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Nullam felis tenebrarum (Teil 14)



Ellen saß mit Tyran schon an der großen Tafel in meinem Wohnzimmer. Sie hatte schon einige Jahre auf ihren Rücken. Ich setzte mich leise zu ihnen und schaute sie mit ernster Miene an. „Wow Hexlein, wo willst du denn hin. Das Gewand ist sicher schon einige Jahrhunderte alt, oder? Aber du siehst richtig sexy darin aus.“ Meinte Ty, als er mich mit seinen alten Augen musterte. Ich zog eine Augenbraue hoch und schüttelte leicht den Kopf bevor ich mit meiner kleinen Ansprache an die Beiden begann. „Ich war beim letzten Vollmond im Wald an der Stadtgrenze, wo mehr Werwölfe als andere Gestalten momentan wohnen. Also würde ich auch es bevorzugen, wenn keiner von euch beiden allein dahin geht. Zudem brauche ich ein wenig Hilfe bei einer Sache. Seit Tagen bekomme ich immer mehr Zeichen und ich muss herausfinden was sie bedeuten. Das heißt, dass ich Informationen bekommen muss. Dazu brauche ich eure Hilfe, denn ich habe noch nicht so viele Kontakte wie ihr beide. Könntet ihr einige Informationen über den weißen Wolf einholen? Er scheint sehr alt zu sein und es gibt eine Verbindung. Also ich muss wissen wer es ist. Aber tut mir bitte den Gefallen, dass ihr euch nicht in Gefahr begebt.“    
Beide sahen mich etwas verwirrt an, aber nickten dennoch. Ich bat Tyran die Beschreibung des Mannes Ellen zu geben. Auf die Frage von Ellen, wieso ich so viele Informationen über ihn haben wollte, antwortete ich nur sporadisch. „Ich möchte nur wissen mit wem wir es zu tun haben. Denn man sollte seine Feinde immer näher um sich haben, als seine Freunde. Zudem wird es uns etwas nützen, wenn wir viel über ihn wissen. Denn sollte es einmal zu einem Kampf kommen, könnten uns Hinweise immer nützlich sein.“ Über meine Träume und das Gefühl was ich hatte wollte ich nicht mit den beiden sprechen. Dazu war es mir zu intim, vor allem wenn sich mein Verdacht bestätigen sollte. Dann wäre es ein zu großes Risiko für die Beiden. Nachdem wir noch einen kleinen Plan erstellt hatten ging ich meinem anderen Geschäft nach. Ich brauchte für meinen kleinen Laden noch eine Aushilfe. So gab ich noch ein Stellenangebot an die Stadtzeitung per Mail heraus und hoffte dass ich so schnell jemanden neues einstellen konnte.

Der restliche Abend verlief sehr gemütlich, denn ich gab Ellen ein paar praktische Lehrstunden in Hexenkunde und Tyran verließ das Haus um mit ein paar seiner Leute Kontakt aufzunehmen. Innerlich ließ mich die Sache nicht los und immer wieder erwischte ich mich dabei, dass ich nicht richtig aufpasste, wenn Ellen einen Fehler machte. So brach ich es nach einer halben Stunde ab und gab ihr die Aufgabe, dass sie sich morgen einen kleinen Kräutergarten anlegen sollte in meinem Garten. Dafür musste sie überlegen welche Pflanzen sie brauchte und wo sie diese herbekommen würde. Ich verzog mich erst in mein Gemach zurück und holte eine kleine Kiste, bevor mit dieser nach draußen ging und mich auf die Bank unter der alten Weide setzte. In der Kiste waren kleine Erinnerungsstücke von der Zeit mit Erasmus. Ein kleines Seufzen kroch mir aus der Kehle, als ich den Ring, den er mir geschenkt hatte, in den Fingern hielt. Erasmus war der erste Mann nach meiner Wandlung gewesen, der mich berühren durfte.


Ich schloss den Ring fest in meine Hand und schloss die Augen. In meinen Gedanken reiste ich zurück in die Nacht wo wir uns das erste Mal getroffen hatten. Es war auch eine sternenklare Sommernacht so wie diese, als es wild an meiner Tür klopfte. Ich war schon ein paar Stunden wach und hatte mir im Wald mein Frühstück gejagt. Als ich das Klopfen vernahm drehte ich mich blitzschnell um und ging leisen Schrittes zur Tür. Das Klopfen klang mühsam, sodass man vermuten musste, dass die Person, die klopfte, einen langen Fußmarsch schon hinter sich hatte oder sogar verletzt war. Aber nach der Begegnung mit meinem Macher war ich doch etwas vorsichtiger geworden. Langsam öffnete ich die Tür und da stand er. Erasmus. Seine Kleidung war zerrissen und an einigen Stellen konnte man kleinere Wunden sehen. Er brach vor meinen Augen zusammen, doch bevor er zu Boden ging, raunte er mit letzter Kraft: „Hilf mir.“ Ohne weiter zu überlegen, zog ich ihn in mein Haus und verschloss die Tür. Ich zog ihn aus, wusch und versorgte die Wunden auf seinen Körper. Mehrere Kratzer, von einem großen Tier, zierten seinen Körper. Er blieb einige Tage und Nächte bewusstlos, bevor er in der siebten Nacht aufwachte.


Dankend wollte er weiterziehen, doch ich bat ihn an noch eine Weile zu bleiben bis er sich gestärkt hatte. Mit einem Nicken nahm er mein Angebot an und er blieb bei mir. Das war der Anfang von einer wunderschönen Zeit. Bis zum dritten Vollmond. An diesem Abend ging Erasmus wieder einmal in den Wald. Er hatte mir nie gesagt was er tat, umso neugieriger machte es mich. Leise schlich ich ihm nach und sah wie er sich auf einer großen Lichtung in einem Werwolf verwandelte. Sein Fell hatte die Farbe des Mondscheins und seine Augen waren eisblau, wie ein See im Mondschein. Er war ein sehr stolzer Wolf, vielleicht der stolzeste und schönste den ich je gesehen hatte. Ich wollte noch etwas mehr sehen und ging von dem einen Ast zu einem anderen. Das war mein Verhängnis, denn dieser brach unter meinen Füßen zusammen und ich stürzte vor ihm ab. Sein Blick war wirr und hatte etwas urisches. Doch er fiel mich nicht an, er schaute mir in die Augen und rannte dann in die Nacht hinein. Die Stille der Nacht wurde von einem Heulen was seines war unterbrochen. Dieses Heulen war so deutlich in meiner Erinnerung, dass es mir schon fast real vorkam. Ich öffnete die Augen und sah ihn am Zaun stehen.

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