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Die Maske der Lust (Teil 1)

Noel und ich waren von Seattle nach New York Manhattan gezogen. Doch nach dem Umzug mussten wir uns eingestehen, dass wir in unserer vier jährigen Beziehung in einer Flaute steckten. Keiner von uns wusste wie wir da wieder raus kommen sollten. Auch so schien uns die neue Umgebung und Stadt eher zu verschlingen und uns weiter von einander fortzutragen, als uns näher zusammen zuführen. So machte Noel immer mehr Überstunden im Büro und ich blieb allein zu Hause mit dem Essen zurück. Selbst im Bett ging nichts mehr. Ihm wurde alles zu viel und langweilig zugleich. So versuchten wir uns einzureden, dass unserer Beziehung eine räumliche Trennung gut tat. Jedoch trat das Gegenteil an und wir verirrten uns immer mehr im Großstadtgewirr. Ich war in ein kleines Einzimmer-Appartment in den Osten von New York gezogen und Noel blieb in Manhattan.


Der Frühling hatte sich gerade über New York gelegt, als es vier Monate her war, dass wir uns räumlich getrennt hatten. Nach der Trennung versuchte ich anfangs krampfhaft noch Kontakt zu halten, doch dieser schlief wohl als einziger in New York schnell ein. Ich war gerade auf dem Weg ins Café, was vier Blocks von meiner Wohnung lag, wo ich einen kleinen Job ergattern konnte. Auf dem Weg wurde es zu einem Ritual, dass ich durch den kleinen Park ging. Die ersten Vögel zwitscherten und überall konnte man das leise und doch wunderschöne Erwachen der Natur sehen und erleben. Immer mehr Menschen, so schien mir, gingen nun durch die kleine aufblühende Oase, um für einen kurzen Moment abzuschalten. Bei meinem Job hatte ich wenigstens einmal, seit meinem Umzug Glück gehabt.


Denn eigentlich war ich zum Schreiben nach New York gegangen, wenn man einmal absah von dem naiven Gedanken, der Liebe wegen. Ich hatte schon als Kind davon geträumt als Autorin zu arbeiten und meine eigenen Bücher zuschreiben. Doch ich hatte schnell lernen müssen, dass es nicht so einfach war, wie ich es mir vorstellte. So hatte ich ein halbes Jahr nach dem Umzug meinen Traum vom Job einer Autorin Abschied genommen und stellte mich nun der Realität. In meinem Fall hieß es Kunden zu bedienen, Kaffee einzuschenken, kassieren, Tische abwischen und Teller spülen. Da zu Haus niemand auf mich wartete machte es mir nichts aus, fast jeden Tag Überstunden zu nehmen, oder noch eine Schicht zu übernehmen. Insgeheim kam es mir gelegen, denn ich wollte schweren Herzens wieder zurück nach Seattle.


So sparte ich ein kleinen Teil meines Gehalt und meine Trinkgelder für einen Umzug. Meinem Chef kam es immer gelegen, dass ich stetig mehr arbeitete. Denn so sparte er sich noch einen weiteren Arbeiter, den er bezahlen musste. Kelly, meine Mitarbeiterin und gute Freundin, verstand nicht wie ich mich so ausbeuten konnte. Sie selbst träumte davon hier am Broadway berühmt zu werden. Doch auch für sie, die aus Jersey kam, war ihr Traum immer weiter in die Ferne getrieben. Sie selbst passte jedoch nicht wirklich in dieses kleine schon fast heruntergekommene Backsteincafé. Ihre große und doch zierlich wirkende Gestalt mit den fließenden goldblonden langen Haar, den strahlenden braunen, unschuldig blickenden Rehaugen hatte mich seit dem ersten Tag fasziniert. Ich wollte sie unbedingt näher kennen lernen und war über ihre lebensfrohe und doch sehr freche Art sehr überrascht.


Eher hatte ich sie als schüchtern und zurückhaltend eingeschätzt. Doch ihre freche Art zog einige unserer Stammkundschaft an. Oftmals passierte es auch, dass unsere Kunden Freunde mitbrachten und diese ins offene Messer laufen ließen bei Kelly. Sie hatte kein Interesse an dem "starken" Geschlecht. Sie interessierte sich eher für Frauen, doch hatte sie selbst schnell merken müssen, dass ich für sie nicht zur Verfügung stand, auch wenn ich perfekt in ihr Beuteschema passte. Kelly lud mich nach unserer ersten gemeinsamen Schicht noch auf ein Drink ein, wo wir uns stundenlang unterhielten. Wir hatten vollkommen die Zeit aus den Augen verloren und ehe wir uns versahen machte die Bar schon zu. Das war auch das erste Mal, dass ich mit zu ihr ging. Je länger wir zusammen arbeiteten um so häufiger wurde es, dass die eine bei der anderen über Nacht blieb.


Die Monate vergingen und mein kleiner Sparstrumpf füllte sich nur sehr langsam. Der Frühling war schon lange vorbei gezogen und auch der Sommer neigte sich seinem Ende zu. Es war Ende September und die ersten Blätter trugen nun ihr farbenprächtigestes Kleid. Der Wind wurde immer kälter und kündigte langsam den Herbst an. Nach langer Zeit hatte ich mal wieder einen Tag frei und dennoch zog es mich in das Café, wo ich arbeitete. Ich hatte es mir gerade an einem kleinen Tisch am Fenster gemütlich gemacht und mein Tablet heraus geholt, als sich die Wolken verdunkelten und es leise und ganz still begann zu regnen. Mein Blick richtete sich gegen den Scheibe an denen sich die ersten Regentropfen trafen und gemeinsam eine kleine Spur aus Wasser hinunter zogen. Melancholie machte sich in meiner Seele breit und ich bekam das Gefühl mal nach Noel zu schauen.


Seit ich hier im Café angefangen hatte, hatte ich nicht mehr an ihn denken müssen. Und nun kam die Sehnsucht und die Traurigkeit über das Ende unserer Beziehung wieder. Ehe ich mich versah hatte ich schon meinen Facebook-Account geöffnet und seinen Namen bei meinen Freunden gesucht. Meine Finger machten sich selbstständig und öffneten sein Profil. Ich scrollte hinunter und mein Herz durchzog ein stechenden Schmerz, als ich laß das er seid Anfang Januar mit der Sekretärin in seiner Firma liiert war. So schnell hatte man mich also austauschen können. Nun kam ich mir so dumm vor, dass ich es nicht schon vorher kommen gesehen habe. "So ein Arsch. Der hatte dich gar nicht verdient, Süße." schnaufte es hinter mir. Kelly hatte meinen Cappuchino in der Hand und beugte sich über meine Schulter.


Sie hatte alles über die Beziehung von mir erfahren und man konnte ihren Missmut ihm gegenüber deutlich im Gesicht erkennen. Sie stellte die Tasse ab und setzte sich für einen kleinen Moment neben mich. "Weißt du was wir heute machen?" fragte sie mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen. Ich atmete tief ein und schüttelte den Kopf. Mein Kopf der so leer und nur mit einer Frage gefüllt war. 'Wieso tat es so verdammt weh?' Ihre Hand legte sich wie ein sanfter Seidenschal um meine Schulter. "Wir werden heute feiern gehen. Und du wirst sehen. Dir werden die Männer zu Füßen liegen." Gerade als ich versuchen wollte dankend abzulehnen, setzte sie noch nach. "Ein Nein lasse ich von dir nicht gelten. Also du kommst mit mir nach der Schicht und wir gehen erst einmal richtig shoppen. Dann ziehen wir uns um und verdrehen den Männern den Kopf."


Damit sprang sie auch schon wieder vom Stuhl auf und ging mit ihrem hellen Lachen zu den anderen Tischen und bediente diese. So blieb ich bis zu ihrem Schichtende im Café und beobachtete sie nur zu gern, wie sie ein paar halbstarken Typen klarmachte, dass sie sich es aus dem Kopf schlagen konnten, auch nur einen Hauch von einer Chance bei ihr zu haben. Nachdem der letzte Gast bezahlt und das Café verlassen hatte half ich Kelly bei den Tischen und dem Säubern der Theke und dem Boden. Dabei lief Katy Perry im Radio, was wir laut aufgedreht hatten. Kelly kontrollierte noch die Kasse und nahm ihr Trinkgeld, bevor wir nach draußen gingen. Der Regen hatte zum Glück aufgehört und die letzten Strahlen der Abendsonne lachten uns entgegen. Mit der U-Bahn fuhren wir zur Water Street, um im South Street Seaport einzukaufen.


Je länger wir durch die Laden stöberten und je mehr wir anzogen, um so heller wurde meine Stimmung. Nach unserem kleinen Shoppingtrip freute ich mich auf den Club und konnte es kaum noch erwarten mein neues Teil anzuziehen. Kelly nahm mich zu sich und wir hübschten uns etwas auf, bevor wir kurz vor zehn in ein Taxi stiegen um zum Get Punished zu kommen. Gekonnt schmuggelte uns Kelly hinein, ohne das wir Eintritt zahlen mussten. Ich war überwältigt von der Größe und den Massen von Menschen die sich an diesem Abend auch etwas amüsieren wollten. Hier würden wir sicherlich ein wenig Spaß haben. Da war ich mir sicher. Unser erster Weg führte uns an die Bar. Bestückt mit unseren Cocktails beobachteten wir erst die Tanzfläche und genossen die kühlen Drinks.

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