Man konnte es fühlen, dass sich etwas verändern würde. Es lag eine beunruhigende Stille über der kleinen Stadt Arkwood, die tief in den Wäldern Alabamas lag. Arkwood war auf keiner Karte verzeichnet und auch nur die Wenigsten wussten von dieser Stadt. In der Nacht zog ein schwerer Sturm auf und wirbelte durch das Blätterdach des angrenzenden tiefen Waldes, als ein kleiner Rabe, mit deutlichen Schwierigkeiten, versuchte sich in den Lüften zu halten. Als er merkte, dass seine Flügel, dem immer stärker werdenden Wind, nicht mehr lange stand halten würde, beschloss er Schutz im Wald zu suchen und bahnte sich einen Weg durch das dichte Blätterdach. Seine Landung auf den leicht schlammigen Boden war alles andere als elegant. Es folgten kleine Spuren seiner Füße bis sich diese in menschliche Schritte verwandelten.
In der Nähe des Landeplatzes des kleinen Rabens klopfte sich eine dunkle Gestalt ihre Kleider ab und steuerte direkt auf einen kleinen Hügel, der an einer großen, alten Eiche ruhte, zu. Mit ein paar kleinen Handbewegungen und einem leisen Singsang, der mit den Wind hinfort getragen wurde, begann sich der Hügel in ein kleines Häuschen zu verändern. Es war rustikal, aber es bat den Schutz, der an einer stürmischen Nacht wie dieser von Nöten war. Die Gestalt betrat das Häuschen und schloss hinter sich die Tür. Mit dem verschließen der Tür verschwand augenblicklich das kleine Häuschen. Von all den Geschehnissen im Wald ahnte man nichts in Arkwood.
Ciara
Diese Nacht war alles andere als perfekt zum Reisen gewesen. Ich hatte mir bei der Ankunft die rechte Schulter leicht verletzt, aber ich war froh endlich da zu sein und hoffte, dass ich meinen Auftrag schnellstmöglich erledigen würde. Viel zu lange war ich ihm schon hinterher gereist und dabei immer zu spät gewesen. Mein Zirkel wollte endlich ein paar Fortschritte sehen und nicht immer von mir mitgeteilt bekommen, dass er es erneut geschafft hatte ein paar wichtige Artefakte zu stehlen und ein Chaos dabei anzurichten. Der erste richtige Fortschritt, den wir erzielen konnten, war endlich seinen Namen herauszufinden. Auch wenn wir immer noch keine Ahnung hatten, was er mit den ganzen Artefakten wollte.
Ich streckte mich und ließ meine müden Muskel sich dehnen und meine Knochen zur Entspannung knacken. Heute würde ich es wohl nicht mehr in die Stadt schaffen, aber ich wusste das ich nicht weit entfernt sein konnte, da ich bei meinen Flug die schwache Beleuchtung sehen konnte. Den Rest würde ich morgen durch den Wald schaffen. Ich hoffte das ich unbemerkt mich die Straßen auf der Suche nach dem Artefakt bewegen könne. Auch wenn ich noch keine Ahnung hatte welches Artefakt hier sein würde. Ja, ich war in einem Zirkel, der die Wächter der Artefakte genannt wurde, doch auch für uns wurde es im Laufe der Jahrhunderte immer schwerer. Da sich der Zirkel immer mehr verkleinerte und die Artefakte in Vergessenheit sowie aber auch verstreut wurden. So konnte auch eine kleine Brosche, die ein Erbstück war und für den Urenkel einfach nur scheußlich aussah, ein sehr starkes Artefakt vergessener magischer Zeit sein. In diesen Artefakt war noch immer uralte Magie eingeschlossen.
Aber heute Nacht würde ich es nicht finden können und so beschloss ich, mir und meinen Körper etwas Ruhe zu gönnen und mich auf den nächsten Tag vorbereiten. Ich legte mich auf mein kleines Bett, welches mit Schaffellen und einer großen Wolldecke bestückt war. Es fühlte sich fantastisch an, endlich wieder in einem Bett zu schlafen und nicht auf einen sich im Wind bewegendem Ast. Noch bevor ich meine Kleider ablegen konnte riss mich die Erschöpfung in den Schlaf. In meinem Traum wanderte ich durch leere Straßen, bis ich an einem alten viktorianisch angehauchten Herrenhaus zum stehen kam. Ich schaute die Einfahrt hinauf und sah ein einzelnes Licht im Fenster des Hauses scheinen. Es zog mich förmlich wie eine Motte an. So ging ich hinauf und schritt durch die Tür. Mein Weg ging durch die große, prunkvolle Eingangshalle. Die Treppen hinauf und den Flur entlang. Bis ich vor einer schweren doppelten Eichentür stehen blieb. Ich legte meine Hände sanft auf und gab nur ein wenig Druck auf die Türen. Diese öffneten sich mit einer Leichtigkeit, als wären sie nur Luft. Ich betrat den Raum. Diesen musste ich von Außen gesehen habe. Denn es brannte eine kleine Schreibtischlampe auf einem mit goldverzierten Eichenschreibtisch. Darauf befand sich ein sehr hochwertiger Computer und ein großgewachsener, muskulöser Mann saß davor und rieb sich die Augen.
Dabei fiel ihm eine Strähne von seinem schwarzen Haar ins Gesicht. Er trug einen Sidecut, der nach hinten zu einem kleinen Knoten gebunden war. Sein schwarzes Seidenhemd, welches seine muskulöse Gestalt betonte, spannte sich an und definierte seine Muskel noch etwas mehr, als er tief einatmete und ein leises knurren ausstieß. Es schien so, als würde er mich gar nicht im Raum wahrnehmen. Ich wanderte um den Schreibtisch herum, um zu schauen was ihn so Kopfschmerzen verursachte. Auf seinem Bildschirm waren Berichte von mehreren Morden in den verschiedensten Teilen der Stadt offen und bis jetzt schien es fast so, als ob er keinen Anhaltspunkt hätte, was diese Morde verband. Mir wurde schlagartig klar, dass es hier um das Artefakt handeln musste. Es war Wilson. Er war in dieser Stadt und machte nun auch nicht mehr Halt vor einen Mord. Und das nur, um sein Ziel zu erreichen. Immer mehr stieg die Wut in mir und bevor ich mich selbst aufhalten konnte, war auch schon meine Hand auf der Schulter dessen Mannes, in dessen Büro ich gerade stand. Etwas tief in mir wollte ihm mein Mitgefühl mitteilen und ihm das Versprechen geben, dass ich Dr. Godric Winfrid Wilson aufhalten und bestrafen würde. Im gleichen Moment, wie meine Finger seine Schulter nur leicht berührten, durchströmte mich ein schwerer Duft von Sandelholz, der mir schlagartig den Atem nahm. Meine Augen schlossen sich und ich rann nach Luft. Die Hand, die auf seiner Schulter ruhte, zog sich ruckartig zurück und mit ihm der Duft.
Mit einem tiefen Atemzug öffnete ich die Augen und war wieder in meiner Hütte. Der Duft von Sandelholz lag noch wie ein Schleier in der Luft, als ich mich noch orientierte wo ich war. Die ersten Sonnenstrahlen hatten sich einen Weg durch das Blätterdach gebannt. Der Sturm, der die Nacht beherrscht hatte, hatte sich zum Glück gelegt und ich hoffte das mich bei der gestrigen Landung keiner gesehen hatte. Die rechte Schulter tat mir immer noch weh, als ich bei der Landung von einem herumwirbelnden Ast gestreift wurde. Mein Körper schrie nach einer Erfrischung und ich blickte suchend nach draußen. Das Glück war mir hold, da hinter meiner kleinen Hütte sich ein Fluss seinen Weg durch den Wald bahnte. Ich ging hinaus und bevor ich mich in das kühle Nass stürzte, erneuerte ich meinen Schutz und Bannzauber. Dieser schützte die Hütte, die durch den Zauber vor jedem verborgen lag, und nun auch ein Teil des Flusses. So war ich von außen nicht sichtbar, außer ich wollte es. Nachdem der Bannkreis neu gezogen und aktiv war, ging ich hinter das Haus zum Fluss und zog meine Kleider aus. Langsam stieg ich in das klare, kalte Wasser und setzte mich hinein. Die Kälte des Wasser blies die letzte Müdigkeit aus mir heraus und gab meinem Körper neue Energie. Meine Augen schlossen sich, um den Moment der früh morgendlichen Ruhe zu genießen.
So kam es, dass ich nicht gleich bemerkte, wie zwei kleine Hasen panisch vor etwas davon liefen. Erst der leichte Hauch von Sandelholz, der schlagartig dichter und schwerer wurde, holte mich aus meiner Trance. Es war der gleiche unverwechselbare Geruch, den ich in meinem Traum hatte. Doch als ich meine Augen öffnete, sah ich weder ihn noch einen anderen Menschen in der Nähe des Flusses. Es kam nur ein großer, schwarzer Wolf am anderen Ufer zu dem Fluss. Seine bernsteinfarbenen Augen wirkten wachsam und zugleich nachdenklich. Die erhabene Gestalt und die dominante Ausstrahlung faszinierte mich sofort und ließ meinen Atem kurz aussetzen. Meine grünen Augen beobachteten jede seiner Bewegungen. Nach einem kurzen Schluck aus dem Fluss richtete der Wolf seine Nase in die Luft und zog die Gerüche in seiner Umgebung tief ein. Er hielt kurz inne und schaute direkt in meine Richtung. Als sich unsere Blicke trafen setzte mein Herz für einen Schlag aus und ein tief vergrabenes Gefühl stieß mit aller Kraft hervor und nahm den ganzen Raum für sich ein. Es war Verlangen, Lust. Der reine Trieb. So etwas hatte ich noch nie gespürt. Noch mehr verwirrte mich die Tatsache, dass sich diese Gefühle auf der tierischen Seite befanden. So sahen und sahen wir uns nicht minutenlang an. Ich vergaß, dass ich im kalten Wasser saß und mein Körper zunehmend auskühlte.
Doch wollte ich meine Tarnung nicht aufgeben. Der Wolf schüttelte seinen Kopf, als ob er sich selbst wieder zu Sinnen rüttelte und verschwand wieder in den Wald. Jedoch drehte er sich noch einmal um mit seinem Blick in meine Richtung gedreht, bevor er ganz verschwand. Ich wartete noch einen Augenblick ab, bevor auch ich aus dem Wasser stieg zurück in die Hütte. Dort trocknete ich mich ab und schlüpfte in ein paar zeitgenössischere Kleider. Meine Wahl fiel auf ein kleines, fließendes, schwarzes, ärmelloses Kleid. Dazu kombinierte ich ein petrolfarbenen Seidencardigan mit einem Rankenmuster. Darauf zog ich noch ein paar einfache schwarze Schnürrstiefeletten an. Nachdem ich mit dem Outfit zufrieden war musste ich mir noch überlegen, wie ich unbemerkt in die Stadt kommen würde. Durch die Verletzung an meiner Schulter war Fliegen definitiv keine Wahl. Aber auch so durch den Wald zu spazieren, würde auch nicht so unauffällig sein. So beschloss ich mich doch zu verwandeln. Ich verließ meine kleine Hütte und verwandelte mich im nächsten Augenblick in eine kleine Rotfüchsin. Mit wachsamen Blick streifte ich durch den Wald und versuchte mir den Weg zu merken, den ich in die Stadt nahm. Im Inneren meines Selbst hoffte ich auf eine weitere Begegnung des Wolfes, auch wenn es in meiner jetzigen Gestalt eher nicht zu meinem Vorteil wäre. Immer wieder schüttelte ich den Gedanken beiseite, und doch versuchte meine Nase den Geruch von Sandelholz im Wald zu suchen.
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