Im Jahre 1545, an einem kalten Februar Tag, erschien ein stattlicher Mann im Dorf. Er wurde vom Klerus des kleinen Dorfes beauftragt nach dem Rechten zu schauen, da es Gerüchte gab, dass der Teufel Einzug gehalten habe und die Gemeinschaft vergifte. War dieser doch in den Reihen der Klerus bekannt dafür, denn Teufel zu erkennen. Das Dorf lag in den Highlands, umringt von einer übbigen Flora und Fauna. Die Felder erstreckten sich über die Wiesen von Glen Trool, dem einst schönsten Tal der Highlands. Die Bauern trieben ihr Vieh an den warmen Sommertagen dem Fluss entlang. Ein kleiner Weg führte vom Tal in das Dorf und in die Highlands wieder hinaus. Viel gab es hier nicht, war es doch eines der ärmlichen Dörfer der Gegend.
Der Teufelsspäher, wie er unter den Klerus genannt wurde, ging nach seiner Ankunft zum Klerus Magnus. Der Klerus erläuterte seine Bedenken über das Weib was abseits des Dorfes, am Waldesrand in einer kleinen heruntergekommenen, alten Holzhütte hauste. Sie hatte weder Mann noch Balg, lebte allein und ihr wurde nachgesagt die Braut des Teufels zu sein. Schließlich wurden Männer krank, Frauen waren wie Wunderhand nach der Empfängnis nicht schwanger und gebaren keine Kinder. Magnus befürchtete, dass wenn sie mit dem Teufel im Bunde sei, die Ernte schlecht und großes Unheil über seine Herde kommen würde. Dieses müsste um jeden Preis verhindert werden. Nach einigen Einholungen von Informationen im Dorf näherte sich der Teufelsspäher der kleinen Hütte. Er hatte sich einen Plan zurecht gelegt. Vor einigen Stunden nahm er bewusst ein vergiftetes Mahl zu sich. Mischte er sich unter seine Suppe ein kleinen Teil eines jungen Fliegenpilzes unter.
Er wusste, dass er fürchterliche Schmerzen und sehr kränklich werden und dem Fährmann sehr nahe sein würde. Doch übermannte ihn die Heftigkeit der Schmerz und der Krämpfe sehr. Das Fieber stieg rasant an und seine Lungen brannten, die Gedärme fühlten sich an, als würde der Teufel persönlich in ihnen wohnen. So schleppte er sich an das Haus der vermeidlichen Hexen. Ein Schimmer eines kleinen Feuers flackerte leise am Fenster, sie musste wohl im Haus sein. Kaum noch bei Kräften kam er an und hämmerte er gegen die morsche Tür und flehte mit erstickter und heißerer Stimme: „Lasst mich ein, bitte. Ich brauche eure Hilfe.“ Im Haus schürte sie das Feuer, um bei den eisigen Temperaturen nicht zu frieren. Sie legte gerade ein paar Scheitel nach und drehte sich um, als sie das Klopfen und Flehen vernahm. Ihre Hände strich sie an einem Tuch ab und ging fragend, wer zu dieser späten Stunde noch etwas von ihr wollte, an die Tür.
Nur sehr zögerlich öffnete sie diese und spähte hinaus. Vor ihr stand ein Mann, den sie noch nie im Dorf gesehen hatte. Die Schweißperlen und das bleiche, schmerzverzerrte Gesicht ließen ihre Zweifel nach hinten stellen. Sie stütze ihn und fragte ihn, als ihre Lippen an seinem Ohr waren: „Wer schickt euch?“ Doch mehr als nur ein stöhnen erhielt sie nicht von ihm als Antwort. Stützend ging sie mit ihm zu ihren kleinen Strohbett, auf dem ein Schaffell zum Verweilen einlud. Sie lud ihn ab und fragte erneut den Fremden in ihrem Haus. „Wieso seid ihr hier und was erhofft ihr von mir zu erhalten?“ Schwerfällig kam der Teufelsspäher auf dem Bett zur Ruh. Schmerzverzerrten Blickes, hustend und ferner dem starken Mann, der er noch vor Stunden war, röchelte er: „Ist das nicht ersichtlich, Weib? Ich fühle mich als würde ich sterben. Heilt mich, dafür seid ihr doch bekannt.“ Mit diesen Worten fiel er seitlich auf das Bett und rollte sich ein. Ein fieses Krampfen in seinen Gedärmen machte es für ihn gerade unmöglich sich der Länge hinzulegen.
Skeptisch und doch zugleich warmherzig schauten ihn die leuchtend grünen Augen des Weibs an. „Ich werde mein Bestes tun und nur die Götter werden wissen, ob dieses reicht.“ Antwortete sie ihm knapp bevor sie zu der Feuerstelle ging und mit den Finger über das Regal mit kleinen Tongefäßen strich. Sie nahm ein paar der Gefäße herunter und stellte diese auf den Tisch. „Wenn euch nicht der Fährmann mit dem Kuss des Todes holen soll, dann bleibt wach. Habt ihr verstanden?“ Sprach sie ihm ernst zu, ohne nur einen kurzen Blick auf ihn zu werfen. Das Stöhnen und keuchen von ihm trieben sie noch etwas mehr an. Sie wusste, dass sie als erstes das Fieber senken musste, damit er eine Chance hatte, die Nacht bei den Lebenden zu bleiben. Zu den kleinen Tongefäßen gesellte sich ein Mörser und eine kleine hölzerne Schale. Nur für einen kurzen Moment verließ sie das Haus, um frisches kaltes Wasser in einem Eimer ins Haus zu holen.
Diesen stellte sie neben das Bett vorsichtig ab, um keinen Tropfen zu vergießen. Ihre Blicke schweiften dabei prüfend über ihn. Er war noch immer vom Schmerz wie betäubt und sein Körper kämpfte gegen die Vergiftung an. Mit einem Leinenstoff kniete sie sich neben das Bett und dem Eimer. In ihren Händen ließ den Stoff sich mit dem kühlen Wasser benässen, bevor sie ihn vorsichtig auf die Stirn des Mannes legte. Er nahm die Hilfe dankend an und kam nicht ohnehin ein Stöhnen des Wohltuns leise aufzustoßen. So ließ sie ihn liegen und machte sich am Tisch daran eine kleine Kräutermischung zur Linderung des Fiebers an zu mischen. Wusste sie, dass sie sich beeilen musste, da sein Zustand kritisch war. Das Weib nahm die Schale mit den Kräutern und weitere Leinenstoffe zu dem Eimer. Hatte sie vor das Fieber mit Wadenwickel zu bekämpfen, dabei sollte der Sud aus verschiedenen fiebersenkenden Kräuter dabei helfen.
Sie zog ihm die Stiefel aus und krämpelte die Hosenbeine hoch. Ein paar Kellen Wasser schöpfte sie in die Kräuter und rührte sie noch einmal um bevor sie die Wickel mit der Tinktur um seine Beine legte. Kaum das sie fertig war, krampfte er erneut und zog die Beine an sich heran. Seufzend und sich fragend was er zu sich genommen hatte ging sie erneut zu der Feuerstelle. Als erstes setzte sie ein Kessel mit Wasser auf und suchte in ihren Gefäßen sowie den kleinen zusammengebundenen Sträußen nach Salbei, Melisse, Kamille und Anis. Mit wenigen Handgriffen bereitete die vermeidliche Hexe den schmerzlindernden Tee zu und ließ ihn für wenige Minuten in einem kleinen Becher ziehen. Im restlichen kochenden Wasser legte sie wenige Leinenstoffe ein, sollten diese zur Entkrampfung der Gedärme sein.
In den kurzen Momenten der Erholung der Schmerzen, beobachtete der Teufelsspäher das Weib genau. Doch konnte er nur feststellen, dass sie sich gut mit den Kräutern auskannte und ihr Handwerk der Heilung verstand. Vom Teufel selbst hatte er noch nichts gesehen. Jede ihrer Behandlung ließ er über sich ergehen und schritt nie ein, taten diese doch in diesem Moment gut. Seine Gedanken wurden mit dem langsamen senkenden des Fiebers klarer und er erkannte das es sich dabei um die besagte Hexerei handeln musste, wovor der Klerus sich fürchtet. War ihre Aussage doch sehr deutlich, dass sie nicht an den Herren der Kirche glaubte, sondern ihre eigenen Götter verehrte. In diesem Moment kam sie mit einem dicken, dampfenden Bündel Stoff auf ihn zu und legte diesen behutsam auf seinen Bauch. Sofort kroch die Wärme in seine Gedärme hinein und ließen die Knoten, die der Teufel gezurrt hatte sich entwirren.
Sanft hob sie seinen Kopf und reichte ihm einen Kräutertee. „Trinkt, es wird euch gut tun. Dann ruht euch aus und schlaft etwas. Betet zu eurem Gott, dass er über euch wacht, wenn ihr Leben wollt.“ Flüsterte sie ihm mit lieblicher und doch bestimmter Stimme zu. Der Tee wärmte ihn auch von innen und nahm ihn den Schmerz. Erschöpft durch die Krämpfe und dem Schmerz schloss er die Augen um sich nur kurz der wohltunden Rast hinzugeben. Während er sich der Ruh hingab ging das Weib zu einer schweren Truhe um eine Decke und ein weiteres Fell zu holen. Sie breitete beides über ihn aus und räumte so leise es ging, alle Sachen wieder an seinen Platz, bevor sie sich selbst ein wenig Ruh auf dem Stuhl gönnte. Bevor sie selbst die Augen schloss hatte sie noch einmal ein Scheitel nachgelegt und sich ihr Fell, welches sie sich umlegte, wenn sie das Haus verließ, auf den Schoss gelegt.
Doch blieb sie die gesamte Nacht wachsam und wechselte immer wieder den Stoff auf seiner Stirn, bis das Fieber fast gänzlich verschwunden ist. Er selbst hatte anfänglich noch eine sehr unruhige Ruhe, geplagt von wilden Träumen. Aus der Ferne konnte er jedoch immer wieder eine leise Stimme hören, von der er überzeugt war, dass sie einem Engel gehörte. Kurz vor dem Morgengrauen war er vollkommen zur Ruh gekommen, sodass auch die Hexe nun ihren Körper mehr Ruhe gönnen konnte. Sie dankte den Göttern für ihren Beistand und glitt in den erholsamen Schlaf hinab. Mit den ersten Grähen des Hahns erwachte der Teufelsspäher aus der Ruh und fühlte sich erholt. Er schlug das Bett und Fell zur Seite und setzte sich auf. War es in der Hütte doch etwas kalt geworden, da das Feuer erloschen war. Die Stoffe nahm er sich selbst ab, als er seinen Blick prüfend in der Hütte schweifen ließ.
Besonderes Augenmerk legte er auf die Sträuße, welche in der ganzen Hütte verteilt hingen, sowie die unzähligen kleinen Töpfen auf den Regalen. Nachdem er sich von den letzten Stoff befreit hatte, stand er auf und ging zu einzelnen Regalen. Immer wieder zog er eines der Töpfchen hervor und öffnete und roch an ihm. Konnte er doch nur diverse Kräuter und getrockenete Blüten in den Gefäßen ausmachen. Viele nutzte man auch in der Küche zum kochen. Leise schritt er dann an die Hexe, welche noch immer im Stuhl schlief, heran und prüfte mit dem Auflegen der Hand ihre Wärme. Fühlte sie sich doch leicht ausgekühlt an, so nahm er die Decke und legte sie um sie herum. Er war sich noch nicht sicher, ob sie mit dem Teufel im Bunde stand oder nur ein Weib. Um sich selbst nicht noch den Tod zu holen beschloss er sich um das Feuer zu kümmern und dieses wieder erneut zu entzünden.
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