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Die gestohlenen Artefakte (Teil 3)

 In der kleinen Stadt begann mit den ersten Sonnenstrahlen wieder das Leben aufzublühen. Emsig ging jeder seiner Arbeit nach. Es viel jedoch auch einem ungeübten Auge auf, dass es fast schon so schien, als ob jeder Bewohner von Arkwood sehr athletisch war. Im Stadtkern auf einer kleinen Einkaufsmeile wurden gerade die Türen eines kleinen Café geöffnet. Mit den Türen begann es um den kleinen Eckladen herrlich nach frischem Gebäck und Kaffee zu duften. Das Café schien eine hohe Beliebtheit zu genießen, was wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet war, dass jeder Bewohner wusste, dass dies das Lieblingscafé des Alphas war. Jeden Tag erhofften sich einige Gäste, dass sie ihn hier drin begegnen würden. Vor allem die jungen Frauen aus dem Rudel, denn das der Alpha noch immer Partnerlos war, war ein offenes Geheimnis. Einige der älteren Stadtbewohner hatten den kleinen Verdacht, dass er keine Luna finden könne, da er doch lieber einen männlichen Partner haben würde. Doch diese Gerüchte wurden meist im Keim erstickt. So war es doch für viele überraschend, als der Dodge Challenger des Bürgermeisters vor dem Café hielt und er nach Monaten wieder einmal allein das Café betrat. Sofort bildete sich eine Traube von Menschen, vorwiegend Frauen, um ihn und begleiteten ihn. 


Ciara


Mein Lager hatte ich doch nicht so weit von der Stadt errichtet, wie ich anfangs dachte. Nach den kleinen Sprint in der Rotfuchsgestalt verwandelte ich mich in einer Gasse wieder zurück, aber nicht ohne vorher genau zu prüfen, ob man mich sehen könnte oder nicht. Denn es lag mir mehr als fern, von irgendwen dabei gesehen und verurteilt zu werden. Ich wusste wie das enden könnte. Eine meiner Schwester hatte leider das Pech an ihren Sohlen und wurde bei einer Wandlung gesehen. Sie kehrte nie wieder in den Schoss unseres Zirkels zurück. Bei diesen Gedanken daran krampft sich immer wieder alles zusammen. Als ich aus der Gasse kam, fügte ich mich einem Strom von Menschen an. So würde ich nicht auffallen. Nach einem kleinen Spaziergang durch die Straßen, kam zu einem kleinen Café. Es schien fast so, als würde darin der Papst persönlich frühstücken, so umringt mit Menschen war es. Der Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen, die aufgebrüht wurden und warmen Gebäck ließ in mir den Drang und die Sehnsucht nach einer Latte Macchiato mit einem kleinen Schuss Caramelsirup aufkommen. Noch bevor ich mich aktiv dazu entscheiden konnte, dass ich mir dieses Café ansehen sollte und das auch von innen. Hatte sich mein Körper schon in Gang gesetzt und ich war hineingegangen. 

Als ich durch die Tür des Café ging mischte sich noch ein anderer Duft hinzu. Es war Sandelholz. Der gleiche Duft wie in meinem Traum und wie im Wald, als ich den schwarzen Wolf gesehen hatte. Wie konnte es sein, dass mich dieser Duft seit meiner Ankunft hier verfolgte. Mit dem erhaschen des Duftes suchten meine Augen sofort nach ihm. Ihm der in meinem Traum an den Schreibtisch saß. Wenn ich ihn sehen würde, dann wüsste ich, dass es kein Traum war. Doch meine umherschweifenden Blicke sahen ihn nicht. Nur eine große Traube von jungen Frauen, die sich mehr oder weniger versuchten sich gegenseitig auszustechen. Ich wandte mich dem Geschehen ab und schaute auf die Angebotskarte. Schließlich war ich hier für einen Kaffee und nicht für Klatsch und Tratsch. Es wäre mir sicherlich einfacher gefallen, wenn nicht es so sehr Sandelholz duften würde. Der Geruch wurde kurz stärker, als sich die Traube an mir vorbeidrängte. Mit der Intensität des Sandelholzes stieg in mir der gleiche Drang wieder auf, wie bei meiner tierischen Begegnung am Fluss. Ich muss wohl in meinen Gedanken vollkommen versunken gewesen sein, dass ich nicht gleich mitbekam, wie die Bedienung mich ansprach. "Miss, darf ich ihre Bestellung aufnehmen? Miss?" fragte sie mich mit einem der bezauberndsten Lächeln, was ich je gesehen hatte. 

Nach einem kurzen Schütteln gab ich meine Bestellung auf und beschloss mit meinem Kaffee nach draußen an einen der kleinen Tische zu gehen. Meine Gedanken sprangen immer wieder hin und her, sodass ich diese erst einmal wieder sortieren und mich ermahnen musste, wieso ich in diesem Städtchen war. Dabei schnappte ich ein kleines Gespräch zwischen zwei wartenden Kunden auf. "Was glaubst du, wird er uns dieses Jahr mit einer Luna endlich überraschen?" -  "Ja Zeit wäre es. Aber ich glaube nicht, dass er es bis zum nächsten Blaumond schaffen wird. Schließlich ist das Fest ja schon in wenigen Tagen." nickend stimmte der andere Gesprächspartner zu. Das Gespräch hinterließ mehr Fragen als Antworten, auch wenn tief in mir, ich die Antwort um was es sich genau drehte schon kannte. Hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass dies nur ein Legende war. Aber ich musste in einem der noch wenigen Städte von Wölfen sein. Es ergingen einige Momente bis ich realisierte, um welches Artefakt es gehen könnte. Eines was sehr viel Macht besaß. Nach dieser Erkenntnis bemerkte ich stechende und durchdringende Blicke, die auf mich gerichtet waren. Ein charmant wirkender, groß gewachsener Mann sah direkt zu mir mit seinen eisblauen Augen. 

Als sich unsere Blicke trafen, spürte ich einen Anflug von Vorsicht aufwallen. Irgendetwas brachte mich dazu wieder weg zu schauen und mein Glas zu leeren. Für mich war es an der Zeit ein wenig mehr herauszufinden, was es mit dem Blaumond auf sich hatte und um schnellstmöglich von den Blicken, die noch immer auf mir brannten, weg zukommen. Es gab nur wenige Ort wo ich mein Wissensdurst befriedigen konnte. Mit einigen Wegweisern und freundlichen, hilfsbereiten Menschen fand ich schnell wonach ich suchte. Ich stand vor einer schweren Holztür, die mit Eisenverzierungen, die mir den Zugang zu der Stadtbibliothek gewähren sollte. Nach einem tiefen Atemzug und dem Bereuen, keinen Snack mitgenommen zu haben, schritt ich ein und erkundigte mich bei der Bibliothekarin nach Schriften alter Legenden und Bräuche der Stadt. Die Bücher stapelten sich neben und vor mir. Ich hatte für die nächsten Stunden definitiv genügend Lesestoff. Nach vier Stunden in der Bibliothek und dem x-ten Buch von der Stadt tanzten die Buchstaben über die Zeilen und vermischten sich zu einem schwarzen Brei. Ich brauchte dringend eine Pause. Mein Blick erhob sich von den Büchern und ich sah wie die Bibliothekarin diskret in meine Richtung wies. Vor ihr standen drei große, schrankbreite Männer mit finsteren Mienen. 

Sie richteten den Blick zu mir und setzten sich im gleichen Augenblick in Bewegung. Ihre Bewegungen war trotz ihrer schieren Größe und Breite leichtfüßig. Ich atmete tief ein und aus, hatte ich doch keine Lust auf Erklärungen wieso ich diese Bücher studierte. So senkte ich meinen Blick wieder und sprach leise den Spruch der leichten Betörung. Unser Zirkel duldete Zauber gegen andere Wesen und Menschen, aber man sah es nicht gern. Doch war es das humanste Mittel, um weiter unbemerkt zu bleiben. Kaum verließ die letzte Silbe meine Lippen und war ausgesprochen, landeten vier schere Hände vor mir auf dem Tisch. "Entschuldigen Sie die Störung, aber ich hätte ein paar Fragen an Sie, wenn Sie gestatten, Miss." Langsam hob ich meinen Kopf und legte ein kleines Lächeln auf meine Lippen. Ich wusste sobald nur eine Silbe meine Lippen verließ würde ich das Gespräch lenken. Doch wollte ich erst wissen, was mir vorgeworfen wurde. So nickte ich still, dabei hielt ich den prüfenden Blicken der vor mir stehenden Person stand. Dabei war zu erkennen, dass er von den Drei das Sagen hatte. Mit einem eher förmlich und gezwungenem Lächeln donnerten die basshaltige Stimme mit einer Ernsthaftigkeit hinunter, dass ich die angst verspürte darunter begraben zu werden.

"Es ist aufgefallen, dass Sie, die keinen Stadtausweis haben, sich doch sehr für unsere Stadtgeschichte und Bräuche interessieren. So fragen wir uns nun natürlich, wieso sie soviel darüber wissen wollen. Wenn sie doch ersichtlich nicht aus dieser Stadt stammen." Ich nickte verständlich und legte mir über meine vollen Lippen, bevor ich sprach. "Es ist richtig, das ich nicht vor hier stamme. Und doch fasziniert mich diese Stadt. Sie zog mich mit ihrer Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit in den Bann. So musste ich einfach mehr über diese Stadt erfahren und wo kann man das besser, als in der Stadtbibliothek? Ich hoffe, ich habe ihnen keine Umstände mit meiner Neugier gemacht?" Jedes einzelne Wort war ein warmer Honig für Geist und Seele in meiner unmittelbaren Umgebung. So konnte man doch sehr gut sehr, wie sich die Stimmung der drei Herren deutlich veränderte. Ich betonte bestimmte Schlüsselwörter ein wenig mehr, sodass ich die Stimmung, welche ich hervorlocken wollte ein wenig mehr. "Dagegen spricht auch nichts. Nur sind wir momentan ein wenig vorsichtiger, da wie sie sicherlich schon in den Bücher gelesen haben, ein wichtiges Fest ansteht. Darf ich sie denn fragen, seit wann sie in unserer kleinen Stadt sind und wie lange sie denn bleiben möchten?" erkundigte sich der Herr. 

Bei ihm schien es noch nicht so zu wirken, wie ich es mir erhofft hatte. Auf seine Fragen musste ich schnell eine gute Antwort finden, ohne das er einen Verdacht schöpfen würde, wieso ich wirklich hier bin. "Ich bin erst seit wenigen Stunden hier angekommen, da die Anreise doch ein wenig beschwerlich war. Das sie vor dieser wichtigen Zeremonie vorsichtiger sind, kann ich sehr gut nachvollziehen. Doch glauben sie mir, wenn ich ihnen sage, dass mein Aufenthalt nicht von Dauer sein wird. " meine Worte wurden von einem bezaubernden Lächeln untermalt und ich hoffte, dass dies ausreichen würde, um ihn gnädig zu stimmen. Doch schien meine Antwort ihn nicht zu genügen. Er befahl seinen Männern mir näher zu kommen und weihte mich nun auch über seine Absichten ein. "Die Zeremonie ist für uns zu wichtig, als dass ich sie einfach hier in der Stadt rumlaufen lassen kann. Ich bitte sie einfach mit uns mitzukommen, um es für sie so einfach wie möglich zu machen." Mit diesen Worten wurde ich von den beiden anderen Schränken beim aufstehen begleitet. Ich nickte nur und ergab mich meinem Schicksal, vorerst. aber nicht ohne mir einen Plan zu schmieden, wie ich wieder aus dieser Lage herauskommen würde. Denn ich war mir sicher, dass ich für diese Gemeinschaft die einzige Chance war, dass sie die blaue Zeremonie durchführen konnten. 

Vor mir lief, wie ich später heraus finden sollte, der Beta des Rudels und nur kurz dahinter war ich zwischen den Schränken gesteckt wurden. Jeder andere hätte in meiner Situation einen Fluchtversuch gestartet, aber ich war eher zu neugierig, wieviel man über mich wusste und wo man mich hinbringen würde. Ich hatte das Gefühl, dass ich, da wo ich hingebracht wurde, mehr antworten bekommen würde. Die Bibliothekarin schaute uns hinterher bevor sie sich an die Arbeit machte, die Bücher wieder ins Regal zu räumen. Dabei versuchte sie sich selbst zu beruhigen, dass sie das Richtige getan hätte. Schließlich hatte vor wenigen Tagen der Beta die stille Regel ausgesprochen, dass man jeden melden sollte, der zu sehr Interesse an der Stadtgeschichte und ihren Bräuchten zeigte. Ich stieg hinten in eine schwarze Limousine ein, die direkt davor geparkt war. Neben mich setzte sich einer der Schränke, der Andere klemmte sich hinter das Steuer und fuhr sofort los, als alle im Wagen saßen. Die Fahrt dauerte nicht all zu lange und fuhren durch ein großen Eisentor auf ein hiesiges Grundstück. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier schon einmal gewesen war. 

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