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Die gestohlenen Artefakte (Teil 4)

 Die Termine am Vormittag waren vorüber gegangen ohne neue Ereignisse oder auch nur eine heiße Spur zu ergeben. Kurz vor dem Lunch musste Darwin, der Beta des Rudels, nach einem Anruf weg. Er hatte sich nicht direkt beim Alpha abgemeldet, was nicht sehr verwunderlich war. Nach knapp einer Stunde kam er mit einem Gast wieder. Um es nicht all zu öffentlich zu machen, ließ er den Gast durch die Garage in sein neues Quartier bringen. Natürlich wartete er bis die Wachen aus der Hörweite waren, bevor er sich seinem Gast zu wandte und ihm einen schönen Aufenthalt noch zu wünschen. Nach dem Lunch standen noch zwei Termine an, bevor der Abend im Herrenhaus des Alphas eingeläutet werden konnte.


Chase


Der letzte Termin mit einigen Mitgliedern, die beim Aufbau und der Durchführung der Zeremonie helfen wollten, war mein Kopf voll und ich konnte einfach nicht mehr. Mein Magen hing in den Kniekehlen und ich beschloss mir in der Küche eine Kleinigkeit zu holen, bevor ich noch einmal in den Wald gehen wollte. Nachdem ich die Treppe hinunter ins Erdgeschoss genommen hatte, stieg ein Hauch von Vanille mit Moschus in die Nase. Dieser Geruch machte mich wahnsinnig, wieso hatte ich diesen Duft, der meine Sinne benebelte immer wieder in der Nase. Bei der Göttin, wo kam dieser Duft nur her. Er war fast so, als würde er aus den Wänden kommen. Bevor ich mich dazu entscheiden konnte, dass ich ihm folgen wollte, tat ich es schon. Der Duft wurde immer intensiver, je tiefer ich in meinem Anwesen vordrang. Ich stieg in den Keller hinab, wo eigentlich nur unsere Zelle für Gefangene war. Doch hier war er am Stärksten. Ich ging die Zellen entlang und fand in der letzten Zelle ein kleines, zartes, weibliches Wesen. Jedes Gesicht meines Rudels war mir bekannt, doch sie sah ich das erste Mal. Meine Lungen inhalierten den Duft, der eindeutig von ihr kam, tief ein und machte mich süchtig. Meine Finger wollten sich in ihr langes, welliges, kupfernes Haar vergraben und jeden Millimeter ihres Körpers erkunden. 

Sie verbarg ihr Gesicht, aber konnte man dennoch sehen, wie schwer sie atmete. Mein innerer Wolf jaulte vor Sehnsucht nach ihr in mir auf. Den drang die Zelle zu öffnen und sie sich mir zu unterwerfen war stark. Doch war es nicht der Situation gerechtfertigt. Ich räusperte mich um ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Als sie ihren Kopf hob und ich in ihre blassgrünen mit einen Wirbel, der einem Malachite ähnelte, sah wurde der Drang sie mir eigen zu machen noch stärker. Seit langem hatte ich kaum bis kein Interesse an Frauen gezeigt, doch mit ihr änderte es sich schlagartig. Nie hatte eine so etwas in mir und meinem Wolf ausgelöst. Ich musste wissen wer sie war und wieso sie hier drin saß. "Was willst du? Ich habe keine Lust mich zu unterhalten. Wo ist der Typ der mich hier reingebracht hat?" fragte sie mich und ich erkannte sofort ihre Abneigung und Unmut bis zum nächsten Atemzug. Ihr Körper zuckte kurz auf und eine Welle der Hitze strömte mir entgegen. Es wurde schwieriger und schwieriger hier in ihrer Nähe zu sein, ohne den Verstand zu verlieren. Doch musste ich mich konzentrieren, mir nichts anmerken zu lassen. Ein leises Knurren kam meiner Kehle empor "Wer hat dich hier eingesperrt?" fragte ich mit einer Anstrengung ernst und dominant zu wirken. 

"Er hat sich leider nicht vorgestellt, er kam nur mit zwei Männern in die Stadtbibliothek und nahm mich nach einem kurzem Gespräch einfach mit. Eine Begründung wieso ich hier sitze, was ich falsch gemacht haben soll, bekam ich nicht. Aber sicher weißt du ja sicher schon alle Einzelheiten. Schließlich bist du ja der Bürgermeister und auch der Alpha des Rudels!" fauchte sie mir entgegen. Ihr Blick war fest auf mich gerichtet. In ihren Augen spiegelte sich der Unmut aber auch noch etwas anderes wieder. Konnte es sein, das es Lust war? Empfand sie wie ich oder bildete ich mir das nur ein. Doch war nicht gerade der richtige Moment, dass jetzt herauszufinden. Wieder atmete ich tief ein, nahm ihren Duft tief in meine Lungen ein und ermahnte mich erneut ernst zu bleiben. "Was wolltest du in der Stadtbibliothek. Man landet hier nicht einfach so. Was also hast du getan?" Langsam stand sie auf und kam zu mir an die Gitter. Je näher sie kam um so stärker wurde auch mein Drang. Ich wusste, dass ich es nicht mehr lange durch halten würde, hier unten bei ihr zu bleiben, ohne meine Triebe zu unterdrücken. Wir standen uns nur noch wenige Zentimeter gegenüber und sie raunte "Ich bin auf der Suche nach dem "Sammler". Er mordet und hinterlässt nur Chaos auf der Suche nach alten Artefakten. Mehr kann ich dir nicht sagen. Ich habe dir schon zu viel gesagt. Aber die Morde, die hier geschehen sind tragen seine Handschrift und ich glaube er hofft hier das zu finden was er sucht." 

Ihre Stimme zitterte mit jedem Atemzug mehr, aber ich konnte erkennen, dass sie die Wahrheit sprach. "Also warst du in der Bibliothek, um herauszufinden, ob sich hier ein Artefakt befindet? Woher weißt du eigentlich von den Morden? Wir haben versucht es geheim zu halten und es verließ nie mein Büro. Los sprich!" knurrte ich die letzten Worte ihr zu, während sich in meinem Kopf eine Szene abspielte, wie ich ihr das Haar zur Seite strich und ihren Hals entblößte. Innerlich suchte ich mir schon eine schöne Stelle aus, wo ich meine Markierung setzen wollte. Schnell schob ich diesen Gedanken wieder beiseite und konzentrierte mich auf ihre Antworten. Ihr Blick wandte sich kurz ab und sie überlegte, was sie mir nun antworten sollte. Leise drang ihre Stimme in mein Ohr. "Es ist schwer zu beschreiben, aber ich war in meinem Traum bei dir an deinem Schreibtisch. Dort sah ich die Berichte und Fotos auf deinem Bildschirm. Du sahst so voller Trauer und Besorgnis aus, dass es mich neugierig machte, was es war. Aus diesem Grund bin ich hinter dir gegangen und hatte meine Hand auf deine Schulter gelegt. Aber es war ein Traum oder eine Prophezeiung. Nichts weiter. 

Ach ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich eine Hexe bin, falls es dir und deinen Wachen entgangen ist." Mir musste die Farbe aus dem Gesicht gefallen sein, denn in ihr Blick änderte sich schlagartig von Mitgefühl in Besorgnis. Ich fragte mich, ob es ein schlechter Scherz von ihr war, oder ob das die reine Wahrheit sein konnte. Ich hatte sie nie gesehen, aber letzte Nacht hatte ich das Gefühl gehabt, dass man mich berührte, als ich noch im Büro vor den Berichten saß. Geschockt schüttelte ich den Kopf und ging ein Schritt zurück, bevor ich mich wieder sammelte.  "Du bist also eine Hexe? Du weißt wie verrückt das klingt. Genauso wie die Sache mit dem Sammler. Nenn mir einen Grund wieso ich dir die ganze Geschichte hier glauben sollte?" Mit einem herausforderndem Lächeln auf ihren wunderschönen vollen Lippen ging sie einen Schritt nach hinten und wandelte sich vor mir in einen kleinen Rotfuchs. Mir stockte der Atem als ich in ihre Augen sah. Sie waren Amethystfarben. Wie die, die mich in meinem Traum verfolgt hatten. Es fühlte sich an, als würde mein Herz einen Schlag aussetzen. Wie viele Zufälle brauchst du noch knurrte mich mein Wolf an. Wir brauchen sie. Wir wollen sie.

Aus dem kleinen Füchschen wurde ein Rabe, der sich schließlich wieder sich in ihre menschliche Gestalt verwandelte. "Reicht dir das, oder willst du vielleicht noch, dass ich einen Zauber auf dich wirken soll? Auch wenn das nicht in meinem Zirkel nur missbilligend gewilligt wird." Sie blieb in der Mitte der Zelle stehen. Mit einem Kopfschütteln riss ich mich aus der Trance und ich kam wieder ein Schritt auf die Zelle zu. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schloss ich die Zelle auf und blieb in der Tür stehen. "Also verstehe ich das richtig. Wir suchen beide nach ein und der selben Person, auch wenn ich noch nicht weiß was du mit dem Artefakt meinst. Denn so etwas haben wir nicht. Aber ich sehe, dass du die Wahrheit sprichst. Also werde ich dich gehen lassen. Unter einer Bedingung. Du mischst dich nicht in unsere Ermittlungen ein, so wie wir es auch nicht machen werden. Aber ich will dennoch über alles von dir informiert werden, was du vorhast, verstanden?" knurrte ich sie an. Mit einem stillen Nicken willigte sie ein und ich begleitete sie hinaus. Wir nahmen den hinteren Ausgang, welcher direkt in den Wald führte. Ich sah ihr zu, wie sie sich mit Leichtigkeit wieder in einen kleinen Fuchs verwandelte und in der Dunkelheit des Waldes verschwand. 

Oh Göttin, wie sehr wollte ich und mein Wolf jetzt hinter ihr her, nur um zu sehen, dass sie sicher bei sich ankam. Doch ich zwang mich dem Trieb nicht nach zugehen und kehrte ins Haus zurück. Ich brauchte dringend eine Dusche um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Dieser Duft, der von ihr ausging machte mich wahnsinnig. Unter der Dusche, während das Wasser auf meinen Körper hinunter rieselte, wie ein warmer Sommerregen, ging ich noch einmal alle Einzelheiten des Gespräches durch. Dabei fiel mir ein, dass ich ihren Namen nicht erfragt hatte. Nur mit einer bequemen langen Seidenhose schritt ich durch die Gänge und kam noch einmal an meinem Büro vorbei. Es schien ein gedämpfter Lichtschein unter der Tür hervor, sodass ich noch einmal eintrat und sah, dass noch meine Schreibtischlampe brannte. Ich ging hinein um sie zu löschen, als ich eine kleine Notiz sah. Es stand nur ein Name in einer schwungvollen Handschrift darauf. Ciara. War das ihr Name? Oh Zyraura gib mir ein Zeichen, ob es ihr Name war. In meinen Ohren klang er so warm und friedvoll. Er war wie eine wohltuende Melodie. Die Notiz steckte ich in meinen Terminkalender und löschte das Licht, bevor in mein Schlafgemach ging. 

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