Er saß in der kleinen, stickigen und heruntergekommenen Bar, die er sein eigen nennen durfte, am Rande von Seattle. Er trank in einem Eichenholz gereiften Whiskey. Seine Gedanken schweiften umher und landeten einmal mehr in der Vergangenheit. So wie ihm die Erinnerung an sein altes Leben schmerzte, so schmerzte es auch ihn in diesem Rattenloch festzuhängen. Ein grollendes Brummen, was leicht nach einem Seuftzen klang, kroch ihm die Kehle empor, als die Tür aufsprang und das Sonnenlicht die Bar flutete. Er musste die Augen zusammenpressen, um wenigstens einen Schemen zu erkennen. Erst als die Tür hinter dem Gast wieder in Schloss fiel und sich die Gestalt näherte, konnte er erkennen, dass es eine Frau ist. Sie kam festen Schrittes auf ihn zu und fragte mit kurzen Sätzen nach dem Telefon. Sie selbst klang angespannt und wütend, doch ihr Körper strahlte eine Dominanz und Stärke aus, die er zuvor nur an einen Menschen wahrgenommen hatte. Mit einem Kopfnicken deutete er die Richtung des Telefons an. Ohne nur ein weiteres Wort zu verschwenden ging sie nickend zu der alten Wählscheibe.
Es war totenstill bis auf das leise Piepen des Telefons und das schwenken des Whiskeys im Glas. So wie man hörte, dass jemand den Hörer abgenommen hatte, fauchte sie, wie eine wütende Löwin in den Hörer. "Wer hat an meiner Maschine geschraubt? Der kann sich schon mal von seinen Fingern verabschieden. Ihr wisst genau das keiner ohne mich an mein Baby lasse." Noch ehe der Gegenüber ihr antworten konnte hängte sie ein und setzte sich zu ihn an die Bar. Sein Blick war auf sein leeres Glas geheftet, als er nach der Flasche und einem weiteren Glas angelte. Dem Temperament der Kleinen hatte ihn kurzzeitig schmunzeln lassen, bevor er wieder in seine melancholische Stimmung verfiel. Ohne zu fragen schenkte er ihr ein und schob ihr das Glas zu, bevor er sich selbst nachschenkte. "Was hast du denn für ein Problem?" Fragte er mit seiner kratzigen Stimme, bevor sein Glas angehoben und in einem Zug geleert wurde. Sie schaute zur Seite, als hätte er ihr die Frage gestellt, was sie drunter trug. "Ich hab das Problem, dass jeder glaubt er könnte an meinem Bike rumpfuschen." fauchte sie und leerte in einem Zug ebenso ihr Glas.
"Ich kann es mir ja mal anschauen." bot der Barbesitzer ihr an. Na klasse, noch so ein Vollidiot, der sich an mein Baby probieren will. dachte sie. Dennoch stimmte sie ihm zu. Da sie sowieso keine andere Wahl hatte. Gemeinsam gingen sie nach draußen, doch als er das Bike erkannte fiel sein Blick auf sie, Die Erinnerungen schossen ihm in den Kopf und überschlugen sich. Er stand wie angewurzelt da, und meinte zu ihr. "Ich mache die Garage auf und du stellst es rein." In der Bar holte er tief Luft und schüttelte den Kopf, bevor er sich selbst ermahnte. "Reiß dich zusammen, Alter. Du weißt doch gar nicht, ob es wirklich sie ist. Nur weil ihr Hobel ähnlich, deinem Ersten aussieht." Als das Rolltor sich öffnete schob sie ihren Schatz hinein. Dabei legte der Barbesitzer großen Wert darauf, sein Gesicht zu verbergen. Sofort nahm er sich dem Motorrad an und zog am Benzintank eingelassenen und versteckten Hebel. Sofort sprang die Maschine an und schnurrte wie ein junges Kätzchen. Fassungslos und ungläubig schaute sie auf ihr Bike und dem Barbesitzer "Wie hast du das hinbekommen?" fragte sie ihn.
"Es hat mit mir gesprochen. Ganz einfach! Und ja, ich kann mit Motorrädern sprechen." Auf ihrem Gesicht wich die Farbe und machte Platz für einen kalkweißen Ton. In ihrem Schockzustand taumelte sie leicht nach hinten. Denn diese Bemerkung brachten unverarbeitete, schmerzhafte Erinnerungen hervor. Sie musste schlucken und sich selbst zum gleichmäßigen Atmen zwingen. "Woher kennst du den Spruch?" fauchte sie ihn an. Auf seinen Lippen zeichnete sich ein Lächeln ab, als er sich umdrehte und ihr in die Augen schaute. Diese eisblauen Augen, die nur einer hatte, den sie kannte, schauten sie fest an. Sie selbst zweifelte, dass er es sein konnte. Schließlich hatte sie gesehen, wie er starb. Aber die Augen waren seine, da war sie sich sicher. Als ihr Blick hinunter wanderte erblickte sie die Narbe, die sich einmal quer über seinen Hals zog. Das war Beweis für sie genug, das er es sein musste. "Es ist kein Spruch Angel und das weißt du auch." entgegnete er mit barstiger Stimme. Erneut musste sie schlucken, denn sie hatte das Gefühl, das der Kloß in ihrem Hals immer größer werden würde und ihr jeglichen Sauerstoff entzog.
Verzweifelt und mit Tränen in den Augen tastete sie hinter sich auf der Suche nach Halt. Die dreckige Wand bot ihr dabei Sicherheit. So stützte sie sich an, bevor sie auch nur ein einziges Wort heraus brachte. "Aber... aber... du bist doch..." mehr konnte und wollte ihr Körper nicht von sich geben. Langsam rutschte sie an der Wand hinunter und starrte ihn an. Er atmete tief ein und seufzte. Seine Augen schlossen sich und man konnte sehr gut erkennen, wie er gedanklich an den Ort seines vermeidlichen Ablebens zurückkehrte. Die Lagerhalle war groß und mit deckenhohen Regalen und schmalen Gängen vollgestellt. Wer sich hier nicht auskannte verlief sich schnell in den weitläufigen Gängen. In einem dieser Gängen, er glaubte sich zu erinnern, dass er in dem Bereich der Papierrollen war, hatte er den Kampf gegen Salvador Präsidenten verloren. Nun lag er nach Luft schnappend, mit offener Kehle in seinem eigenen Blut. Es roch erst nach Benzin, bevor es um ihn herum lichterloh zu brennen begann. Danach wurde es schwarz vor seinen Augen. Man hatte ihm gesagt, dass er von der Feuerwehr gerettet wurde, mehr Tod als lebendig.
Der Cop, der neben seinem Bett stand hob den Haftbefehl gegen ihn in Sichtweite und stellte ihn zur Wahl. "Sie haben die Wahl. Sie können für mindestens 50 Jahre in den Bau gehen, oder sie sagen gegen die Salvadors aus und kommen ins Zeugenschutzprogramm. Die einzige Bedingung ist, dass sie zu niemanden Kontakt haben dürfen." Er konnte schlecht antworten, deshalb stimmte er per Handzeichen zu. Hatte er doch nicht geglaubt, dass er es überleben würde, doch nun stand er hier mit neuen Namen, Identität und neuem langweiligen Leben. Angel hatte ihm genau zu gehört, als er mit geschlossenen Augen leise vor sich hin erzählte. Nun öffnete er sie wieder und ergänzte mit schuldigen Blick und Reue in der Stimme. "Dabei habe ich meine Liebe meines Lebens verloren." Angel horchte auf und bot sofort ihre Hilfe an. Wollte sie doch nicht, dass auch noch eine andere Frau leiden musste, so wie sie es tat. Sie wollte ihr nur mitteilen, dass er sie bis zum letzten Atemzug geliebt hatte und ihr eine Nachricht zukommen ließ, wenn er verschied. Kopfschüttelnd betrachtete er Angel und hauchte ihren Namen leise in den Raum.
Ungleich darauf zu ergänzen "Aber du warst ja verheiratet. So blieb nichts anderes, als mich an Huren zu vergnügen. Aber jetzt wollen selbst die mich nicht mehr, weil ich so hässlich bin." Sie schnallte auf ihre Beine und zu ihm hin, um ihn eine Ohrfeige zu geben. Schlurzend fauchte sie. "Du bist so ein Vollidiot, weißt du das!" Mit fragenden Blick hielt er seine Wange und zuckte mit den Schultern. "Wieso bin ich ein Vollidiot. Es stimmt doch das du mit Jerome von den Salvadors verheiratet bist." Kaum hatte er zu Ende gesprochen spürte er wieder die schmerzende Wärme einer erneuten Ohrfeige auf seiner Wange. Wütend und zugleich froh ihn wieder vor sich zu sehen fauchte sie ihn an. "Ja das war ich, aber glaubst du wirklich, dass ich freiwillig mit ihm verheiratet war? Verdammt, ich habe mich nur darauf eingelassen, weil ich keine andere Wahl hatte. Und du Idiot musstest dennoch mit den Salvadors dich anlegen und allein gegen den Präsidenten antreten, sodass alles egal war, was ich getan habe. Meinst du wirklich das es ein Zuckerschlecken war die Frau von Jerome zu sein." Tränen der Wut, der Verzweiflung und des Schmerzen rannen ihr über die Wangen und sie brach vor ihm zusammen. So stark wie sie geworden war und so unerschütterlich wie sie auf den ersten Blick erschien, so verletzlich war sie auch. Die Zeit mit ihrem Ehemann hatte sie in Angst, Schrecken, Verzweiflung und Pain leben müssen.
Er hatte sie geschlagen an andere Männer verkauft und sich einen Spaß daraus gemacht sie wie eine Sklavin zu halten. Bis sie es nicht mehr ausgehalten hat und ihrem Alptraum ein Ende gesetzt hat. Sie hatte alles in einer Nacht, indem die Salvadors gefeiert hatten niedergebrannt. aber nicht ohne vorher ihren Ehemann am Bett zu betäuben. Nach dem sie alles dem Erdboden gleich gemacht hatte, nahm sie sich ihr Bike, was man ihr weg genommen hatte wieder und fuhr davon. Sie schaffte sich über die Jahre ihre eigene Crew und einen Namen, der so manchen harten Mann wie ein Junge zu seiner Mutter laufen ließ, auf. Seine Arme hielten sie aufrecht, als sie drohte zusammen zu sinken. Die Wärme ihres Körpers war das Einzige was er nach so vielen Jahren der Einsamkeit an sich spürte. Er presste sie an sich und stützte sie. Hatte er doch von all dem keine Ahnung. Seine Reibeisenstimme raunte ihr ins Ohr "Hey Angel, bleib bei mir. Komm schon, bleib wach." Doch ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr und sie schwand in das kalte tiefschwarze nichts. Behutsam nahm er sie auf seine Arme und trug sie in sein kleines Apartment über die Bar, bevor er wieder nach unten ging und die Garage wieder verschloss. Er konnte nicht umhin als seine rauen Finger noch einmal über das glatte Metall des Bikes fliegen zu lassen.
Er schloss die Bar und begab sich nach oben, wo er sich seinen alten, mit deutlichen Gebrauchsspuren bespickten Ledersessel an sein verrostetes Bett schob und sich setzte. Seine müde aussehenden Augen beobachteten sie und ihre Atmung genau. Kam es ihm doch wie ein Traum vor, sie in seinem Bett liegen zu sehen. Sie bei sich zu haben. So vergingen die Stunden und die Nacht verabschiedete den Tag. Immer wieder nickte er ein, doch bei jeder kleinsten Rührung von ihr schreckte er hoch, um zu schauen, ob sie noch da war und ob es ihr gut ging. Ihr Schlaf war sehr unruhig und immer wieder ging sie im Schlaf in eine Abwehrhaltung. In seinem Kopf kreisten die Gedanken, was sie wohl erlebt hatte, was sie so sehr verfolgte. Doch auch bei ihm holte die Nacht ihren Tribut, so schlief er in dem Sessel ein. Als ihn die ersten Sonnenstrahlen küssten sprang er panisch vom Sessel auf und hörte seinen Körper durch ein lautes Knacken ächtzen und stöhnen. Sein Blick richtete sich sofort auf das Bett. Es war leer. Aber er war sich so sicher gewesen, dass er sie gesehen, mit ihr geredet und sie gespürt hatte. Sofort machte er sich eilig auf dem Weg, um die Garage zu kontrollieren. Wenn da das Motorrad noch stand, dann war es kein Traum, dann war sie wirklich bei ihm. Er stürzte die Treppen hinunter so schnell ihn seine Beine trugen, doch bevor er die Tür zur Garage erreichte, musste er abrupt stoppen.
Vor ihm stand der Cop, der ihn in das Zeugenschutzprogramm gesteckt hatte. Mit verschränkten Armen schaute der Cop ihn an und hob eine Augenbraue. "Wo willst du denn so schnell hin?" Um Gewissheit zu haben war er nur noch einen großen Schritt entfernt. Jedoch stand ihm der großgewachsene Mann im Weg. Wusste er aber auch, dass er ihm nicht unbedingt von Angel erzählen sollte. "Also ich warte auf eine Antwort, Mister." Konnte er seine Gedanken dennoch nicht ordnen und eine Antwort klar formulieren. "Ich ... ähm, ich wollte nur nachschauen ob alles in Ordnung ist. Schließlich habe ich ein Geräusch gehört. Das musst wohl du gewesen sein." rümpfte er bei dem letzten Satz die Nase kraus. War es ihm doch eigentlich zu wider mit dem Cop so höflich umzugehen. Hätte er ihn doch am liebsten gerade beiseite geschoben, um endlich an die Tür der Garage zu kommen. Gerade als er einen Vorwand aufbringen wollte, damit der Cop wieder verschwand, tauchte Angel mit zwei Tassen Kaffee auf. "Chef hier sind die Kaffee. Ich habe zwei gemacht, damit sie mit ihren Kollegen ein umfassendes Gespräch führen können." Verwirrt schaute er sie an und sie nickte ihm mit einem bezaubernden Lächeln zu.
Der Barbesitzer ging mit dem Cop in sein Büro im Hinterzimmer, während Angel die Bar putzte. Es dauerte etwas über eine Stunde bis der Cop wieder verschwand und er zu Angel in den Gastraum kam. "Es tut mir leid, dass du dich so verstellen musstest. Ich habe dieses Leben so satt. Es ist schlimmer als der Knast." Angel schüttelte den Kopf und ging zu ihm. "Dann breche doch aus?" Sein Blick verriet ihr das er sie nicht ganz verstand, doch bevor er sie fragen konnte wie sie es meint, stürmte die Bar über 50 Biker. Alle Biker grüßten achtungsvoll Angel und sie begann zu schmunzeln, als sie seinen Blick sah. "Ich habe ein wenig Zeit gehabt und mal meine Crew hier ran geholt." er schluckte, da er nicht wusste ob er so viel Alkohol hatte. Er packte sie am Arm und zog sie in sein Büro. "Sag mal was soll das?" Wortlos kam sie zu ihm und setzte sich auf seinen Schoss, bevor sie ihm über die Wange strich. "Ich wollte deinem Laden nur ein wenig mehr Leben einhauchen und ich brauchte ein neues Headquarter." lachte sie.
Er zog eine Augenbraue hoch und verstand es nicht. Sie unterhielten sich lange, wodurch er auch ihre Vergangenheit erfuhr. In ihm stieg die Wut immer mehr auf, bis seine Faust auf dem alten Schreibtisch landete. War er doch mehr als wütend auf den Cop. Hatte er ihn doch Jahrelang verheimlicht, dass sich die Salvadors aufgelöst hatte und es keine Verhandlung gab. Er setzte Angel auf den Tisch und ging an einen der alten Schränke, die im Büro stand. Die Türen knarrten, als sie geöffnet wurden. Er holte seine alte Kutte hervor und zog sie sich über die Schultern. "Keiner betrügt mich!" Wollte er doch sofort los, um den Cop zur Rede zu stellen. Doch kam er nicht weit. Stand doch vor der Tür Angel und hielt ihn ab. Sie schaute ihn sehr verärgert an. "Meinst du wirklich, dass ich dich in deinen nächsten Rachezug ziehen lassen, obwohl ich dich gerade erst wieder habe?" fauchte sie ihn an. "Geh aus dem Weg, Angel. Ich will dir nicht weh tun." Angel blieb jedoch mit festen Stand vor der Tür stehen. So musste er sie erst beiseite schieben, bevor er weiter kam. Er legte seine große Hand mit festem Griff auf ihre Schulter, um sie aus dem Weg zu räumen. Doch bevor er sie zur Seite schieben können, lag er auf den Boden und sie saß auf ihm. Ihr Blick war ernst. "Ich habe gesagt, dass ich dich nicht gehen lasse."
Eine weitere Belehrung konnte sie nicht hervorbringen, da ihre Lippen mit seinen verschlossen wurde. Hatte er sie fest umschlungen und zu sich gezogen. Hatte sich sein Gemütszustand doch schnell umgeschlagen, als er ihren Blick gesehen hat. "Du hast ja recht, Kleines. Schließlich habe ich ja das Einzige was ich im Leben brauche." Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf, war es doch seit Jahren das erste Mal, dass sie aus dem Herzen schmunzeln musste. Angel löste sich von ihm und sie gingen gemeinsam wieder nach vorn. Die Biker waren sehr ausgelassen, doch in der Mitte des Saales war eine kleine Traube von Bikern zu sehen. Die Beiden schauten sich fragend an und gingen zu der Traube. War doch der Cop noch einmal zurück gekommen und hatte einen kleinen Aufstand angezettelt. Nun saß er geknebelt auf einen alten klapprigen Stuhl. Hatte man ihm doch schon gezeigt, wie man so etwas regelt. Angel schaute ihre Liebe an und man konnte glasklar erkennen wie sehr er den Cop hasste.
Ohne etwas zusagen ging er an ihm vorbei und holte seinen Helm. "Lasst uns fahren. Ich habe keine Lust mehr hier in diesem Kaff fest zu sitzen." Die Biker schauten etwas verwirrt zu Angel, die nur nickte und ein Handzeichen zum Aufbruch gab. Alle stiegen auf ihre Motorräder und sie fuhren auf den nächsten Highway. Nun hatte ihn die Straße wieder und nicht nur das. Eine neue Crew und das Wichtigste, seine Liebe waren an seiner Seite. Er bekam eine zweite Chance, auch wenn der Ausgangspunkt sich nun etwas verändert hatte. Das Einzige was nun in der Bar war, war der Cop der immer noch geknebelt war und die verschwendeten Jahre nach seinem Krankenhausaufenthalt. Auch wenn er wusste, dass ihm die Polizei nicht in Ruhe lassen würde und der Haftbefehl, welcher am Krankenhausbett ihm gezeigt wurde, sicherlich wieder in Kraft gesetzt wurde. War dieses Leben deutlich besser, als ein Barbesitzer in der Einöde, wo sich kaum einer hin verirren würde. Seine Zukunft fuhr neben ihn Richtung Horizont und dieser Gedanke machte ihn glücklich. Denn solange er bei ihr sein konnte, war ihm alles andere egal.
Es war totenstill bis auf das leise Piepen des Telefons und das schwenken des Whiskeys im Glas. So wie man hörte, dass jemand den Hörer abgenommen hatte, fauchte sie, wie eine wütende Löwin in den Hörer. "Wer hat an meiner Maschine geschraubt? Der kann sich schon mal von seinen Fingern verabschieden. Ihr wisst genau das keiner ohne mich an mein Baby lasse." Noch ehe der Gegenüber ihr antworten konnte hängte sie ein und setzte sich zu ihn an die Bar. Sein Blick war auf sein leeres Glas geheftet, als er nach der Flasche und einem weiteren Glas angelte. Dem Temperament der Kleinen hatte ihn kurzzeitig schmunzeln lassen, bevor er wieder in seine melancholische Stimmung verfiel. Ohne zu fragen schenkte er ihr ein und schob ihr das Glas zu, bevor er sich selbst nachschenkte. "Was hast du denn für ein Problem?" Fragte er mit seiner kratzigen Stimme, bevor sein Glas angehoben und in einem Zug geleert wurde. Sie schaute zur Seite, als hätte er ihr die Frage gestellt, was sie drunter trug. "Ich hab das Problem, dass jeder glaubt er könnte an meinem Bike rumpfuschen." fauchte sie und leerte in einem Zug ebenso ihr Glas.
"Ich kann es mir ja mal anschauen." bot der Barbesitzer ihr an. Na klasse, noch so ein Vollidiot, der sich an mein Baby probieren will. dachte sie. Dennoch stimmte sie ihm zu. Da sie sowieso keine andere Wahl hatte. Gemeinsam gingen sie nach draußen, doch als er das Bike erkannte fiel sein Blick auf sie, Die Erinnerungen schossen ihm in den Kopf und überschlugen sich. Er stand wie angewurzelt da, und meinte zu ihr. "Ich mache die Garage auf und du stellst es rein." In der Bar holte er tief Luft und schüttelte den Kopf, bevor er sich selbst ermahnte. "Reiß dich zusammen, Alter. Du weißt doch gar nicht, ob es wirklich sie ist. Nur weil ihr Hobel ähnlich, deinem Ersten aussieht." Als das Rolltor sich öffnete schob sie ihren Schatz hinein. Dabei legte der Barbesitzer großen Wert darauf, sein Gesicht zu verbergen. Sofort nahm er sich dem Motorrad an und zog am Benzintank eingelassenen und versteckten Hebel. Sofort sprang die Maschine an und schnurrte wie ein junges Kätzchen. Fassungslos und ungläubig schaute sie auf ihr Bike und dem Barbesitzer "Wie hast du das hinbekommen?" fragte sie ihn.
"Es hat mit mir gesprochen. Ganz einfach! Und ja, ich kann mit Motorrädern sprechen." Auf ihrem Gesicht wich die Farbe und machte Platz für einen kalkweißen Ton. In ihrem Schockzustand taumelte sie leicht nach hinten. Denn diese Bemerkung brachten unverarbeitete, schmerzhafte Erinnerungen hervor. Sie musste schlucken und sich selbst zum gleichmäßigen Atmen zwingen. "Woher kennst du den Spruch?" fauchte sie ihn an. Auf seinen Lippen zeichnete sich ein Lächeln ab, als er sich umdrehte und ihr in die Augen schaute. Diese eisblauen Augen, die nur einer hatte, den sie kannte, schauten sie fest an. Sie selbst zweifelte, dass er es sein konnte. Schließlich hatte sie gesehen, wie er starb. Aber die Augen waren seine, da war sie sich sicher. Als ihr Blick hinunter wanderte erblickte sie die Narbe, die sich einmal quer über seinen Hals zog. Das war Beweis für sie genug, das er es sein musste. "Es ist kein Spruch Angel und das weißt du auch." entgegnete er mit barstiger Stimme. Erneut musste sie schlucken, denn sie hatte das Gefühl, das der Kloß in ihrem Hals immer größer werden würde und ihr jeglichen Sauerstoff entzog.
Verzweifelt und mit Tränen in den Augen tastete sie hinter sich auf der Suche nach Halt. Die dreckige Wand bot ihr dabei Sicherheit. So stützte sie sich an, bevor sie auch nur ein einziges Wort heraus brachte. "Aber... aber... du bist doch..." mehr konnte und wollte ihr Körper nicht von sich geben. Langsam rutschte sie an der Wand hinunter und starrte ihn an. Er atmete tief ein und seufzte. Seine Augen schlossen sich und man konnte sehr gut erkennen, wie er gedanklich an den Ort seines vermeidlichen Ablebens zurückkehrte. Die Lagerhalle war groß und mit deckenhohen Regalen und schmalen Gängen vollgestellt. Wer sich hier nicht auskannte verlief sich schnell in den weitläufigen Gängen. In einem dieser Gängen, er glaubte sich zu erinnern, dass er in dem Bereich der Papierrollen war, hatte er den Kampf gegen Salvador Präsidenten verloren. Nun lag er nach Luft schnappend, mit offener Kehle in seinem eigenen Blut. Es roch erst nach Benzin, bevor es um ihn herum lichterloh zu brennen begann. Danach wurde es schwarz vor seinen Augen. Man hatte ihm gesagt, dass er von der Feuerwehr gerettet wurde, mehr Tod als lebendig.
Der Cop, der neben seinem Bett stand hob den Haftbefehl gegen ihn in Sichtweite und stellte ihn zur Wahl. "Sie haben die Wahl. Sie können für mindestens 50 Jahre in den Bau gehen, oder sie sagen gegen die Salvadors aus und kommen ins Zeugenschutzprogramm. Die einzige Bedingung ist, dass sie zu niemanden Kontakt haben dürfen." Er konnte schlecht antworten, deshalb stimmte er per Handzeichen zu. Hatte er doch nicht geglaubt, dass er es überleben würde, doch nun stand er hier mit neuen Namen, Identität und neuem langweiligen Leben. Angel hatte ihm genau zu gehört, als er mit geschlossenen Augen leise vor sich hin erzählte. Nun öffnete er sie wieder und ergänzte mit schuldigen Blick und Reue in der Stimme. "Dabei habe ich meine Liebe meines Lebens verloren." Angel horchte auf und bot sofort ihre Hilfe an. Wollte sie doch nicht, dass auch noch eine andere Frau leiden musste, so wie sie es tat. Sie wollte ihr nur mitteilen, dass er sie bis zum letzten Atemzug geliebt hatte und ihr eine Nachricht zukommen ließ, wenn er verschied. Kopfschüttelnd betrachtete er Angel und hauchte ihren Namen leise in den Raum.
Ungleich darauf zu ergänzen "Aber du warst ja verheiratet. So blieb nichts anderes, als mich an Huren zu vergnügen. Aber jetzt wollen selbst die mich nicht mehr, weil ich so hässlich bin." Sie schnallte auf ihre Beine und zu ihm hin, um ihn eine Ohrfeige zu geben. Schlurzend fauchte sie. "Du bist so ein Vollidiot, weißt du das!" Mit fragenden Blick hielt er seine Wange und zuckte mit den Schultern. "Wieso bin ich ein Vollidiot. Es stimmt doch das du mit Jerome von den Salvadors verheiratet bist." Kaum hatte er zu Ende gesprochen spürte er wieder die schmerzende Wärme einer erneuten Ohrfeige auf seiner Wange. Wütend und zugleich froh ihn wieder vor sich zu sehen fauchte sie ihn an. "Ja das war ich, aber glaubst du wirklich, dass ich freiwillig mit ihm verheiratet war? Verdammt, ich habe mich nur darauf eingelassen, weil ich keine andere Wahl hatte. Und du Idiot musstest dennoch mit den Salvadors dich anlegen und allein gegen den Präsidenten antreten, sodass alles egal war, was ich getan habe. Meinst du wirklich das es ein Zuckerschlecken war die Frau von Jerome zu sein." Tränen der Wut, der Verzweiflung und des Schmerzen rannen ihr über die Wangen und sie brach vor ihm zusammen. So stark wie sie geworden war und so unerschütterlich wie sie auf den ersten Blick erschien, so verletzlich war sie auch. Die Zeit mit ihrem Ehemann hatte sie in Angst, Schrecken, Verzweiflung und Pain leben müssen.
Er hatte sie geschlagen an andere Männer verkauft und sich einen Spaß daraus gemacht sie wie eine Sklavin zu halten. Bis sie es nicht mehr ausgehalten hat und ihrem Alptraum ein Ende gesetzt hat. Sie hatte alles in einer Nacht, indem die Salvadors gefeiert hatten niedergebrannt. aber nicht ohne vorher ihren Ehemann am Bett zu betäuben. Nach dem sie alles dem Erdboden gleich gemacht hatte, nahm sie sich ihr Bike, was man ihr weg genommen hatte wieder und fuhr davon. Sie schaffte sich über die Jahre ihre eigene Crew und einen Namen, der so manchen harten Mann wie ein Junge zu seiner Mutter laufen ließ, auf. Seine Arme hielten sie aufrecht, als sie drohte zusammen zu sinken. Die Wärme ihres Körpers war das Einzige was er nach so vielen Jahren der Einsamkeit an sich spürte. Er presste sie an sich und stützte sie. Hatte er doch von all dem keine Ahnung. Seine Reibeisenstimme raunte ihr ins Ohr "Hey Angel, bleib bei mir. Komm schon, bleib wach." Doch ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr und sie schwand in das kalte tiefschwarze nichts. Behutsam nahm er sie auf seine Arme und trug sie in sein kleines Apartment über die Bar, bevor er wieder nach unten ging und die Garage wieder verschloss. Er konnte nicht umhin als seine rauen Finger noch einmal über das glatte Metall des Bikes fliegen zu lassen.
Er schloss die Bar und begab sich nach oben, wo er sich seinen alten, mit deutlichen Gebrauchsspuren bespickten Ledersessel an sein verrostetes Bett schob und sich setzte. Seine müde aussehenden Augen beobachteten sie und ihre Atmung genau. Kam es ihm doch wie ein Traum vor, sie in seinem Bett liegen zu sehen. Sie bei sich zu haben. So vergingen die Stunden und die Nacht verabschiedete den Tag. Immer wieder nickte er ein, doch bei jeder kleinsten Rührung von ihr schreckte er hoch, um zu schauen, ob sie noch da war und ob es ihr gut ging. Ihr Schlaf war sehr unruhig und immer wieder ging sie im Schlaf in eine Abwehrhaltung. In seinem Kopf kreisten die Gedanken, was sie wohl erlebt hatte, was sie so sehr verfolgte. Doch auch bei ihm holte die Nacht ihren Tribut, so schlief er in dem Sessel ein. Als ihn die ersten Sonnenstrahlen küssten sprang er panisch vom Sessel auf und hörte seinen Körper durch ein lautes Knacken ächtzen und stöhnen. Sein Blick richtete sich sofort auf das Bett. Es war leer. Aber er war sich so sicher gewesen, dass er sie gesehen, mit ihr geredet und sie gespürt hatte. Sofort machte er sich eilig auf dem Weg, um die Garage zu kontrollieren. Wenn da das Motorrad noch stand, dann war es kein Traum, dann war sie wirklich bei ihm. Er stürzte die Treppen hinunter so schnell ihn seine Beine trugen, doch bevor er die Tür zur Garage erreichte, musste er abrupt stoppen.
Vor ihm stand der Cop, der ihn in das Zeugenschutzprogramm gesteckt hatte. Mit verschränkten Armen schaute der Cop ihn an und hob eine Augenbraue. "Wo willst du denn so schnell hin?" Um Gewissheit zu haben war er nur noch einen großen Schritt entfernt. Jedoch stand ihm der großgewachsene Mann im Weg. Wusste er aber auch, dass er ihm nicht unbedingt von Angel erzählen sollte. "Also ich warte auf eine Antwort, Mister." Konnte er seine Gedanken dennoch nicht ordnen und eine Antwort klar formulieren. "Ich ... ähm, ich wollte nur nachschauen ob alles in Ordnung ist. Schließlich habe ich ein Geräusch gehört. Das musst wohl du gewesen sein." rümpfte er bei dem letzten Satz die Nase kraus. War es ihm doch eigentlich zu wider mit dem Cop so höflich umzugehen. Hätte er ihn doch am liebsten gerade beiseite geschoben, um endlich an die Tür der Garage zu kommen. Gerade als er einen Vorwand aufbringen wollte, damit der Cop wieder verschwand, tauchte Angel mit zwei Tassen Kaffee auf. "Chef hier sind die Kaffee. Ich habe zwei gemacht, damit sie mit ihren Kollegen ein umfassendes Gespräch führen können." Verwirrt schaute er sie an und sie nickte ihm mit einem bezaubernden Lächeln zu.
Der Barbesitzer ging mit dem Cop in sein Büro im Hinterzimmer, während Angel die Bar putzte. Es dauerte etwas über eine Stunde bis der Cop wieder verschwand und er zu Angel in den Gastraum kam. "Es tut mir leid, dass du dich so verstellen musstest. Ich habe dieses Leben so satt. Es ist schlimmer als der Knast." Angel schüttelte den Kopf und ging zu ihm. "Dann breche doch aus?" Sein Blick verriet ihr das er sie nicht ganz verstand, doch bevor er sie fragen konnte wie sie es meint, stürmte die Bar über 50 Biker. Alle Biker grüßten achtungsvoll Angel und sie begann zu schmunzeln, als sie seinen Blick sah. "Ich habe ein wenig Zeit gehabt und mal meine Crew hier ran geholt." er schluckte, da er nicht wusste ob er so viel Alkohol hatte. Er packte sie am Arm und zog sie in sein Büro. "Sag mal was soll das?" Wortlos kam sie zu ihm und setzte sich auf seinen Schoss, bevor sie ihm über die Wange strich. "Ich wollte deinem Laden nur ein wenig mehr Leben einhauchen und ich brauchte ein neues Headquarter." lachte sie.
Er zog eine Augenbraue hoch und verstand es nicht. Sie unterhielten sich lange, wodurch er auch ihre Vergangenheit erfuhr. In ihm stieg die Wut immer mehr auf, bis seine Faust auf dem alten Schreibtisch landete. War er doch mehr als wütend auf den Cop. Hatte er ihn doch Jahrelang verheimlicht, dass sich die Salvadors aufgelöst hatte und es keine Verhandlung gab. Er setzte Angel auf den Tisch und ging an einen der alten Schränke, die im Büro stand. Die Türen knarrten, als sie geöffnet wurden. Er holte seine alte Kutte hervor und zog sie sich über die Schultern. "Keiner betrügt mich!" Wollte er doch sofort los, um den Cop zur Rede zu stellen. Doch kam er nicht weit. Stand doch vor der Tür Angel und hielt ihn ab. Sie schaute ihn sehr verärgert an. "Meinst du wirklich, dass ich dich in deinen nächsten Rachezug ziehen lassen, obwohl ich dich gerade erst wieder habe?" fauchte sie ihn an. "Geh aus dem Weg, Angel. Ich will dir nicht weh tun." Angel blieb jedoch mit festen Stand vor der Tür stehen. So musste er sie erst beiseite schieben, bevor er weiter kam. Er legte seine große Hand mit festem Griff auf ihre Schulter, um sie aus dem Weg zu räumen. Doch bevor er sie zur Seite schieben können, lag er auf den Boden und sie saß auf ihm. Ihr Blick war ernst. "Ich habe gesagt, dass ich dich nicht gehen lasse."
Eine weitere Belehrung konnte sie nicht hervorbringen, da ihre Lippen mit seinen verschlossen wurde. Hatte er sie fest umschlungen und zu sich gezogen. Hatte sich sein Gemütszustand doch schnell umgeschlagen, als er ihren Blick gesehen hat. "Du hast ja recht, Kleines. Schließlich habe ich ja das Einzige was ich im Leben brauche." Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf, war es doch seit Jahren das erste Mal, dass sie aus dem Herzen schmunzeln musste. Angel löste sich von ihm und sie gingen gemeinsam wieder nach vorn. Die Biker waren sehr ausgelassen, doch in der Mitte des Saales war eine kleine Traube von Bikern zu sehen. Die Beiden schauten sich fragend an und gingen zu der Traube. War doch der Cop noch einmal zurück gekommen und hatte einen kleinen Aufstand angezettelt. Nun saß er geknebelt auf einen alten klapprigen Stuhl. Hatte man ihm doch schon gezeigt, wie man so etwas regelt. Angel schaute ihre Liebe an und man konnte glasklar erkennen wie sehr er den Cop hasste.
Ohne etwas zusagen ging er an ihm vorbei und holte seinen Helm. "Lasst uns fahren. Ich habe keine Lust mehr hier in diesem Kaff fest zu sitzen." Die Biker schauten etwas verwirrt zu Angel, die nur nickte und ein Handzeichen zum Aufbruch gab. Alle stiegen auf ihre Motorräder und sie fuhren auf den nächsten Highway. Nun hatte ihn die Straße wieder und nicht nur das. Eine neue Crew und das Wichtigste, seine Liebe waren an seiner Seite. Er bekam eine zweite Chance, auch wenn der Ausgangspunkt sich nun etwas verändert hatte. Das Einzige was nun in der Bar war, war der Cop der immer noch geknebelt war und die verschwendeten Jahre nach seinem Krankenhausaufenthalt. Auch wenn er wusste, dass ihm die Polizei nicht in Ruhe lassen würde und der Haftbefehl, welcher am Krankenhausbett ihm gezeigt wurde, sicherlich wieder in Kraft gesetzt wurde. War dieses Leben deutlich besser, als ein Barbesitzer in der Einöde, wo sich kaum einer hin verirren würde. Seine Zukunft fuhr neben ihn Richtung Horizont und dieser Gedanke machte ihn glücklich. Denn solange er bei ihr sein konnte, war ihm alles andere egal.
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