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Der Geschäftsmann (Teil 1)

Es war mal wieder ein anstrengender Tag in der Agentur gewesen. Erschöpft und matt radelte ich auf meinen neuen Vintagerad Richtung heimwärts, dabei konnte ich nicht ohnehin einen Abstecher in meinem Lieblingscafé zu machen. Es war ein Café, was nicht jedem gleich auffiel, doch Emma, die Besitzerin, war eine warmherzige Person. Ich ging gern hier her, wenn ich mal wieder mir Arbeit nach Hause genommen hatte und eine Inspiriation brauchte, oder wenn ich abschalten wollte. Alles fühlte sich immer leichter an, wenn man die Türschwelle betrat, ganz so als ob man den Alltag und die Sorgen hinter sich lassen würde. Auch an diesem sommerlichen Nachmittag strahlte mich Emma an und begrüßte mich: "Hallo Mila, musstest du wieder länger machen?"
Lächelnd nickte ich und schaute mich kurz um. Gerade als ich meine Bestellung aufgeben wollte, drehte sich Emma grinsend zum Kaffeevollautomat herum und begann die Milch aufzuschäumen und den Kaffee zu kochen. "Ich nehme an du nimmst wie immer das Gleiche, Mila. Einen großen Latté Macchiato." Wieder konnte ich ihr nur zustimmen. Ich beschloss schon einmal mein Kleingeld heraus zusuchen und legte extra noch etwas tiefroten Lippenstift auf. Bei Emma hinter den Thresen zischte und gluckte es immer wieder, bis sie alles in einem To Go Becher füllte. Sie ließ den Becher offen und streute ein paar kleine Schokoflocken auf den Schaum. "So noch ein paar kleine Glückshormone für dich. Das macht dann 3,20 €." meinte Emma zu mir, während sie den Preis in die Kasse eintippte. 


Emma hatte in ihrem Café sich ausleben können, so war es nicht verwunderlich das der Laden in Vintage getaucht war. Denn Emma lebte den Stil der 60iger. Ich nahm mir den Becher und legte ihr vier Euro auf den Tresen. Dafür hatte ich extra kleine Münzen genommen, sodass Emma sicherlich etwas mit nachzählen beschäftigt war. So verabschiedete ich mich und ging wieder zu meinem Rad. Bevor ich allerdings mich wieder darauf schwang, musste ich noch diesen stiril aussehenden weißen Pappbecher aufpeppen. Irgendwann hatte ich mir das zum Ritual gemacht. Meine Lippen spitzten sich zu einem verführerischen Kuss und pressten sich sanft auf den Becher, der tiefrote Lippenstift hinterließ wie gewollt einen perfekten Kussmund auf dem weiß. 
Erst nach diesem Kuss umschlossen meine Lippen den Rand des Bechers und ich nahm den ersten Schluck und entjungferte somit mein Getränk. Meine Geschmacksknospen machten eine Laolawelle und seufzten vor Glück auf, dann glitt der Schluck von mir vergötterten Getränk meine Kehle hinab. Ich konnte es nicht aufhalten, nein ich wollte es nicht aufhalten und so setzte sich ein kleines lustvolles Stöhnen auf meine Lippen. Konnte ein Getränk wirklich besser sein als Sex? Diese Frage stellte ich mir während ich nach Hause fuhr. Der Becher war zur Hälfte geleert, als ich meine Wohnung erreichte. Der Getränkehalter hatte sich schon auf so viele Art und Weise bezahlt gemacht. Mein Fahrrad wurde von mir im Keller geparkt und gesichert. 

Nach dem ich das Schloss einrasten ließ nahm ich meinen Shopper aus meinem kleinen Weidenkorb hinter dem Sattel und hing sie mir um, bevor ich meinen Becher nahm und mit ihm mich auf den Weg in den dritten Stock machte. An der Tür begrüßte mich schon Odin, mein Maincoon-Kater schnurrend und um die Beine windend. So musste ich erst meinen Becher abstellen um ihn zu begrüßen, bevor ich es schaffte auch nur richtig in die Wohnung eintreten zu können. Meine Schlüssel legte ich in meine kleine Schale neben dem Bonsaibäumchen auf dem weißen Kommodenschränkchen vom Flohmarkt, was ich neu gestrichen hatte. Jetzt war die Tasche dran, ich kramte mein Tablet und Smartphone hervor, bevor ich auch sie an ihren Platz legte. 
Da ich nur begrenzten Stauraum zur Verfügung hatte, musste ich mir früh etwas einfallen lassen. In einem Blog hatte ich die super Idee gesehen, alte Weinkästen aus holz an die Wand zu nageln. Zwei Tage später zierten auch bei mir diverse Kisten an der Wand. So konnte ich meine Schuhe und Taschen passend und immer gut in Szene gesetzt verstauen. Auch Odin fand es eine gute Idee, denn so hatte er für eine fünf Minuten Raserphase mehr Platz. Natürlich hatte auch er im Flur in einer der Kisten ein Plätzchen gefunden. Kaum hatte ich meine Sachen verstaut und mich in Richtung meines kleinen Balkons bewegt, klingelte auch schon mein Smartphone. Es war Anna die anrief. Ich nahm ab und ging im gleichen Moment auch schon auf meinen Balkon und setzte mich auf den Rattansessel. 

"Hi Süße, alles Gut bei euch?" begrüßte ich sie. Das Smartphone klemmte ich mir zwischen Ohr und Schulter und angelte mit der anderen Hand nach meinen Rauchutensilien. Geübt nahm ich eine Zigarette aus der Schachtelt und zündete sie mir an, während Anna mir von den Plänen ausführlich erzählten. Sie, Kai, ihr Freund, Lisa und Frank sowie Erik wollten an den See fahren. So fragte sie mich ob ich nicht mitkommen würde. Ich überlegte kurz und beschloss das es das Richtige für mich war, den stressigen Tag zu vergessen und hinter mir zu lassen. "Klar komme ich mit. Aber lasst mir noch etwas Zeit. Ich bin gerade nach Hause gekommen und will mich vorher noch frisch machen." Entgegnete ich ihr. 
Am anderen Ende begann es vor Freude zu quietschen. Diese Reaktion konnte ich sehr gut nachvollziehen. Mein Chef hatte mich im letzten halben Jahr immer mehr eingespannt. Manchmal kam es mir schon so vor, als wäre das alles Schikane von ihm. Deswegen hatte ich meine Freunde immer wieder versetzen müssen. Um so mehr freuten sie sich und ich mich auf diesen Ausflug. Wir verabredeten uns sich in einer Stunde bei mir zu treffen und von hier aus los zuziehen. Nach der Zigaretten, dem Rest von meiner Latté und dem Telefonat ging ich mir eine erfrischende Dusche gönnen bevor ich mich dem alltäglichen Problem stellte, was ich anziehen würde. Schon nach kurzer Zeit vor meinem zweitürigen Kleiderschrank herrschte das reine Chaos auf meinem Bockspringbett. 

Es lag vom kurzen Rüschenkleidchen bis zum sportlichen Tanktop alles auf meinem Weiß-Grauen Bett. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mich nun so langsam beeilen sollte. So schnappte ich intuitiv nach einer hellen Blueshorts, einem lilanen Tanktop, einem sportlichen Tanktop mit einem romantischen Bildaufdruck von Paris. Dazu passte ich natürlich auch meine Unterwäsche an. Das Outfit stand nun, damit flitzte ich ins Bad und schlüpfte hinein, drehte mir meine lilafarbenen langen Haare lässig zu einem Dut. Bei Make Up sparte ich es mir schwer aufzutragen. Mein Griff ging gerade zu meinem Bruno Banani Absolute, als mein Smartphone wieder schellte. Konnte es denn schon so weit sein? 
Fragte ich mich und gab mir ein paar kleine Spritzer auf Hals und Handgelenk. Während ich zu meinem Telefon ging verteilte ich den Duft auf Handrücken und auf die andere Hand. Ich schmückte die Gelenke noch schnell mit ein paar Bändern und ging schließlich an das nun ungeduldig klingende Smartphone. Dabei hatte ich nicht auf das Display gesehen, sonst hätte ich gleich gesehen, dass ich mein Ausflug an die Wand der Nicht zu erfüllende Sachen kam. Denn mein Chef rief mich an. "Miss Smith, sie haben mich aber warten lassen." begann er das Telefonat mit dem für mich schon gewohnten strengen und stetig ungeduldigen Unterton. "Ich habe einen Kunden, der nur in einer Stunde Zeit hat, für sie. 

Sie werden diesen Auftrag zu meiner vollsten Zufriedenheit erfüllen, Miss Smith. Denn dieser Kunde gehört zu der Sorte die einen exklusiven Status haben. Ich hoffe sie verstehen was ich meine. Also streichen sie ihre Pläne für den Feierabend und packen sie ihre Fotoausrüstung zusammen. Sie treffen ihn im Studio 5. Den Weg kennen sie ja schon. Enttäuschen sie mich nicht." ermahnte er mich noch einmal. Kleinlaut und niedergeschlagen stimmte ich dem Auftrag zu. Der geplante Ausflug zerbrach während dem Telefonat in tausend Scherben. Seufzend begann ich meine Kamera, Objektive und Stativ zusammen zupacken. Als ich alles zusammen hatte, fiel mir ein, dass ich den Anderen noch gar nicht abgesagt hatte. Ich griff nach meinem Telefon und wählte Annas Nummer. Doch ich bekam nur die Ansage, dass der gewünschte Teilnehmer vorübergehend nicht zu erreichen ist. 
Noch bevor ich mich richtig darüber ärgern konnte, klingelte es auch schon an meiner Tür. Nun musste ich ihnen auch noch in ihre sicherlich enttäuschten Gesichter schauen, wenn ich ihnen sagen musste, dass ich mal wieder nicht mitkam. Ich drückte den Summer und ließ sie zu mir raufkommen. Kichernd und gutgelaunt schallten die Stimmen meiner Freunde durch das Treppenhaus. Im Chor sangen sie schief 'Ab in den Süden'. Die einzige Person die betrübt im Treppenhaus war, war ich. Sie kamen nach und nach den Treppenansatz an und verstummten bei dem Anblick meines Gesichts. Ich muss wohl wie ein kleiner Welpe ausgesehen haben, der schuldig und zu tiefst bereuhend sein Herrchen anschaute. Diesen Blick kannten sie zu gut. 

Anna schüttelte nur den Kopf und  fauchte mich an: "Wieso sagst du erst, dass du mitkommst, um dann doch wieder abzusagen? Weißt du wie die Masche so langsam anstrengend und nervig wird? Am Liebsten würde ich dir eine zimmern." Ich konnte nicht nur die Enttäuschung in ihren Augen sehen, nein auch Wut mischte mit. In dieser Situation half auch kein Danke. Das Einzige was mir einfiel war, den Kopf zu senken. Anna hatte mit den letzten Worten auf dem Absatz kehrt gemacht und war schon auf den Weg nach unten. "Wenn wir dir zu wider sind, dann sag es uns ins Gesicht, statt ständig einen zu Versetzen." schrie sie durch das gesamte Treppenhaus. Man konnte in ihrer Stimme hören, dass sie mit ihren Tränen kämpfte. 
Auch die Anderen machten sich nun auf den Rückweg, als mein Smartphone drinnen schon wieder nach mir verlangte. Seufzend drehte ich mich um als Kai noch zu mir meinte: "Ist echt schade, dass es schon wieder nicht geklappt hat. Mila mach dich nur nicht für deinen Chef kaputt." Mehr als ein Nicken konnte ich ihm nicht geben, denn auch mir waren die Worte von Anna zu nahe gegangen und ich kämpfte mit den Tränen. Meine Wohnungstür fiel ins Schloss und ich eilte zu meinem Smartphone. Schon wieder blinkte nervend die Nummer meines Chefs auf. Freundlich ging ich heran und ließ nicht zu, dass er mitbekam, dass ich seinen Anruf gerade mehr als unpassend fand. Ich gab ihn die Schuld und verfluchte ihn in meinen Gedanken. 

So bekam ich auch nur die Hälfte des Monologs mit. Doch die wichtigsten Eckpunkte verstand ich. Nach dem er wieder einmal aufgelegt hatte, überkam mich die Lust das Ding einfach aus den Fenster zu schmeißen. Sollte es doch jemand anderen nerven. Dann pochten die Worte von meinem Chef an und schrien mich an. Shooting ..... Halbe Stunde früher ..... Schockiert schaute ich auf meine Uhr und schnappte mein Phone, den Schüssel und meine Ausrüstung. Ich schnappt mit der rechten Hand meine Wedge - Sandaletten mit Bändern und stürzte aus der Tür. Die Haustür fiel mit meiner Wohnungstür parallel ins Schloss. Stockwerk für Stockwerk wurde ich schneller, ich eilte barfuß zu meinem Fahrrad und packte meine Ausrüstung hinein und schnallte sie fest, löste das Schloss und band mir noch schnell meine Schuhe bevor ich es nach draußen schob. 
Die Sonne schien mir ins Gesicht und blendete mich. Auf meinen Lippen formten sich schon die fluchenden Wörter als ich in meinem Becherhalter meine Sonnenbrille erspähte. Mit einem kurzen Handgriff setzte ich sie auf und trat in die Pedale. Während um die erste Ecke bog, schaute ich kurz auf die Uhr. Wenn ich die eine und andere Abkürzung nehmen würde, könnte ich mir noch bei Emma eine Latte Macchiato noch holen. So bog ich noch einmal ab und landete im nächsten Moment vor Emmas Café. Ich lehnte diesmal mein Fahrrad nur an und stürzte ins Café. Leicht außer Atem schritt ich zu den Tresen und meinte zu Emma. "Notfall. Ich brauch ganz schnell das Übliche, Emma. Ich habe einen wichtigen Termin und das schaff ich ohne meine Latte nicht." 

Emmas Augen wurden größer und ihr Lächeln breiter, als sie die letzten Worte vernahm. "Na dann mach ich dir mal schnell eine Latte, damit du nicht zu spät kommst." Sie begann sofort sich ans Werk zu machen. In dieser Zeit nahm ich mir einen ihrer Kugelschreiber und einen Becher, Darauf begann ich darauf los zumalen. So entstand ein kleines abstraktes Kunstwerk des Eifelturms. Gerade als ich den letzten Strich gesetzt hatte, nahm ihn mir Emma aus der Hand und füllte ihn. Sie schloss den Becher und ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Danke dirm Ich muss los, aber ich werd ihn dir morgen mitbezahlen." Emma nickte nur und sah mir nach wie ich wieder das Café verließ und weiter in Richtung des Studios radelte. 
Immer wieder schaute ich auf die Uhr und legte noch einen Zahn zu. Ich war mir sicher total verschwitzt anzukommen, doch wollte ich auf keinen Fall zu spät kommen. Gestärkt von dem Kaffee und dem Willen pünktlich zu sein hatte ich mich sehr beeilt, dass ich ganze fünf Minuten zu Früh dran war. Die Zeit verbrachte ich mit dem Aufbau der Kamera bevor ich noch schnell vor die Tür ging um eine zu Rauchen. Meine Lungen füllten sich gerade mit Rauch, als mich jemand von hinten an der Schulter berührte. Ich zuckte zusammen und fuhr herum. Ein gutaussehender, gepflegter Mann im Anzug stand vor mir und lächte mich an. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, meine Zigarette hinter meinem Rücken zu verstecken. 

Seine Augen zogen mich sofort in seinen Bann und so verlor ich mich in einem Meer aus einem eisblauen strahlenden Wirbel. Doch seine rauhe, dominante und zugleich liebevolle Stimme riss mich aus meiner Trance wieder heraus. "Darf ich sie bitten, mir vielleicht auch eine Zigarette zu geben?" Ich nickte nur, hatte er mir doch zu sehr den Atem geraubt. Es war merkwürdig, nur durch die Anwesenheit und einer einzigen Berührung so sprachlos zu sein. Meine linke Hand rutschte in die hintere Hosentasche und holte ein Päckchen Black Devil Zigaretten mit Feuerzeug hervor und reichten sie ihm. Er nahm sich eine und zündete sie sich an, bevor er sie mir zurückgab. Melodisch drang sein Danke in mein Ohr und beschehrte mir eine Gänsehaut, die langsam meinen Nacken hinunter kroch.       
Nervös zog ich an meiner Zigarette, wünschte ich mir doch auf der einen Art, dass dieser doch so flüchte Moment ewig dauern würde. Doch ein Blick auf die Uhr holte mich rasch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Rasch nahm ich noch einen schnellen Zug bevor ich die Zigarette ausmachte und mir einen Kaugummi in den Mund steckte. Ich entschuldigte mich höfflich bei dem Fremden und wünschte ihn noch einen angenehmen Tag. Im Studio wusch ich mir noch die Hände und cremte sie ein. In diesem Moment betrat eine kurvige rothaarige Frau das Studio. Ihre Kleidung wirkte sehr edel und teuer. Sie schmeichelte ihren Kurven und ließ sie sehr sexy aussehen. Das kurze Vorspräch mit ihr verriet mir, dass sie ein spezielles Shooting haben wollte. 

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