Zinas Augen mussten sich an das helle Licht gewöhnen, als sie das Badezimmer, welches mit den weißen Marmorfliesen gefliest war, betrat. Auch hier schien der Boden ebenso von der Sonne geküsst und gewärmt worden zu sein wie in dem Herrenzimmer nebenan. So konnte es noch immer nicht glauben, welchen Luxus hier drin herrschte. Es schien als würde sie in einer anderen Welt sein. Um nicht zu träumen kniff sie sich selbst in den Oberarm. Der Schmerz der sofort sich durch den Arm zog, deutete ihr an, dass sie wirklich in diesem Raum stand. Das Zimmer war mit einem großen, beleuchteten Spiegel ausgestattet, der über einem weißen Marmorwaschbecken mit goldenen Wasserhahn hing. Links neben der Tür in einer kleinen Nische befand sich eine Toilette, die ebenfalls sehr edel war. In der rechten Ecke des Badezimmers war eine Wasserfalldusche angebracht, in der zwei Personen locker platz gefunden hätten.
Die Dusche wurde mit deckenhohen Glasscheiben vom Raum getrennt. Neben der Dusche hingen zwei weiße Bademäntel und Duschtücher. Auf einem kleinen Hocker unter den Duschtücher lag ein bodenlanges, weißes Spitzenkleid, welches einen ausgestellten Rücken hatte. Der Rücken wurde bis zum Steiß freigelegt, so war unmöglich auch nur an Unterwäsche zu denken, die man tragen könnte. Zina betrachtete das Kleid und musste schlucken. Der Stoff fasste sich sehr hochwertig an und sie hatte die Befürchtung, dass man durch diesen Stoff all ihre Rundungen und noch mehr sehen könnte. So ließ sie es auf dem Hocker liegen und stieg erst einmal unter die Dusche. Denn sie fühlte sich in ihrer Haut mehr als nur dreckig. Als sie das Wasser anstellte und die ersten Tropfen auf ihre Haut trafen, schloss sie die Augen und fühlte sich das erste Mal frei.
Für einen kleinen Moment vergaß sie wo sie war und was noch auf sie warten würde. Ihre Haut zog das Wasser förmlich in sich auf und sie konnte spüren, wie der Dreck und Schmutz den sie auf ihrer Haut hatte von ihr hinuntergespült wurde. Zina öffnete die Augen und griff nach einer kleinen Flasche Duschgel, die nach der Verpackung zum hochpreisigen Sortiment gehörte, und machte sich ein wallnussgroßen Klecks auf ihre Handflächen. Sofort stieg ihr ein Duft von Orchidee und Vanille in die Nase. Behutsam stellte sie die Flasche wieder zurück, bevor sie ihren Körper damit säuberte. Durch die Sheabutter fühlte sich ihre Haut samtig und ausgesprochen weich an. Nachdem sie sich um ihren Körper gekümmert hatte und diesen gereinigt, nahm sie die andere kleine Flasche mit dem Shampoo. Konnte man doch sehr gut erkennen das beide Flaschen aus einer Reihe entsprangen.
Auch hier nahm sie sparsam etwas davon und massierte das Shampoo sanft ins Haar. Nach dieser gründlichen Reinigung und noch ein paar Sekunden des Genießens unter der Dusche stieg sie aus der Nasszelle und trocknete sich mit den Duschtuch ab. Dabei schmiegte sich das große, weiche Tuch sanft an ihren Körper und zog die Feuchtigkeit vom Wasser auf. Nachdem sie ihre Haare in ein weiteres Tuch gewickelt hatte, suchten ihre Blicke den Raum nach einem Fön oder ähnlichem ab. In einem Körbchen auf einem Tischchen neben dem Waschbecken wurde sie fündig. Sie trocknete ihre Haare mit dem Tuch trocken bevor sie sie mit dem Fön sorgfältig trocknete. Nachdem sie alles wieder aufgeräumt hatte ging sie zu dem Hocker, auf dem das Kleid lag und ließ ihre Fingerspitzen über den Stoff sanft gleiten.
Sie hob es an und legte es sich an. Dabei drehte sie sich zu dem Spiegel und betrachtete sich. Sah sie doch fast wie eine Braut aus. Unschuldig, zart und fast schon zerbrechlich. Behutsam stieg sie in das Kleid, was sie sofort eng an ihre Figur schmiegte. Die Befürchtung, dass man zu viel sehen konnte, war völlig unbegründet. Denn an den wichtigsten Stellen war das Kleid blickdicht verarbeitet. Selbst ihr Tattoo konnte man durch den Stoff nur erahnen, wenn man wusste wo es war, sonst verband es sich mit dem Kleid zu einem Muster. Zina betrachtete sich ausgiebig im Spiegel und konnte nicht fassen, wie sehr ihr dieses Kleid stand. Sie zog tief Luft in ihre Lungen und gab sich selbst im Stillen Zuspruch bevor sie das Badezimmer wieder verließ. Als sich die Tür zum Badezimmer wieder öffnete und Zina aus dem Bad kam, schaute Aiden sie mit einem faszinierenden Blick an.
Sie sah noch hübscher aus, als er es sich vorgestellt hatte. Langsam erhob er sich aus dem Ohrensessel und ging zu ihr. "Sieh dich nur an, meine Hübsche. Du siehst atemberaubend aus." Er hielt ihr seine Hand hin, um sie in den Raum zu geleiten. Zögerlich legte Zina ihre Hand in seine und ließ ihn sie aus der Badezimmertür hinausgeleiten und sich einmal um ihre Achse drehen. Ein schüchternes Lächeln hielt auf ihren Lippen einzog bei seinem Kommentar. "Bleib kurz hier, ich muss nur etwas holen, bevor ich mit dir gehe." lächelte er ihr charmant zu und ließ ihre Hand wieder gehen. Aiden ging in sein Büro und holte ein mit weißen Perlen besetztes Collar. Mit diesem in der Hand kam er zu ihr wieder und lächelte sie an. "Lass mich dir dieses anlegen." raunte er ihr zu, während er hinter sie ging. Behutsam legte er ihr Haar über ihre linke Schulter und legte ihr das Collar um.
Mit Vorsicht berührten Zinas Fingerspitzen das Collar. Noch nie hatte sich jemand die Mühe gemacht, ihr so etwas zu schenken. War es denn überhaupt ein Geschenk und wieso war er so bemüht das sie sich schön und gut fühlte? Diese Gedanken blitzen kurz auf, bevor sie durch seine zarten Berührungen am Rücken weg geschoben wurden. Sie zuckte zusammen und Aiden entschuldigte sich sofort bei ihr. Konnte sie jedoch sein niederträchtiges Lächeln nicht sehen, da er immer noch hinter ihr stand. "Es tut mir leid, wenn ich dich erschrocken habe. Du kannst mir wirklich vertrauen, dass ich dir nichts tun werde." Er ging um sie herum und lächelte sie sanft an. Zina atmete tief ein und dabei zog sie seinen Geruch aus Moschus und Zigarre hinein. Zögerlich und schüchtern nickte ihm zu und schaute dabei auf den Boden.
War sie aus irgendeinem Grund in seiner Gegenwart doch sehr devot und eingeschüchtert. Vielleicht lag es an seiner dominanten und dennoch charmanten Art. Sie wusste, dass sie ihm eigentlich nicht so blind vertrauen sollte. Doch war er ihre einzige Chance aus allem heraus zukommen. Zina hoffte, dass er ihr auch dabei helfen würde, aus Kolumbien zu fliehen und nach hause zu kommen. "Ich möchte dir etwas schönes zeigen. Lasse uns heute zu einem Maskenball gehen." meinte er mit einem strahlenden Lächeln und hob sanft ihren Kopf an, sodass sie ihn in seine grau-braunen Augen schauen musste. Mit einem Nicken stimmte sie ihm und er nahm zufrieden ihre Hand und ging mit ihr in sein Büro. Dort nahm er eine goldene Wolfsmaske für sich und eine goldene Maske mit einem Hirschgeweih und vergoldeten Blättern aus einer Vitrine.
Die zweite Maske erinnerte leicht an die griechische Göttin Artemis. Mit beiden Masken ging er wieder zu Zina und nahm sie bei der Hand. Vor einer Tür standen ein Paar weiße Spitzenballerinas, welche die Größe von Zina hatten. Sie schaute ihn kurz an, als er auf die Schuhe deutete und sie schlüpfte ohne Probleme hinein. Gemeinsam verließen sie das Büro und schritten die Treppe hinter der Tür hinauf zu einem luxuriösem Loft. Hier also lebte Aiden. Zielsicher ging er mit ihr zur Haustür und stieg mit ihr in einem schwarzen Mercedes ein. Die Fahrt zum Hotel dauerte nicht lang. Als sie vor der Doppeltür standen lächelte er sie noch einmal an und legte sanft ihr die Maske mit dem Geweih an. Dabei achtete er peinlich genau darauf, dass sich ihre Haare nicht mit dem Samt verknoteten. Danach setzte er sich die Wolfsmaske auf und nickte ihr zu.
"Bist du bereit?" Wieder nickte sie ihn nur stumm zu und ließ sich von ihm in den großen Saal hinter der Tür geleiten. Im Raum waren zwölf Frauen, die ein schlichtes, weißes, trägerloses Kleid trugen. Sie trugen eine weiße Hasenmaske, welche mit weißen Blumen auf der gesamten Maske verziert war. Alle Masken der Frauen waren gleich, es schien fast so, als würde das zu dem Dresscode des Balls gehören. Neben den Frauen waren acht Männer in schwarzen Smokings und mit einer goldenen, gefiederten Maske, an der je ein goldener Flügel links und rechts über den Ohr angebracht, trugen. Einige der Frauen und Männer unterhielten sich, andere wiederum tanzen zu dem leise spielenden Rockballaden. Aiden nahm Zina mit zu zwei nebeneinander gestellten Sesseln und ließ sie auf dem Rechten platz nehmen. Er holte zwei Gläser Champagner und kam damit wieder zu Zina.
Zina schaute sich um und beobachtete die Szenerie genau. Sah alles doch sehr ausgelassen aus, auch wenn sie diese Party etwas verunsicherte. Ihr fiel schnell auf, das es so schien, als würde ein Mann immer wieder mit unterschiedlichen Frauen in ein Zimmer, welches nebenan lag und durch eine Doppeltür abgetrennt war, für kurze Zeit verschwinden. Im Nebenraum mussten die Frauen die Maske und das Kleid fallen lassen. Der Mann hinter der Maske prüfte dann den Körper der Frau, einmal durch seinen Blick. Um sich ganz sicher zu sein, strich er mit seinen rauen Fingern über die Haut der Frauen und ertastete jeden Centimeter. Danach befahl er ihnen sich wieder anzuziehen und ging mit ihnen wieder zum Ball. Am Ende des Abends gingen Aiden und der Mann in das Nebenzimmer. Dort handelten sie den Verkauf von drei Mädchen aus.
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