In der Dunkelheit huschte ein kleiner Rotfuchs durch das Dickicht auf dem Weg nach Hause. Dabei schaute es sich immer wieder um, als wäre das Tier auf der Flucht. Auf einer Lichtung blieb es stehen und atmete tief ein und aus. Sein Fell wandelte sich in schwarze Federn, das Schnäuzchen wurde zu einem Schnabel und nun stand ein kleiner Rabe da, wo noch vor einem Augenblick ein Fuchs stand. Er begab sich in die Lüfte und flog in die Richtung aus die das Füchschen gerade kam. Zurück zu dem Herrenhaus. Ciara hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie so feindselig zu ihm war und beschloss ihm wenigstens ihren Namen zu geben. So flog sie zurück und hüpfte in das offen stehende Fenster des Büros. Sie wandelte sich zu ihrer menschlichen Gestalt und schrieb ihm auf ein Notizzettel ihren Namen. Als sie schwere Schritte hörte, wandelte sie sich zu dem Raben und flog davon. In einem schmerzhaften Sprint flog sie in ihr Versteck im Wald.
Ciara
Ich war froh als ich wieder in meiner kleinen Hütte war. Dieser Tag war einfach nur grausam gewesen. Dabei war es noch nicht einmal das schlimmste für mich gewesen, in diese dreckige Zelle gesteckt zu werden. Vielmehr war es die Unterhaltung mit dem Alpha. Sein Duft umgab mich noch immer und ließ meinen Körper noch immer vor Erregung vibrieren. Wie konnte ich nur so eine Verbindung zu einem Wesen haben, was ich weder richtig kannte, noch zu mir passen würde. Das erste was ich wollte, war aus meiner Kleidung heraus und mich nur noch in meine Träume stürzen. Alles vergessen. Ihne vergessen. Seinen Geruch aus meinen Lungen spülen. Ich brauchte einen klaren Kopf, schließlich musste ich endlich den Sammler finden. Das Morden musste aufhören. Gedankenversunken setzte ich mich auf mein Bett. Im nächsten Moment war ich wieder im Herrenhaus. Im Büro des Alphas. Ich lag auf der schwarzen Ledercouch und hatte ein schwarzes Sacko um mich gelegt. Behutsam öffnete ich meine Augen und da stand er mit den Rücken zu mir. Er sprach schnell, aufgewühlt und doch dominant in sein Telefon. Auch wenn ich meine Ohren noch so sehr spitze, konnte ich nichts genaues vernehmen. Zusätzlich vernebelte sein Geruch mir die Sinne. Doch etwas war anders.
Sein Duft hatte sich leicht verändert. Zu dem Sandelholz war ein zarter Hauch Vanille gekommen. Es machte ihn nur noch verführerischer und eine Stimme tief in mir raunte voller Stolz "Unser." Ich verstand weder wo die innere Stimme herkam noch was das genau bedeutete. So plötzlich wie ich in dieser Szenerie gelandet war, wechselte sie wieder. Es schien tief in der Nacht zu sein, als sich eine dunkle Gestalt sich in den Gassen im dunkeln bewegte. Sie war auf der Jagd. In mir stieg die Angst empor. Verzweifelt hatte ich gegen den Impuls der Flucht angekämpft, jedoch verloren. Noch bevor es mir richtig bewusst wurde, legten sich scharfe Klauen um meinen Hals. "Wo ist es?" Fauchte eine tiefe Stimme. Ich verstand nicht und rang immer noch mit der Luft. Es blitzten mich eisblaue Augen scharf an und nun verstand ich was gerade passierte. Es war eine Vorhersehung. Ich erlebte die letzten Momente einer Person, die der Sammler umbrachte. Verzweifelt suchten meine Augen Anhaltspunkte zu finden, wo ich war und wann es geschah. Der Sammler tat es geschickt, denn ich konnte weder sein Gesicht noch seine Gestalt sehen. Aber eins wusste ich nun mit Sicherheit. Diese kalten eisblauen Augen würde ich nie mehr vergessen können.
Etwas begann in meinem Augenwinkel zu flattern und ich sah hinüber. Es war eine Zeitung mit dem gestrigen Datum. Also würde der Mord noch geschehen oder erst vor kurzem geschehen sein. Nun suchte ich nach mehr Hinweisen auf den Tatort. Dabei entdeckte ich kleine aber entscheidende Eckpunkte, die meine Suche mir erleichtern würden. Ich musste auf der Hut sein. Plötzlich wurde es dunkel. Die Dunkelheit verschluckte mich ganz. Neben mir tauchte eine junge, zierliche Frau auf. Sie hatte angst und war verunsichert wo sie war. Ohne ein Wort nahm ich ihre Hand. Sie fühlte sich kalt fast schon eisig an. Ich lächelte sie an und gab ihr etwas von meinem Halt und meiner Wärme. Auch wenn ich selbst nicht wusste wo wir gerade waren. Als vor uns ein glänzender, warmer Lichtstrahl auftauchte, aus dem eine wunderschöne, stolze und starke Frau empor stieg. Neben ihr gingen zwei der stattlichsten Wölfe, die ich je gesehen hatte. Sie streckte die Hand der Frau neben mir entgegen. Ich ließ ihre Hand los und nickte ihr bestärkend zu. Es fühlte sich richtig an. Das junge Ding wurde von ihr in den Lichtstrahl geführt, bevor sich die starke, wunderschöne Frau sich noch einmal umdrehte und sich nun auf mich zubewegte.
Ihr glänzendes Sein war so überwältigend, dass es mir schier den Atem raubte. Ich neigte meinen Kopf nach unten und verbeugte mich tief. Es fühlte sich richtig an, dies zu tun. Ein zarter Hauch streifte meine linke Schulter, als sich etwas samtiges auf ihr zu ruhen begann. Eine helle, warme Stimme drang in mich wie ein warmer Sommerregen ein. "Ich danke dir Tochter des Zirkels der Mondwächter, dass du eines meiner Kinder in ihrer schlimmsten Stunde bei gestanden hast. Folge deinem Weg weiter weise und du wirst das Geschenk erhalten, was du spürtest." mit den letzten Worten verschwand sie wieder und ich wachte in meinem Bett auf. Dieser Traum war so verwirrend und voller Gefühle und Fragen. Nur schwer kam ich auf die Beine, doch nach einem belebenden Bad fasste ich den Beschluss, diese Gasse heute zu finden. Vielleicht konnte ich ein paar Spuren finden, denn so wie es schien, würde ich zu spät kommen. Diese Erkenntnis brach mir das Herz. Wieder im Haus zog ich mir ein hohe, weite und gerade geschnittene, schwarze Stoffhose und eine weiße Bluse an. Über die Bluse legte ich noch eine figurbetonende Weste und nahm einen bodenlangen, schwarzen Offiziersmantel. Dazu kombinierte ich schlichte schwarze Stilettos.
Meine wilde Mähne band ich zu einem einfachen, hohen Dut. Ich atmete noch einmal tief durch bevor ich mich wieder in einen kleinen Raben wandelte. Schließlich würde ich so kaum auffallen und unbemerkt die Gassen von Arkwood durchstreifen können. Es dauerte nicht lang bis ich die Gasse gefunden hatte. Ich schaute mich um, um ganz sicher zu gehen, dass ich nicht verfolgt oder beobachtet wurde. Vorsichtigen Schrittes ging ich auf die Stelle zu, an der mir im Traum die Kehle zugedrückt wurde. Je näher ich kam um so beklemmender fühlte sich alles an. Ich konnte die Kraulen um meinen Hals wieder spüren, die Angst, die Verzweiflung, die Furcht war noch immer wie ein dicker Schleier in dieser Gasse, der alles um sich herum einnahm. Mein Blick fiel auf einen Schuh, der leicht hinter einer Mülltonne lag. Gerade als ich mich ihm näheren wollte, knurrte eine mit Bass gefüllte, dominante und mir bekannte Stimme hinter mir "Keinen Schritt weiter. Das ist ein Tatort und was machst du hier?" Die Worte trafen mich und raubten mir den letzten Atem. Ich schloss kurz die Augen um mich zu sammeln, bevor ich mich auf meinem Absatz umdrehte und ihn in seine haselnussbraunen Augen schaute.
"Guten Morgen, Alpha. Ich weiß, dass das ein Tatort ist und ich bin genau aus dem gleichen Grund hier wie du." Ich atmete tief durch und mein Ausdruck brachte die Trauer und das Mitgefühl zum Ausdruck, was ich in meinem Traum empfand, als ich die Hand der jungen Frau hielt. "Es ist eine junge, zierliche Frau. Sie hatte Todesangst, als sie ..." - "Was macht sie hier? Sie sollte doch in den Zellen sitzen. Welcher Schwachmat hat sie rausgelassen?" polterte eine Stimme hinter dem Alpha und der Beta Darwin drängte sich an ihm vorbei. Doch bevor er ganz an ihm vorbei war, blieb er am ausgestreckten Arm des Alphas hängen. "Ich habe sie aus der Zelle gelassen, Darwin. Und ich werde mich für sie bürgen. Hast du was dagegen?" knurrte er doch die letzten Worte mehr als das er sie sprach. Jeder spürte wie ernst er es in diesem Augenblick war. Der Beta nickte nur und ging ein Schritt zurück. Chase nahm seinen Arm runter und kam auf mich zu. Sein muskulöser Körper baute sich vor mich auf und sein Blick musterte mich ganz genau. Er beugte sich kurz hinunter und flüsterte mir ins Ohr "Lass es mich nicht bereuen, sonst werde ich der Jenige sein, der dich jagt und tötet." Mit einem leichten Nicken signalisierte ich ihm das ich es verstanden hatte.
Gemeinsam gingen wir zu der Leiche, der jungen Frau. Ich schwankte kurz und griff instinktiv nach etwas was mir Halt bot und umschloss dabei seinen Unterarm. Zu starken die Emotionen, die sie umgaben. Durch das Halten des Unterarms leitete ich die letzten Momente und die Emotionen an den Alpha weiter. Er schluckte hart, als es ihn unvorbereitet traf und doch hielt er dem stand. Die Verbindung zwischen uns, die sich durch die Berührung auftat, ließ ihn einen kurzen Moment Bruchteile meiner Vergangenheit sehen. "Geht es dir gut?" fragte er mit einem Hauch Besorgnis in seiner Stimme. Wieder konnte ich nur nicken. "Ich habe ihn nicht erkennen können. Das einzige was ich mit Sicherheit sagen kann, ist das eisblaue, mit Zorn erfüllte Augen hat." ich machte eine kurze Pause, da alles mit großer Anstrengung für mich verbunden war. "Bring mich bitte hier weg. Ich halte es nicht mehr lange durch. " raunte ich schwer. Dabei brach immer wieder meine Stimme ein. Ich fühlte mich, als würde etwas meine ganze Energie rauben. Und es lag nicht daran, dass ich das Verlangen nach Nähe und die damit verbundene Lust gegenüber des Alphas unterdrückte. Es etwas anderes.
Bevor ich mein Bewusstsein verlor spürte ich seine starken Arme, wie sie mich mit Leichtigkeit anhoben. Plötzlich wurde alles um mich herum schwarz und in Nebel gehüllt. Ich wusste nicht wie lange ich mein Bewusstsein verloren hatte, noch wo ich genau war, als ich meine Augen wieder öffnete. Als ich mich umschaute was ich in einem Zimmer, welches im viktorianischem Stil eingerichtet war. Ich lag in einem großen Bett und über mir ein mit roter Seide und schwarzer Spitze bedeckten Himmel. Nur vorsichtig setzte ich mich auf und schaute mich um, als die Tür aufging und eine zierliche, schlanke Person eintrat. "Sie sind endlich wach. Ich werde es dem Sire sagen. Wünschen sie etwas Lady Ciara?" fragte die Person mit ihrer lieblichen, honigsüßen Stimme. "Nein danke. Sie brauchen sich wegen mir keine Umstände machen. Sagen sie mir nur wo ich bin." Mit einem Lächeln auf den Lippen antwortete sie mir schnell, bevor sie auch schon wieder verschwand. "Im Hause unseres Alphas Chase West." Mit diesen Worten verschwand sie und ließ mich wieder allein.
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