Galatea von der Firma Inkitt GmbH bietet viele Bücher in den Genre Romantik, Erotik, Fantasy. Einige der Bücher kann man nicht nur lesen, sondern sich auch als Hörbuch anhören. Dabei ist die Auswahl sehr hoch und es ist nicht nur die deutsche Sprache vertreten. Als Liebhaber von Büchern in Papierform bin ich von dieser App dennoch überzeugt und kann sie weiterempfehlen. Sie ist kostenlos erhältlich und man muss nicht zwingend Geld ausgeben, wenn einen die Wartezeiten zwischen den Kapiteln nicht stört. Schließlich sollte man nicht permanent am Smartphone kleben. Die App findet man im Google Play Store. Wer Interesse hat, schaut sie sich einfach mal ...

Nullam felis tenebrarum (Teil 23)

Die zwei Wochen verflogen wie im Flug und wir versuchten so viel wie möglich vorzubereiten. Ellen und Cecilia wurden auf einen Kampf vorbereitet. Ich brachte Ellen, die wirklich sehr schnell lernte, einige Zauber bei, die sie zur Verteidigung einsetzen konnte. Cecilia wurde von Tyran mit zwei Dolchen vertraut gemacht. Sie lernte schnell die Kampfkunst. Sie verbrachten viel Zeit damit und Ty war Ende der zweiten Woche sehr stolz auf sie. Auch ich war nicht untätig, während Ellen ihre Zauber mit Eras schulte mischte ich einige Zaubertränke zusammen, die einige der Werwölfe für kurze Zeit irritieren und außer Gefecht setzen sollten. Ich mischte alle etwas stärker, jedoch war die Dosierung nicht lebensbedrohlich. An den Abend vor dem Vollmond gingen wir noch einmal alle Einzelheiten durch. "Wir bleiben immer zusammen und Ellen wird mit mir einen magischen Schutzkreis ziehen. Also sollte keiner von uns aus ihn heraustreten." meinte ich. Ich schaute zu meinem Liebsten und überlegte...