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Die goldene Maske (Teil 2)

 Es wurden zwölf Mädchen aus unterschiedlichen Räumen mit einem schwarzen Samtschal über den Augen geholt. Alle Mädchen hatten nur ein leichtes, verschmutztes, weißes Longshirt an. Mit ihren nackten Füßen stolperten sie in Begleitung von Männern den Gang entlang, Richtung des Ausgangs. Zufrieden bei dem Anblick der Mädchen und dem Wissen, dass es ein erfolgsversprechender Abend werden würde, hielt er ein kleines Glas Wasser, in dem sich eine Aspirin gerade sprudelnd auflöste, in der Hand. Er beobachtete den Transport der Mädchen und funkelte seine Männer, welche zu grob zu den Mädchen waren, streng an. Sie wussten, dass sie die Mädchen, wenn sie weg gebracht wurden, nicht zu hart anfassen durften. Schließlich waren sie die Waren, die heute über den Tisch gehen sollten. Aiden war ein strenger Boss und so war es nicht verwunderlich, dass auch einmal der eine oder andere Mann verschwand, wenn er sich gegen Aiden auflehnte und es zu weit trieb. Er stand vor Zinas Zelle und schob den Riegel vor der Tür und trat ein.

Zina kam nach kurzer Zeit ihrer Ankunft in der Zelle mit großen Kopfschmerzen wieder zu sich und schaute sich verängstigt um. Wacklig versuchte sie sich auf die Beine zu stellen und einen Schritt zu machen. Dabei hielt sie sich stützend an der Wand fest. Bei dem Schritt erschrak sie, als sie das Rasseln der Fußfessel hörte. Sofort blieb sie wankend stehen und schaute an sich herunter. Ihre Kleidung fehlte komplett und erst jetzt spürte sie die Kälte auf ihrer Haut. Schwer atmend presste sie sich gegen die kalte Wand um nicht nach hinten zu kippen. Sie hockte sich hin und schaute, ob sie die Fußfessel irgendwie los werden würde. Als dies nicht funktionierte fühlte sich ihr Brustkorb so schwer an, als würde jemand ihr die gesamte Luft aus den Lungen pressen wollen. Hastig versuchte Zina ihre Lungen mit schnellen, unkontrollierten Atemzügen zu füllen, um das Engegefühl los zu werden. Dabei verschlimmerte sie es nur noch mehr und sie hatte das Gefühl noch weniger Luft zu bekommen. 

In ihrer Verzweiflung liefen ihr die Tränen über die Wange, wollte sie doch eigentlich nur einen schönen Urlaub haben und nun saß sie in einem fremden Land nackt, ohne Papiere, ohne eine Ahnung wo sie war, in einem stickigen, dunklen Kellerraum. Die Verzweiflung stand ihr sichtlich ins Gesicht geschrieben. Sie kauert sich noch etwas mehr in die Ecke und beginnt erbittert zu weinen. Ihre Gedanken springen immer wieder hin und her von einem Szenarium zum anderen. Dabei endeten alle mit ihrem eigenen Tod. Ihr Körper hyperventilierte und ihre Panikattacke wurde immer größer. Bis sie die ersten Geräusche im Gang wahrnahm. Türen wurden geöffnet und es wurden Leute weggebracht. Immer wieder hörte sie harte, dunkle Stimmen die Anweisungen gaben. Auch Kettengeräusche waren zu hören. 

Dazwischen sind immer wieder ein höhnisches Lachen mit unterschiedlichen weinerlichen Schlurzen, welche sich gedämmt anhörten, gepaart zu hören. Diese Geräuschkulisse war für Zina die reinste Hölle und in ihrem schmerzbehafteten Kopf gingen immer wieder die Alarmsignale an. Sie musste es irgendwie schaffen hier heraus zukommen, auch wenn sie nicht wusste wo sie überhaupt war. Dabei fragte sie sich auch immer wieder wer sie hier überhaupt hingebracht hatte. Sie konnte sich nur noch an den Abend im Club erinnern, wo sie sich mit einem gutaussehenden Mann treffen wollte. Doch dann verschwammen ihre Erinnerungen immer mehr im Nebel. Selbst als sie sich zwang den Erinnerungen mehr Deutlichkeit zu geben, schaffte sie es nicht. Eher wurde der Nebel noch dichter und nahm immer mehr Raum für sich ein. 

Auch die Kopfschmerzen wurden durch die Anstrengung immer lauter, schwerer und es fühlte sich in ihrem Kopf so an, als würde man mit schwerem Gerät sich tief in ihren Windungen neue Tunnel erschaffen wollen. Vor der schweren Tür ihrer Zelle wurden die Geräusche immer leiser bis sie nicht mehr wahrnehmbar waren. Waren nun alle weg? Wurde sie hier allein zurückgelassen und würde hier überhaupt jemand kommen? All diese Fragen stellte sich Zina während sie ihre Beine sich noch einmal mehr an ihren Körper zog, um sich noch kleiner zu machen. Sie legte ihren Kopf auf den Knien ab und ihre lange, schwarzen Haare legten sich schützend um sie. Doch sollte sie nicht lang in dieser Pose bleiben. Denn die Ruhe vor ihrer Tür hielt nicht lang an. Der Riegel, der Tür wurde betätigt und die schwere Tür öffnete sich nach außen. 

Das grelle Neonröhrenlicht flutete den Raum und brannte in ihren Augen. Die aufsteigende Angst ließ sie noch mehr in die Ecke sich pressen, wie ein wildes Tier, welches in die Ecke getrieben wurde. Aiden betraten selbstsicher mit einem charmanten Lächeln Zinas Zelle und schaute sich um. Dabei schwenkte er das Glas Wasser, wie einen edlen Tropfen in einem Whiskeyglas in der Hand. "Na meine Schöne, bist du aus deinem Dornröschenschlaf aufgewacht?" raunte seine rauchige und zugleich sehr sexy Stimme durch den kleinen Raum. Mit leichten Schritten näherte er sich Zina und ging vor ihr in Knie. Dabei strahlte er in einem maßgeschneiderten Anzug eine erregende Dominanz aus. "hier Süße trink das und deinem Kopf wird es gleich wieder etwas besser gehen." meinte Aiden als er ihr das Glas Wasser entgegen streckte.

Die grau-braunen Augen von Aiden funkelten bestimmend und zugleich liebevoll Zina an. Ließ er doch seine neue Errungenschaft nicht aus den Augen und musterte sie. Mit der anderen Hand strich er ihr die Strähnen ihres Haares aus dem Gesicht. "Komm schon Süße, ich tue dir nichts. Ich bin hier, um dir zu helfen. Du kannst mir vertrauen." Sein charismatische Lächeln auf den Lippen und die Sanftheit in seiner Stimme ließen Zina den Kopf zögerlich heben. Ihre tief blauen Augen, die dem Tief des Meeres glichen, trafen auf seine. Sofort war sie von seinen Augen und dem ganzen Erscheinungsbild so fasziniert, dass sie sich in seinen Augen komplett verlor. Die Angst und das Misstrauen schob sie beiseite, denn sie wollte glauben. Glauben das er sie hier rausführen und ihr helfen wollen würde. Auch wenn sie selbst wusste, dass dies nur ein naiver Gedanke sei konnte, so ließ sie sich auf ihn ein. 

Sie wollte überleben, nicht hier unten sterben, wie sie befürchtete, wenn sie ihm nicht folgeleistete. Sie nahm eine Hand von ihren Knien und nahm das ihr angebotene Glas Wasser entgegen. Nur zögerlich benetzte sie ihren trockene Kehle mit dem frischen, lebendigen Wasser. "Nur zu, trink es aus. Ich verspreche dir, da ist nichts drin, bis auf eine Aspirin." Nickend leerte Zina das Glas und streckte ihm es wieder entgegen. Zufrieden lächelte er sie an und half ihr mit dem aufstehen. "Jetzt komm mit, wir werden dir erst einmal etwas zum anziehen besorgen und dich etwas hübsch machen. Auch wenn ich glaube, dass wir da gar nicht viel machen müssen." lächelte er sie an und half ihr auf. Seine Hand positionierte er bewusst, nach dem sie neben ihm stand auf ihrem Rücken und führte sie aus dem Raum hinaus. 

Er ging mit ihr den Flur in Richtung seines Büro und redete immer wieder sanft auf sie ein. Aiden verstand es den Mädchen die Sicherheit und den Halt nach diesem Erlebnis zu geben. Auch wenn er alles andere als dies im Sinn hatte. Zinas Augen sprangen von einem Punkt zum Nächsten und sie zwang sich so viele Einzelheiten wie möglich zu merken. Denn sie wollte so schnell wie möglich hier raus und mit dem nächsten Flieger Kolumbien wieder verlassen. In ihrem Kopf versprach sie sich, wenn sie es lebend hier rausschaffen würde, dass sie nie wieder allein in den Urlaub fliegen würde. Aber erst einmal musste sie es hier raus schaffen und lebendig das Land verlassen können. Panik stieg in ihr hoch, als sie feststellte, dass sie doch gar nicht das Land verlassen könnte, da sie doch ihre Papiere nicht mehr hatte. 

Sie hatte gar nichts mehr, noch nicht einmal ein Fetzen Stoff am leib. So wurde ihr auch schlagartig klar, dass sie dem Fremden gerade mehr als ihr lieb war ausgeliefert war. Die Beiden betraten den Raum neben dem Aidens Büro. Es war der komplett Kontrast zu dem eher herunter gekommenen, kühlen und kargen Kellerflur, mit seinen schmutzigen und kaputten Betonwänden und dem Neonröhrenlicht. Der Raum war mit Ebenholz Paneelen ausgekleidet und elektrische Kerzenhalterlampen an den Wänden tauchten den Raum in ein atmosphärisches indirektes Licht, welches den Raum in ein Goldgelb tauchte. Der Boden war mit hellem Marmorfliesen ausgelegt. Als Zina diese mit ihren nackten Füßen betrat, war sie überrascht, dass diese nicht auch wie der Boden im Flur kalt waren. Sie fühlten sich warm an, als wären sie von der Sonne geküsst worden.

In diesem Raum waren noch zwei weitere Türen, die in weitere Räume führen. Man könnte in diesem Raum denken, man wäre in einem Herrenzimmer der zwanziger Jahre. Es standen Regale voll mit Büchern in Vollholz ein großes schwarzes lederndes Sofa und zwei dazu passenden Ohrensessel. "So meine Liebe, ich glaube du würdest dich gern waschen und dir etwas anziehen. Hinter der Tür dort ist ein Bad. Dort findest du eine Dusche und etwas zum Anziehen. Ich werde hier auf dich warten und keine Angst, ich werde dich nicht bedrängen. Denn ich bin keiner von diesen Männern." Er setzte sich in einen der Sessel und schaute Zina zu, wie sie durch die Tür ins Badezimmer schritt. Nachdem die Tür geschlossen war, grinste er zufrieden und zückte aus der Schublade des Beistelltischens eine Monté Carlo, um diese sich zu gönnen. Er wusste das sein Plan aufgehen würde.

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